Darmsanierung – Aufbau der geschädigten Darmflora

Mona Trautmann
Kapitel
  1. 1. Darmsanierung
  2. 2. Darmreinigung
  3. 3. Auswirkungen von Antibiotika auf den Darm

Zwischen zehn und 100 Billionen Bakterienarten tummeln sich im menschlichen Darm. Zusammen wiegen sie ein bis zwei Kilo – kein Wunder, dass diese Masse an Bakterien einen großen Einfluss auf den Körper hat. Gerät die Vielfalt aus der Balance, kann der Auslöser für viele Beschwerden sein. Eine Darmsanierung stellt das richtige Milieu der Darmflora wieder her.

 

Darmsanierung – Therapie gegen Fehlbesiedlung im Darm

Fachbegriffe für eine Darmsanierung sind „Mikrobiologische Therapie“ oder „Symbioselenkung“. In diesem Fall bedeutet Symbiose, dass die im Darm lebenden Mikroorganismen in einem harmonischen Gleichgewicht mit dem menschlichen Organismus leben. Gesundheitserhaltende Bakterien schützen den Darm vor Infektionen und produzieren Vitamine. Wird diese Symbiose gestört, kommt es zu einer Dysbiose: Der Anteil schädlicher Bakterien steigt und die beeinträchtigte Darmflora kann das Organ nicht mehr ausreichend vor Keimen schützen.

Deshalb kann die Fehlbesiedlung des Darms Auslöser für viele Beschwerden und chronische Krankheiten sein. Neben Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Verstopfung und Durchfall, können auch Müdigkeit, Kopfschmerzen und eine verstärkte Infektionsanfälligkeit Zeichen für eine gestörte Darmflora sein.

Mithilfe der Darmsanierung soll das natürliche Gleichgewicht im Darm wiederhergestellt werden.

Frau mit Wärmflasche - Darmsanierung
Häufige Bauchschmerzen und Blähung sind nur zwei der vielen möglichen Symptome einer gestörten Darmflora© iStock/OcusFocus
 

Für wen ist eine Darmsanierung sinnvoll?

Sinnvoll ist eine Darmsanierung nach der Einnahme von Antibiotika – diese kann die Bakterienzusammensetzung im Darm bis zu 90 Prozent verändern. Doch auch nach Pilzinfektionen und Durchfallerkrankungen ist eine geschädigte Darmflora häufig die Folge. Wer sich wenig bewegt und viele industriell hergestellte Lebensmittel zu sich nimmt, kann seiner Darmflora ebenfalls auf Dauer schaden und die Symbiose stören.

Wenn Sie vermuten, unter einer Dysbiose zu leiden, lassen Sie die Gesundheit Ihrer Darmflora beim Arzt untersuchen. Mithilfe einer mikrobiologischen Keimuntersuchung des Stuhls kann er die Zusammensetzung der Darmflora prüfen und feststellen, ob eine Darmsanierung für Sie sinnvoll ist.

 

Probiotika ­– Milchsäurebakterien für den Darm

Bei der Darmsanierung wird die Symbiose von Mensch und Bakterien durch die Einnahme von probiotischen Bakterien beeinflusst. Die lebenden Mikroorganismen siedeln sich im Dickdarm an. Sie unterstützen die Darmflora bei der Abwehr, stimulieren die Darmtätigkeit und produzieren Vitamin K (wichtig für die Blutgerinnung).
Probiotika können als Bestandteil von Lebensmitteln oder als Präparat eingenommen werden. Probiotische Lebensmittel weisen üblicherweise Bifidobakterien und Lactobazillen auf. Beide zählen zu den Milchsäurebakterien. Zu Lebensmitteln, in den von Natur aus diese Mikroorganismen enthalten, gehören:

  • Apfelessig: Dieses Lebensmittel wird aus gegorenen Äpfeln gewonnen. Bei der Gärung bilden sich Milchsäurebakterien. Apfelessig können Sie verdünnt trinken oder als Salatdressing nutzen
  • Brottrunk
  • Fermentiertes Sauerkraut: Nur frisches Sauerkraut enthält Milchsäurebakterien. Bei dem Kraut aus dem Glas wurden die Bakterien durch die Erhitzung zerstört
  • Joghurt: Je frischer, desto höher ist der Gehalt an Milchsäurebakterien. Bisher ist nicht bekannt, ob als probiotisch bezeichnete Joghurts mehr Milchsäurebakterien enthalten als herkömmliche Joghurts
  • Kefir

Schon gewusst? Sogar auf einem angebissenen Apfel, den Sie kurz liegen lassen, siedeln sich schon nach kurzer Zeit Milchsäurebakterien an.

Joghurt im Glas auf einem Tisch - Darmsanierung
Joghurt und Kefir enthalten Milchsäurebakterien, die im Darm wichtige Aufgaben übernehmen© iStock/Oksana_S

Probiotika gibt es auch als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln, Tropfen und Pulver in der Apotheke zu kaufen. Es ist möglich, dass Sie zu Beginn der Einnahme von Probiotika Blähungen bekommen. Testen Sie aus, wie viel davon Sie gut vertragen oder fragen Sie Ihren Arzt, wie viele Kapseln oder probiotische Lebensmittel Sie einnehmen können.

 

Welche Wirkung haben Probiotika?

Komplett erforscht sind die positiven Effekte von Probiotika auf den Körper noch nicht, jedoch berichten einige Forscher von diesen Wirkungen:

  • Erhalt/Förderung einer optimalen Darmflora
  • Verminderung pathogener (krankheitserregender) Keime
  • Stärkung der Immunabwehr
  • Verkürzung der Dauer von Durchfallerkrankungen
  • Linderung bei Verstopfung und Blähung
  • Senkung des Risikos von Autoimmunerkrankungen und Allergien
  • Reduktion des Darmkrebsrisikos
  • Steigerung der Kalziumabsorption
  • Senkung des Cholesterinspiegels (dazu gibt es noch keine wissenschaftlichen Belege)
  • Linderung von Unverträglichkeitssymptomen (Lactoseintoleranz)
  • Gesteigerte Vitaminproduktion

Um eine Wirkung zu erzielen, sollten Sie einige Tage am Stück vermehrt probiotische Lebensmittel zu sich nehmen, da die Bakterien schnell wieder absterben. Pro Tag sollten es zwischen 100 Millionen und einer Milliarde probiotische Keime sein. Auf Lebensmitteln ist die Menge der Keime oft nicht angegeben, bei Probiotika aus der Apotheke dagegen schon.

 

Präbiotika und Probiotika – starke Kombination für die Darmsanierung

Präbiotika sind unverdauliche Nahrungsbestandteile (Ballaststoffe), die die Aktivität und Anzahl der gesundheitsfördernder Bakterien im Darm anregen. Präbiotika sind somit Nahrung für Probiotika.

Präbiotika sind in Chicorée, Schwarzwurzeln, Vollkorngetreide (Brot), Lauch, Knoblauch, Spargel und Zwiebeln enthalten. Die besonders wirksame Kombination aus Präbiotika und Probiotika nennt man Symbiotika. Diese erhalten Sie in Kapselform in der Apotheke.

 

Nachteile der Darmsanierung mit Probiotika

Probiotika haben nicht ausschließlich positive Effekte: Auf chronisch entzündliche Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen haben Sie vermutlich einen negativen Einfluss. Wissenschaftliche Belege fehlen dafür allerdings bisher. 

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