Darmspiegelung

Anne Körbel
Darmspiegelung
Ein Endoskop entdeckt bei der Darmspiegelung eine Polype © iStock/Eraxion
Inhalt
  1. Was ist eine Darmspiegelung?
  2. Wie muss ich mich vorbereiten?
  3. Wie läuft eine Darmspiegelung ab?
  4. Welche Risiken gibt es bei einer Darmspiegelung?
  5. Ab wann ist eine Darmspiegelung sinnvoll?

Die wichtigste und genauste Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs ist die Darmspiegelung, denn je früher ein Tumor erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Auch bei unklaren Beschwerden oder bei einer Nachsorgeuntersuchung (zum Beispiel nach einem operativen Eingriff) hilft die Darmspiegelung bei der Abklärung. Wie eine Darmspiegelung durchgeführt wird, lesen Sie hier bei PraxisVita.

 

Was ist eine Darmspiegelung?

Eine Darmspiegelung (Koloskopie) nimmt in den meisten Fällen ein Gastroenterologe (Magen-Darm-Spezialist) ambulant vor. Eine Untersuchung gibt nicht nur zur Vor- oder Nachsorge von Darmkrebs Aufklärung, sondern auch bei der Diagnostik von verschiedenen Darmerkrankungen. Das Verfahren ermöglicht dem Arzt die bestmögliche Untersuchung der Darmschleimhaut. Bei verdächtigen Stellen kann bereits während der Untersuchung Gewebe entnommen oder auch direkt Polypen entfernt werden. Polypen gelten als Vorstufe von Darmkrebs. Auch bereit gewachsene Tumore werden Schätzungen zufolge zu etwa 95% durch die Untersuchung entdeckt.

 

Wie muss ich mich vorbereiten?

Einige Tage vor der Untersuchung bekommen Sie bereits ein Aufklärungsgespräch, in dem Ihnen der Arzt erklärt, was zu beachten ist und wie die Untersuchung abläuft.
Vor der Untersuchung sollte man sich mindestens einen Tag Zeit nehmen, da eine Darmreinigung mittels eines Abführmittels durchgeführt werden muss. Menge und Einnahmezeit hängen immer vom jeweiligen Präparat und dem Zeitpunkt der Untersuchung ab und können daher variieren. Achtung: Eingenommene Medikamente, wie beispielsweise die Pille verlieren wegen des Abführmittels ihre Wirkung!

Vor der Untersuchung muss eine Darmreinigung mit einem Abführmittel durchgeführt werden
Vor der Untersuchung muss eine Darmreinigung mit einem Abführmittel durchgeführt werden © iStock/RyanKing999

Drei bis vier Tage vor der Untersuchung sollte der Patient keine Eisenpräparate mehr zu sich nehmen und auf Lebensmittel verzichten, die Körner enthalten. Am Tag vor der Darmspiegelung empfiehlt sich leichte Kost, wie zum Beispiel eine Gemüsebrühe. Zusätzlich muss eine Lösung eingenommen werden, die eine abführende Wirkung hat. Ab mittags darf der Patient in der Regel nichts mehr essen. Trinken ist erlaubt. Am Tag der Untersuchung trinken Patienten vorher ein zweites Glas des Abführmittels. Denn so sauberer der Darm ist, desto besser kann der Gastroenterologe später die Schleimhaut beurteilen. Auf Wunsch bekommt der Patient eine leichte Narkose, meistens durch Propofol und bekommt somit von der Untersuchung nichts mit, die in der Regel 20 bis 30 Minuten dauert. 

Während der Untersuchung wird die ganze Zeit der Puls, die Sauerstoffsättigung und der Blutdruck des Patienten kontrolliert, falls er das Beruhigungsmittel nicht verträgt oder Kreislaufprobleme bekommt.
Wer ein Beruhigungsmittel vom Arzt bekommen hat, darf an dem Tag nicht mehr verkehrstüchtig unterwegs sein und sollte sich daher nach der Untersuchung besser abholen oder von einem Taxi nachhause fahren lassen.

 

Wie läuft eine Darmspiegelung ab?

Mastdarmspiegelung (Rektoskopie)
Der Gastroenterologe benutzt zur Darmspiegelung ein spezielles Endoskop. Dabei handelt es sich um einen etwa 1,5 Meter langen Schlauch mit einem Durchmesser von etwa einem Zentimeter (Koloskop). An der Spitze des Koloskops befindet sich eine Lichtquelle mit einer winzigen Videokamera. Die Kamera überträgt die Bilder auf einen Monitor. Außerdem hat das Endoskop einen Kanal für Instrumente und einen für eine Spülung bzw. Reinigung der Optik. Die Instrumente können zur Gewebeentnahme, Polypenentfernung oder für kleine operative Eingriffe eingesetzt werden.

Das Endoskop zur Damspiegelung heißt Koloskop und hat an der Spitze eine Kamera
Das Endoskop zur Damspiegelung heißt Koloskop und hat an der Spitze eine Kamera © iStock/robertprzybysz

Der Arzt führt zur Untersuchung das Endoskop über den After des Patienten in den Mastdarm ein (Rektoskopie). Der Mastdarm ist ein Teil des Enddarms und damit des Dickdarms.
Dabei wird Luft oder Kohlendioxid in den Darm gelassen, damit er sich weitet und die Darmschleimhaut besser zu sehen ist. Durch Kohlendioxid kann nach der Untersuchung das Gefühl von Blähungen verhindert werden, da es den Vorteil hat, dass es schneller aus dem Darm verschwindet und abgeatmet wird.

Dickdarmspiegelung (Koloskopie)
Das Endoskop wird von außen gesteuert und ist so biegsam, dass es leicht die Windungen des Darms passieren kann. Durch die Kamera werden Bilder auf einen Monitor übermittelt. Nach dem Mastdarm, wird die Kamera in den (mit Luft oder Kohlenstoffdioxid) geweiteten Dickdarm geführt (Koloskopie). Gegebenenfalls werden durch das Instrument kleine Gewebeproben (Biopsien) aus der Darmwand entnommen, die anschließend im Labor untersucht werden. Auch Polypen können bei dem Eingriff mittels des Endoskops direkt entfernt werden oder kleine operative Eingriffe vorgenommen werden. In der Regel bereiten die kleinen Eingriffe keine Schmerzen.

Bei einer Darmspiegelung wird ein Polype mit dem Endiskop entfernt
Bei einer Darmspiegelung wird eine Polype mit dem Endiskop entfernt © iStock/Eraxion

Dünndarmspiegelung (Kapselendoskopie)
Nach dem Dickdarm lässt sich das Endoskop bis zum Übergang zwischen Dick- zu Dünndarm vorschieben. Aufgrund seiner Länge und Windungen ist es mit dem Endoskop nur schwer möglich den gesamten Dünndarm zu untersuchen. Der Arzt zieht das Koloskop langsam wieder heraus und betrachtet dabei die Darmschleimhaut.

Seit einigen Jahren gibt es die Möglichkeit mit einer sogenannten Kapselendoskopie den Verdauungstrakt besser zu untersuchen. Dafür schluckt der Patient eine kleine Kapsel, die eine Kamera, eine Lampe und einen Sender besitzt. Die Kapselendoskopie dauert ungefähr acht Stunden. Dabei darf der Patient nur flüssige Nahrung zu sich nehmen, da die Kapsel auch Bilder von der Schleimhaut macht. Etwa 60.000 Bilder werden vom gesamten Verdauungstrakt aufgenommen, ehe die Kapsel durch den Stuhl wieder ausgeschieden wird. Während der acht Stunden muss der Patient allerdings in der Arztpraxis oder Klinik bleiben.

 


Welche Risiken gibt es bei einer Darmspiegelung?

In seltenen Fällen kann der Patient das Beruhigungsmittel bzw. die Narkose nicht vertragen und bekommt Kreislaufprobleme.
Die Darmspiegelung gilt als sehr sicheres Verfahren. Blutungen treten selten auf. Auch eine Perforation (Loch), welches durch die Untersuchung oder die Entfernung von Polypen entstehen kann, ist äußerst selten.

 

Ab wann ist eine Darmspiegelung sinnvoll?

Darmkrebs ist erblich, daher sollten Sie, falls im familiären Umfeld bereits Fälle der Erkrankung aufgetreten sind, relativ früh zur Vorsorge gehen. In der Regel empfiehlt man Menschen mit einem erhöhten erblichen Darmkrebsrisiko zehn Jahre vor dem ersten Befund innerhalb der Familie eine Darmspieglung vornehmen zu lassen, Knapp 20.000 Menschen erkranken jährlich an Darmkrebs – allein aufgrund ihrer erblichen Vorbelastung.
Selbst wenn man unter keinen Beschwerden leidet und genetisch nicht vorbelastet ist, haben gesetzlich Versicherte ab dem 55. Lebensjahr einen Anspruch auf die Untersuchung. Routinemäßig ist die Darmspiegelung aber früher sinnvoll – besonders bei Männern. Sie gehen meistens zur spät zur Vorsorge, dabei sind sie meistens stärker von Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol und Fettleibigkeit betroffen.
Für Menschen ohne eine erbliche Vorbelastung ist eine Koloskopie ab dem Alter von 55 Jahren nur alle zehn Jahre notwendig. Die Kosten werden dafür von den Krankenkassen übernommen. Die Zeitspanne für zehn Jahre ohne Untersuchung gilt allerdings nur dann, wenn Ihr letzter Befund der Untersuchung negativ ist. Wurden Polypen gefunden, haben Sie wie auch erblich vorbelastete Patienten kürzere Untersuchungszeiträume, die zwischen zwei und sechs Jahren variieren können.

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