Darmgeräusche: Was ist los im Darm?

Sarah Schwiete Medizinredakteurin

Darmgeräusche können richtig unangenehm sein. Vor allem dann, wenn man in einem Termin sitzt und der Bauch sich dazu entscheidet, mit lautem Glucksen und Blubbern die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Aber warum macht der Darm überhaupt Geräusche? Und können Darmgeräusche ein Grund zur Sorge sein?

Inhalt
  1. Darmgeräusche: Woher kommen sie?
  2. Darmgeräusche: Wie klingen sie?
  3. Kann der Darm zu viele Geräusche machen?
  4. Kann der Darm auch zu wenig Geräusche machen?
  5. Darmgeräusche: Muss man damit zum Arzt?
  6. Darmgeräusche mindern: Was kann man selbst tun?
 

Darmgeräusche: Woher kommen sie?

Darmgeräusche können sehr vielfältig sein. Oft machen sie sich durch ein Grummeln, Glucksen oder Blubbern bemerkbar. Aber woher kommen diese Geräusche?

Dass der Bauch bzw. der Darm sich ab und an durch Geräusche bemerkbar machen, liegt in den meisten Fällen an der sogenannten Peristaltik. Unter diesem Begriff versteht man die Aktivität der Darm-Muskulatur. Mithilfe dieser wellenartigen Bewegung wird der Speisebrei aus dem Magen erst in den Dünn-, dann in den Dickdarm weitergeleitet, bevor er letztlich ausgeschieden wird.

Wenn wir essen oder sprechen, schlucken wir automatisch Luft. Diese Gase (Kohlendioxid, Wasserstoff und Methan), die bei der Verdauung im Körper entstehen, sind ebenfalls an der Geräuschkulisse beteiligt. Denn laute Darmgeräusche entstehen vor allem dann, wenn Gase und Flüssigkeiten durch die Bewegung eingequetscht werden – dass für Darmgeräusche typische Glucksen entsteht.

Bauchmassage
Bauchschmerzen Darmreinigung – 6 schonende Methoden & häufige Fragen

 

Darmgeräusche: Wie klingen sie?

Es gibt nicht nur das eine Darmgeräusch. Darmgeräusche können sehr vielfältig sein und unterschiedlichen Ursachen zugrunde liegen:

  • Sind Darmgeräusche eher dumpf, glucksend oder gurgelnd, deutet das auf eine normale, unauffällige Peristaltik hin.
  • Spritzende Geräusche macht der Darm, wenn der Platz innerhalb der Darmschlingen sehr eng ist.
  • Klingen die Geräusche dagegen eher metallisch oder wie Wasser plätschernd, kann sich ein sogenannter mechanischer Darmverschluss dahinter verbergen. In diesem Fall tut der Darm alles dafür, um die Blockade zu beseitigen, dafür steigert er die Darmbewegung.
 

Kann der Darm zu viele Geräusche machen?

Macht der Darm hin und wieder lautstarke Geräusche, ist das kein Grund zur Sorge. Es gibt jedoch behandlungsbedürftige Erkrankungen, bei denen der Darm zu viele Geräusche macht. Mediziner sprechen in solchen Fällen von einer verstärkten Darmbewegung, der sogenannten Hyperperistaltik. Eine verstärkte Darmbewegung kann verschiedene Ursachen haben:

Frau hält sich die Hände vor den Bauch
Selbsttests Selbsttest: Was wissen Sie über das Reizdarmsyndrom?

Reizdarm: Stress und Ärger können sich auf den Bauch und Magen-Darm-Trakt auswirken. In den Darmwänden sind über 100 Millionen Nervenzellen mit einander verwoben. Das „Bauchhirn“ ist recht empfindlich. Daher können Ärger, Stress, aber auch Alkohol, Medikamente oder Nikotin nicht nur laute Darmgeräusche, sondern auch Durchfall, krampfartige Bauchschmerzen und Blähungen auslösen.

Nahrungsmittelintoleranz: Wenn laute Darmgeräusche besonders häufig nach den Mahlzeiten auftreten, kann dies auf eine Nahrungsmittelintoleranz hindeuten.

Intoleranzen gegen Fructose, Laktose oder Gluten zählen zu den häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Im Falle einer Nahrungsmittelintoleranz fehlen im Darm Enzyme, die für den Abbau bestimmter Stoffe zuständig sind. Die sich im Dickdarm befindenden Bakterien übernehmen die Aufgabe des Enzyms und spalten den Zucker auf. Die Folge: Bei diesem Prozess bilden sich Gase und damit Darmgeräusche, mitunter auch Bauchschmerzen und Blähungen.

Darmgeräusche können aber auch durch ein sogenanntes mechanisches Hindernis ausgelöst werden, durch das der Stuhl nicht ungestört die Darmschlingen passieren kann.

Ursachen, die ein solches Hindernis darstellen können, sind beispielsweise:

  • entzündliche Verengungen (sogenannte Stenosen)
  • Darmverschlingungen oder -einstülpungen
  • Verwachsungen
  • verschluckte Fremdkörper

Wenn Darmgeräusche permanent zu hören sind, kann dies auch auf eine Magenschleimhautentzündung oder eine Entzündung des Dünndarms hindeuten. Ebenso könnte der Nerv, der die Darmbewegung steuert, der sogenannte Nervus vagus, übererregt sein und so permanente Darmgeräusche auslösen.

 

Kann der Darm auch zu wenig Geräusche machen?

Auch wenn Darmgeräusche manchmal nerven, so sind sie immer noch besser als gar keine Darmgeräusche. Denn wenn der Darm keinen Laut von sich gibt, kann dies unter Umständen lebensgefährlich werden.

Sind auch unter Eindrücken des Bauches für den Arzt mit dem Stethoskop keine Darmgeräusche wahrnehmbar, kann dies auf einen Darmverschluss infolge einer gelähmten Darmmuskulatur hindeuten. Mediziner bezeichnen dies auch als „Grabes- oder Totenstille“ - im Bauch kommt es zu keiner Darmbewegung mehr.

Frau trinkt ein Glas Wasser
Selbstbehandlung Darm entgiften: Was bringt die innere Reinigung?

Anders als man vermuten würde, treten bei diesem Krankheitsbild keine oder kaum spürbare Bauchschmerzen auf. Stattdessen ist die Bauchdecke extrem druckempfindlich und der Allgemeinzustand des Patienten ist sehr schlecht. Dieser sogenannte paralytische Darmverschluss stellt immer einen medizinischen Notfall dar, der sofort behandelt werden muss, um Komplikationen, wie z.B. einen Darmwanddurchbruch, zu vermeiden.

 

Darmgeräusche: Muss man damit zum Arzt?

Wie vorab schon erwähnt, sind Darmgeräusche, die hin und wieder auftreten nicht besorgniserregend. Wenn der Betroffene jedoch das Gefühl hat, dass das Grummeln und Blubbern im Bauch überhandnehmen, sollten ein Arzt aufgesucht werden. Meist ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Er wird zunächst nach der Verdauung fragen. Die Frage nach der Häufigkeit und Beschaffenheit vom abgesetzten Stuhlgang spielt für die Diagnose ebenso eine Rolle, wie die Frage nach bestehenden Grunderkrankungen, einzunehmenden Medikamenten oder bekannten Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Das Abhören des Bauches mithilfe des Stethoskops gehört zur körperlichen Untersuchung, genauso wie das Abtasten des Bauches oder das Abklopfen des Bachnabelbereiches. Eventuell wird er sogar eine Ultraschalluntersuchung des Bauches machen.

In den meisten Fällen kann schon der Hausarzt die Ursachen für die Darmgeräusche ausfindig machen. Kann er jedoch keine eindeutige Diagnose stellen, wird er den Patienten an einen entsprechenden Facharzt für Darmerkrankungen, einen sogenannten Gastroenterologen, verweisen.

Frau mit Koffer sitzt bedrückt auf der Couch
Reizdarm Reisezeit: So haben funktionelle Darmbeschwerden keine Chance

 

Darmgeräusche mindern: Was kann man selbst tun?

Wenn Darmgeräusche gehäuft auftreten, sollten diese von einem Arzt untersucht werden, um mögliche organische Erkrankungen ausschließen zu können. Sind diese Untersuchungen unauffällig, kann man selbst einiges tun, um lästige Geräusche des Darmes zu reduzieren.

Bewegung für den Darm

Das beste Rezept für eine gesunde Verdauung ist Bewegung. Schon tägliche Spaziergänge regen den Stoffwechsel an und fördern so die natürliche Darmbewegung. Auch öfter mal die Treppe zu nehmen statt des Aufzugs, kann sich positiv auf den Darm auswirken.

Auf leichte Kost setzen

Üppige Mahlzeiten – aber auch Salat – können Blähungen, Völlegefühl oder Bauchschmerzen auslösen. Daher ist es sinnvoll, die Verdauung frühzeitig zu unterstützen, etwa indem wir auf leichte Kost setzen, also Fettreiches, Rohkost und Hülsenfrüchte reduzieren.

Auch die Art, wie wir essen, kann das Rumpeln im Bauch beeinflussen. Nervige Darmgeräusche verschwinden, wenn wir langsamer essen und auf Kohlensäure in Getränken verzichten. Setzen Sie sich zum Essen also hin und nehmen Sie sich Zeit. Denn schlingen wir unser Essen aus Zeitnot nur herunter, statt es gut zu kauen, verschluckt automatisch auch mehr Luft, die später auch wieder raus will.

Ausreichend trinken

Zudem ist es wichtig, immer etwas zu den Mahlzeiten zu trinken, am besten stilles Wasser oder ungesüßte Tees. Über den Tag verteilt möglichst zwei Liter Flüssigkeit aufnehmen – das beugt auch Verstopfung vor.

Natürliche Hilfe für den Darm

Pfefferminze und Kümmel enthalten Stoffe, die Magen-Darm-Probleme schnell und verträglich lindern. Pfefferminzöl wirkt krampflösend und schmerzlindernd, Kümmelöl hemmt die Gasbildung. Gerade in der Kombination sind die Heilpflanzen besonders effektiv – und wirken wie chemisch-synthetische Medikamente, ohne jedoch den Organismus zu belasten. Schmerzendes Druckgefühl sowie unangenehme Darmgeräusche bleiben dadurch aus.

Quellen:

Block, Berthold (2006): Gastrointestinaltrakt. Leber, Pankreas und biliäres System, Thieme, Stuttgart [u.a.]

Schmiedel, Volker (2016): Alarm im Darm. Mythos Reizdarm – was Ihrer Verdauung wirklich hilft, TRIAS Verlag, Stuttgart

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2020 praxisvita.de. All rights reserved.