Darmkrebs: Früherkennung ist alles

Im Frühstadium ist Darmkrebs heilbar
Früh erkannt, ist Darmkrebs heilbar – darum sollten Sie regelmäßig zur Vorsorge gehen © Fotolia

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 65 000 Menschen an Darmkrebs, rund 26 000 sterben. Er ist bei Männern wie Frauen die zweithäufigste tödlich verlaufende Krebsform. Dabei ist er, frühzeitig erkannt, fast immer heilbar: Gutartige Polypen, aus denen sich der Krebs über viele Jahre entwickeln kann, können nämlich einfach entfernt werden – wenn sie rechtzeitig entdeckt werden. Und wenn es keinen Befund gibt, kann man sich zehn Jahre lang sicher fühlen, weil Darmkrebs extrem langsam entsteht.

 

Die Zahl der Krebsfälle wird weiter steigen

Eine aktuelle Studie der Universität Greifswald zeigt, dass die Darmkrebsfälle bis zum Jahr 2030 stark zunehmen werden, in einigen Regionen um die 40 Prozent und vor allem bei Männern. Umso erschreckender, dass immer weniger Menschen zur Darmspiegelung gehen, der bislang besten Möglichkeit der Früherkennung. Die Zahl der Patienten ist in den vergangenen Jahren um 35 Prozent gesunken.

 

Männer sollten früher zur Vorsorge gehen

Männer erkranken im Schnitt zehn Jahre früher und zudem häufiger an Darmkrebs als Frauen. Die Gründe: schlechtere Ernährungsgewohnheiten, weniger Bewegung, mehr Alkohol und Nikotin und seltenere Arzt- und Vorsorgetermine. Nach den Vorsorge- Richtlinien der Krankenkassen haben bislang Männer wie Frauen ab 50 Jahren jährlich Anspruch auf einen Stuhltest, ab 55 Jahre auf eine Darmspiegelung. Krebsexperten fordern nun, Männer früher zur Vorsorge zu bitten: Sie sollen bereits ab 50 Jahren zur Darmspiegelung gehen.

 

Neuer Stuhltest – bislang nur für Selbstzahler

Blut im Stuhl kann ein erster Hinweis auf Tumore sein. Doch die bisherigen Tests suchen ausschließlich nach dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der oft schon im Darm von Bakterien zersetzt wird. Neue Tests sind präziser: Sie können nach Haptoglobin, einem wesentlich stabileren Blutbestandteil, oder direkt nach dem Tumormarker Calprotectin suchen. Die Kosten hierfür (ca. 20 Euro) zahlen die Kassen allerdings bislang nicht.

 

Auf Krebsfälle in der Familie achten

Etwa vier Millionen Deutsche haben ein familiär erhöhtes Darmkrebsrisiko. Studien zufolge ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie zehn Jahre früher erkranken als der Durchschnitt. Deshalb sollten sie auch früher zur Darmspiegelung: zehn Jahre vor dem niedrigsten Erkrankungsalter eines Verwandten, spätestens jedoch zwischen 40 und 45 Jahren. Bei familiär vorbelasteten Personen bezahlt die Kasse. Informationen zum familiären Darmkrebs-Risiko gibt es unter www.darmkrebs.de

 

Experten fordern Darmkrebs-Screening

Frauen ab 50 Jahren werden regelmäßig angeschrieben und zur Mammograffie gebeten. Das sogenannte Brustkrebs-Screening ist sehr erfolgreich, es führt dazu, dass die Erkrankung immer früher erkannt und geheilt wird. Experten fordern ein solches Screening auch für Darmkrebs. Große Studien in den USA und Spanien haben gezeigt, dass flächendeckende Vorsorge-Untersuchungen die Sterblichkeit halbieren könnten. In beiden Studien wurden die Teilnehmer persönlich angeschrieben und zu einem Stuhlbluttest oder zu einer Darmspiegelung geladen. Dabei wurden zahlreiche Krebsfälle rechtzeitig entdeckt.

 

Virtuelle Untersuchung erkennt nicht alles

Was viele Menschen nicht wissen: Neben der klassischen Spiegelung kann der Darm auch mittels Computer- oder Kernspintomografie untersucht werden. Das klingt sanft und weniger peinlich, weil dabei nichts in den Körper eingeführt werden muss. Doch auch diese Methode hat Nachteile: Sie ist mit rund 800 Euro teuer, die Krankenkassen übernehmen die Kosten bislang nicht. Neben der Strahlenbelastung werden kleine und flache Veränderungen oft nicht erkannt. Außerdem: Polypen kann man zwar virtuell entdecken, aber letztlich nur operativ entfernen, eine zusätzliche Darmspiegelung ist dann unumgänglich.

 

Darmreinigung ist viel einfacher geworden

Dass die Darmspiegelung so unbeliebt ist, liegt auch an der Vorbereitung: die leider notwendige Darmreinigung. Früher musste dafür literweise grauslich schmeckende Abführ-Flüssigkeit getrunken werden, und man verbrachte danach die halbe Nacht auf der Toilette. Doch in diesem Bereich hat sich viel getan: Die neuen Produkte schmecken erträglich nach Zitrone oder Orange, man darf die notwendigen zwei Liter in zwei Portionen trinken, und die Wirkung ist gut beherrschbar.

 

Rotes Grillfleisch erhöht das Krebsrisiko

Der Einfluss unserer Ernährung auf das Entstehen von Darmkrebs wird gerade umfassend erforscht. Dass Fast Food und Fertiggerichte dabei nicht gut wegkommen, scheint bereits abgemacht. Nach einer aktuellen Studie aus England lässt sich das Risiko um 17 Prozent senken, wenn man täglich rund 90 Gramm Ballaststoffe aus Vollkorn isst. Hülsenfrüchte wie Linsen tun dem Darm gleichfalls gut.

Grillfreunde sind dagegen gefährdet: Scharf angebratenes rotes Fleisch und verarbeitete Wurstwaren erhöhen das Krebsrisiko, wie eine US-Studie mit mehr als 2500 Menschen jetzt gezeigt hat. Dabei ist neben der Art des Fleisches auch die Zubereitung entscheidend: Wird rotes Fleisch nur bei niedrigen Temperaturen gegart, schadet es dem Organismus offenbar nicht. Und: Geflügelfleisch gilt als problemlos.

 

Die beste Vorsorge: Kleiner Schlauch mit großer Wirkung

Die etwa 20 Minuten dauernde Darmspiegelung (der medizinische Begriff lautet: Koloskopie) ist nicht nur Früherkennung, sie ist tatsächlich eine Vorsorge: Nach vorheriger Darmreinigung erhält der Patient eine leichte Betäubung oder wird in einen kurzen Dämmerschlaf versetzt. Dann untersucht ein Facharzt für Magen-Darm-Heilkunde (Gastroenterologe) mit einem Endoskop – einem rund anderthalb Meter langen, dünnen Schlauch, an dem Mini-Kamera und Lampe angebracht sind – den Dickdarm sowie den unteren Teil des Dünndarms.

Sollte er dabei Polypen oder andere verdächtige Stellen entdecken, kann er sie gleich entfernen. So kann kein Krebs mehr entstehen. Polypen wachsen extrem langsam, die nächste Spiegelung ist in der Regel erst wieder in zehn Jahren fällig.

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