Darmreinigung – 6 schonende Methoden & häufige Fragen

Mona Trautmann
Kapitel
  1. 1. Darmsanierung
  2. 2. Darmreinigung
  3. 3. Auswirkungen von Antibiotika auf den Darm

Bauchschmerzen, Verstopfung und Blähungen sind Symptome, die viele Menschen mit dem Darm verbinden. Doch auch Müdigkeit, Kopfschmerzen und Hautprobleme kann das Organ verursachen. Eine schonende Darmreinigung durch verdauungsfördernde Lebensmittel kann das Immunsystem stärken, die Darmflora erneuern und für mehr Wohlbefinden sorgen. PraxisVITA erklärt wie sechs schonende Methoden wirken.

 

Darm und Immunsystem – die richtige Balance ist wichtig

Etwa 80 Prozent der Immunzellen des Körpers befinden sich im Darm. Bis zu 500 Bakterienarten leben in diesem Organ und bilden die sogenannte Darmflora. Diese Bakterien unterstützen das Immunsystem und haben daher maßgeblichen Einfluss auf den Gesundheitszustand und damit auch auf das Wohlbefinden des Menschen.

Kleine Störungen kann der Darm gut ausgleichen – dauerhafte Belastungen schädigen die Darmflora jedoch mit der Zeit: Gute Keime gehen zurück, schlechte breiten sich aus. Auch das Immunsystem leidet unter dieser „Fehlbesetzung“ im Darm.

Zu möglichen Störfaktoren des Darms gehören:

  • ungesunde Ernährung (Fertigprodukte, fettreiche Lebensmittel, Industriezucker)
  • Medikamenteneinnahme
  • Rauchen
  • Alkoholkonsum
  • Stress
Bauch von einer Frau - schonende Methoden zur Darmreinigung
Eine Fehlbesiedlung im Darm kann zu vielen unterschiedlichen Beschwerden führen. Eine schonende Darmreinigung bringt die Darmflora wieder ins Gleichgewicht© iStock/londoneye
 

Was ist das Ziel einer Darmreinigung?

Ziel einer Darmreinigung ist es, den Darm wieder ins Gleichgewicht zu bringen, Giftstoffe zu entfernen, die gereizte Darmschleimhaut zu entlasten und zu heilen.

Die gestörte Darmflora soll von ungesunden Bakterien, Pilzen und festsitzenden Stuhlresten gereinigt und mit nützlichen Bakterien besiedelt werden.

Im Gegensatz zu Darmreinigungen vor medizinischen Untersuchungen wie zum Beispiel vor einer Darmspiegelung (Koloskopie), ist das Ziel bei den schonenden Methoden nicht die vollständige Darmentleerung durch Abführmittel.

 

Dysbiose - Auswirkungen einer gestörten Darmflora

Eine Dysbiose beschreibt den Zustand des Ungleichgewichts verschiedener Bakterienarten. Sie ist das Gegenteil einer Symbiose: Mensch und Bakterien profitieren nicht voneinander, sondern die Bakterien schaden dem menschlichen Darm. Das Ungleichgewicht äußert sich in zahlreichen Symptomen, von denen einzelne oder mehrere auftreten können:

  • Allergien
  • Autoimmunerkrankungen
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Hauterkrankungen wie Neurodermitis
  • Migräne
  • Müdigkeit/Erschöpfung
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Rheuma
  • Reizdarm
  • Reizmagen
  • Verstopfung
 

Darmreinigung zu Hause – 6 sanfte Methoden

Viele denken beim Wort „Darmreinigung“ an Bauchschmerzen, Durchfall und aggressive Abführmittel. Doch es gibt auch schonende Methoden, um den Darm von Giftstoffen, festsitzenden Stuhlablagerungen und Krankheitserregern zu befreien.

Eine sanfte Darmreinigung kann jeder zu Hause durchführen. Die schonenden Methoden lassen sich ideal in den Alltag integrieren: Sie nehmen Nahrungsmittel ein, die die Darmfunktion anregen, Giftstoffe binden und den Darm so auf natürliche Art reinigen. Dabei sollten Sie möglichst nur basische und unverarbeitete Lebensmittel essen, die sie frisch zubereiten. Unterstützen Sie Ihren Körper beim Entgiften auch indem Sie viel Wasser trinken (zweieinhalb bis drei Liter täglich).

Natürliche Darmreinigung mit Flohsamenschalen

Flohsamen sind Quellstoffe – das heißt, dass sie im Darm aufgehen und das Organ ausfüllen. Verhärteter Speisebrei im Darm wird auf diese Weise gelöst und mit dem nächsten Stuhlgang ausgeschieden. Zusätzlich binden Flohsamenschalen Giftstoffe und schädliche Bakterien.

Trinken Sie für maximal sechs Wochen täglich etwa eine Stunde vor oder zwei Stunden nach dem Essen ein Glas Wasser mit einem Teelöffel aufgelöstem Flohsamenpulver. Sie können bis zu 40 Gramm (etwa zwölf Teelöffel) Flohsamenschalen pro Tag zu sich nehmen. Wichtig ist, dass die Samen fein gemahlen sind. Trinken Sie die Lösung direkt nach dem Anmischen – sonst dickt das Getränk zu sehr ein. Aufgrund des hohen Ballaststoffgehalts von 87 Prozent, sollten Sie viel Wasser trinken, um Verstopfungen oder schlimmstenfalls einen Darmverschluss zu vermeiden.

Die abführende Wirkung der Flohsamenschalen findet verzögert statt: Zwei bis drei Tage kann es dauern, bis das natürliche Mittel sich bemerkbar macht. Nach der mehrwöchigen Kur können Sie täglich weiterhin ein bis zwei Teelöffel Flohsamenschalen pro Tag zu sich nehmen. So tun Sie Ihrer Darmflora etwas Gutes und beugen Verstopfungen vor.

Ergänzend zu den Flohsamenschalen können Sie Bentonit einnehmen. Das Tonmineral bindet Schadstoffe im Darm, die dann beim Stuhlgang ausgeschieden werden. Bei der Dosierung achten Sie auf die Herstellerangaben auf der Verpackung. Für die Darmreinigung gilt: ein halber verdünnter Teelöffel zweimal täglich für etwa vier Wochen.

Menschen die schon einmal einen Darmverschluss hatten, sollten auf die Einnahme von Flohsamenschalen verzichten.

Frauen trinken Wasser - Wasser trinken bei der Darmreinigung
Viel Wasser zu trinken ist bei der Darmreinigung wichtig – Giftstoffe werden ausgespült und Verstopfungen vermieden© iStock/ijubaphoto

Ingwer zur Darmreinigung

Diese Wurzel ist ein Allround-Talent und eignet sich ideal zur dauerhaften Darmreinigung. Ingwer hat eine entzündungshemmende und verdauungsanregende Wirkung. Sie können geschälten Ingwer auf nüchternen Magen als Tee trinken oder ein Stück der Wurzel langsam zerkauen. Für viele Gerichte wie zum Beispiel Suppen eignet sich Ingwer als Gewürz – so bauen Sie den natürlichen Darmreiniger einfach in Ihren täglichen Speiseplan ein.

Leinsamen – Samen mit stuhlregulierender Wirkung

Leinsamen quellen in Verbindung mit Flüssigkeit auf. Sie erhöhen den Druck auf die Darmwand und regen die Verdauung an. Ihre Wirkung entfaltet die dunkelbraune Leinsaat am besten, wenn sie zerkleinert wird. Zur Darmreinigung nehmen Sie drei Wochen lang eine Mischung aus Leinsamenmehl und Kefir ein. In der ersten Woche trinken Sie einen Teelöffel Leinsamenmehl in 100 Millilitern Kefir, in der zweiten Woche zwei Löffel und in der dritten Woche drei.

Oregano mit Holzlöffel - schonende Darmreinigung mit Oregano Öl
In Form von Öl ist das beliebte Gewürz eine Wohltat für einen gestressten Darm© iStock/Juanmonino

Oregano Öl – natürliches Antibiotikum für den Darm

Oregano ist nicht nur beliebt zum Würzen von Speisen, sondern ist zugleich eine Art natürliches Antibiotikum. Das Öl der Pflanze wirkt gegen Darmparasiten, Pilze und Entzündungen. Zur schonenden Darmreinigung nehmen Sie Oregano Öl nur in verdünnter Form zu sich: Einen Tropfen des Öls mischen Sie mit zehn oder 20 Tropfen eines anderen Öls (Olivenöl oder Rapsöl). Alternativ gibt es Oregano Öl auch in Kapselform.

Die Orgenano-Öl-Kur sollten Sie für die Dauer von einer Woche durchführen.

In den ersten zwei Tagen nehmen Sie nur einmal einen verdünnten Tropfen am Morgen zu sich. Am dritten Tag dürfen Sie morgens und abends je einen verdünnten Tropfen einnehmen und schließlich drei pro Tag. Ungefähr eine Stunde nach der Einnahme nehmen Sie einen bindenden Stoff (zum Beispiel Bentonit) zu sich, der die gelösten Giftstoffe aufnimmt. Zwischen zwei Oregano-Öl-Kuren sollte mindestens eine Woche Pause liegen.

Sauerkrautkur – Saft als natürlicher Darmreiniger

Sauerkraut ist ein Lebensmittel mit vielen positiven Eigenschaften: Es enthält viel Vitamin C, Ballaststoffe und hat eine probiotische Wirkung. Binden Sie rohes Sauerkraut und/oder Sauerkrautsaft ein- bis zweimal wöchentlich in Ihren Speiseplan ein, um Ihren Darm zu reinigen und die Darmflora zu stärken.

 

Heilerde – Natürliches Mittel zur Entgiftung

Heilerde hat die Fähigkeit, Gifte und Stoffwechselprodukte an sich zu binden. Nehmen Sie regelmäßig einen Teelöffel Heilerde aufgelöst in Wasser zu sich. In Pulver- und Kapselform bekommen Sie das entgiftende Produkt in der Apotheke, im Drogeriemarkt oder im Reformhaus. Auf der Verpackung steht, ob es sich um Heilerde zur inneren oder äußeren Anwendung handelt. Heilerde neutralisiert die Magensäure und bringt das Verhältnis von Säuren und Basen ins Gleichgewicht. Richten Sie sich bei der Dosierung nach den Anweisungen auf der Verpackung und danach, wie viel des Pulvers Sie vertragen. Achten Sie darauf, die Lösung mit ein oder zwei Stunden Abstand zu einer Mahlzeit zu sich zu nehmen und ausreichend Wasser zu trinken.

Wenn Sie Medikamente einnehmen, sollten Sie zuvor mit ihrem Arzt besprechen, ob Mittel wie Heilerde oder Bentonit die Wirksamkeit beeinträchtigen.

Frau schneidet Gemüse - basische Ernährung zur Darmreinigung
Je mehr basische Lebensmittel Sie essen, desto besser unterstützen Sie Sie die Reinigung des Darms© iStock/Anchly
 

Ernährung bei der Darmreinigung – was darf man essen?

Während der Darmreinigung sind Lebensmittel empfehlenswert, die den Verdauungstrakt schonen und viele Ballaststoffe enthalten. Je basischer sie essen und je mehr Wasser Sie trinken, desto besser unterstützen Sie die Reinigung Ihres Darms.

Zu den geeigneten Lebensmitteln gehören:

  • Basische Lebensmittel wie zum Beispiel Spinat, Salat, Petersilie, Kohl, Artischocke
  • Gemüse: Blattsalat, Kohl,
  • Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Kichererbsen)
  • Früchte und Trockenfrüchte
  • Kräuter
  • Nüsse und Samen (Chiasamen, Hanfsaat, Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne)
  • Wasser trinken, möglichst ohne Kohlensäure
  • Suppen, Gemüsesäfte

Vermeiden sollten Sie Lebensmittel, die viel Zucker und/oder Weißmehl enthalten, da diese die Entstehung von Pilzen begünstigen können. Verzichten sollten Sie während der Darmreinigung außerdem auf Alkohol, Fertigprodukte und schleimbildende Lebensmittel wie Käse, Quark und Joghurt, da diese den Reinigungsprozess stören.

 

Darmreinigung vor Koloskopien und Operationen

Medizinisch notwendig ist die Darmreinigung bei einer Darmspiegelung. In diesem Fall muss der Darm vollständig entleert sein, damit der Untersuchende freie Sicht auf die Darmschleimhaut hat. Deshalb nimmt der Patient zuvor eine abführende Lösung ein. Einige Tage vor der Untersuchung sollten Sie auf ballaststoffreiche Nahrungsmittel mit Kernen verzichten. Dazu gehören neben Müsli und Vollkornprodukten auch kernreiches Obst wie Kiwis und Trauben.

Der Nachteil bei einer Darmreinigung durch Abführmittel ist, dass auch gute Darmbakterien mit ausgeschieden werden, was die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringt. Außerdem verlieren Sie bei dieser Methode sehr viel Flüssigkeit. 

Auswirkungen von Antibiotika auf den Darm
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