Darmschwäche: Hilfe bei Stuhl-Inkontinenz

Wasserkasten tragen zur Beckboden Stärkung
Eine gute Übung für die Beckenbodenmuskulatur ist, einen Getränkekasten richtig anzuheben: Dafür stellen Sie die Füße schulterbreit auseinander und gehen leicht in die Knie, dabei den Beckenboden anspannen © Fotolia

Ein schwacher Beckenboden kann nicht nur zu Blasenschwäche, sondern im Extremfall auch zu einer Stuhl-Inkontinenz führen. Hier finden Sie Ursachen die eine Inkontinenz begünstigen.

Sie hatte starke Schmerzen, konnte kaum noch laufen und war an ihre Wohnung gefesselt. Hildegard S. hatte einen viel zu schwachen Beckenboden. Das führte so weit, dass ihr Darm nach außen trat. Dieser Enddarm-Vorfall tritt vor allem bei älteren Frauen auf. Die Ursache ist meist ein Leben voll harter körperlicher Arbeit und mehrerer Geburten.

 

Seelische Belastung führt zur Inkontinenz

„90 Prozent der Patienten sind Frauen", weiß Dr. Roland Scherer. Die auch Rektum-Prolaps genannte Erkrankung tritt schon bei leichter Belastung wie Sitzen und Gehen auf. Bei ausgeprägten Fällen hilft meist nur eine Operation.

„Bei einem Enddarm-Vorfall tritt der Darm aus dem Schließmuskel heraus. Der entzündete Enddarm ist von außen sichtbar wie eine große Tomate", erklärt Dr. Scherer. „Das führt zu Blutungen, ständigem Nässen und der Schwäche, den Stuhl zu halten – bis hin zu einer völligen Stuhl-Inkontinenz." Neben den körperlichen Schmerzen bedeutet die Erkrankung eine große seelische Belastung für die Patienten. Aus Scham sprechen Betroffene wie Hildegard S. nicht über ihre Krankheit und ziehen sich immer mehr zurück.

 

Eingriff dauert 30 Minuten

Dr. Roland Scherer hat ein neues, schonendes OP-Verfahren mit entwickelt. Dabei wird der Enddarm-Vorfall von außen mit einem speziellen Gerät entfernt. Früher wurde durch den Bauch operiert. Gerade für ältere Patienten war das ein Risiko. Der Eingriff dauert nur 30 Minuten und erfolgt in Teil- oder Vollnarkose. Mit einem speziellen Nahtgerät wird der Enddarm vom Beckenboden her entfernt und gleichzeitig vernäht.

 

Keine Narbenbildung

Die Methode ist auch nahezu schmerzfrei, weil keine Narben entstehen. Bis sich der Beckenboden vollständig erholt hat, dauert es circa sechs Monate. Regelmäßiges Training ist nach der Operation wichtig. „Die Erfolgsquote der OP beträgt 80 Prozent", sagt Roland Scherer. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.

Für Hildegard S. hat sich der Eingriff gelohnt. Danach war sie sofort schmerzfrei und konnte wieder aktiv am Leben teilnehmen.

 

Die besten Übungen für Ihren Beckenboden

In Rückenlage:

Die Beine anwinkeln und das Gesäß anheben und anspannen. Die Region von After und Scheide zusammenziehen. Spannung kurz halten. Beim Anspannen ausatmen.

In Bauchlage:

Breitbeinig hinknien, Ellbogen aufstützen. Stirn auf die Hände legen. Nun die Beckenbodenmuskeln nach oben und innen ziehen. Jede Übung zehnmal wiederholen.

Richtig heben:

Stellen Sie sich vor einen Stuhl, die Füße schulterbreit auseinander. Leicht in die Knie gehen und den Stuhl möglichst dicht am Körper hochheben. Dabei den Beckenboden anspannen. Diese Übung können Sie leicht beim Heben im Alltag (zum Beispiel Wasserkiste) machen.

Wir spüren diese Muskeln kaum, sie sind aber wichtig, denn sie stützen unsere Organe

 

Was ist der Beckenboden?

Den Beckenboden zu spüren, ist gar nicht so leicht. Dabei ist er eine der wichtigsten Muskelgruppen des Körpers. Er besteht aus drei übereinanderliegenden Muskelschichten. Sie sind aufgehängt zwischen dem Schambein, dem Steißbein und den beiden Sitzbeinhöckern des Beckens. Die Muskeln umschließen wie eine Acht Scheide und After. Sie helfen beim Öffnen und schließen dieser Körperöffnungen. Außerdem stützen sie innere Organe wie Blase und Gebärmutter. Bei einer Geburt muss sich der Beckenboden stark dehnen. Dadurch kann er so schlaff werden, dass es zu einer Blasen- oder Gebärmuttersenkung kommt.

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