Darmflora: Schützt Joghurt vor Leberkrebs?

Rasmus Cloes
Können Probiotika im Joghurt die Leber schützen?
Können Probiotika im Joghurt die Leber schützen? © Alamy

Wissenschaftler entdecken gerade erst, was für einen großen Einfluss die Darmflora auf unsere Gesundheit hat. Jetzt zeigt eine neue Studie: Probiotika, die sich in Joghurt finden, können die Leber schützen.

Die Leber leidet still – bis es zu spät ist. Im schlimmsten Fall bedeutet das Krebs. Das Leberzellkarzinom ist weltweit die zweithäufigste tumorbedingte Todesursache. Fast 800 000 Menschen erkranken jedes Jahr daran. Die meisten sterben. Im Jahr 2012 waren es 746 000.

In Deutschland trifft es besonders Männer: Jedes Jahr entwickeln etwa zehn von 100 000 Männern einen Tumor in der Leber. Tendenz steigend. Hauptursache sind übermäßiger Alkoholkonsum und Viruserkrankungen wie Hepatitis B oder C. Insgesamt erkranken hierzulande jährlich etwa 9 000 Menschen – darunter knapp 3 000 Frauen.

 

Probiotika gegen Leberzellkarzinome

Einen einfachen Schutz vor der Krankheit haben jetzt möglicherweise chinesische Wissenschaftler gefunden: Probiotika – in diesem Fall Milchsäurebakterien – sollen die Darmflora stärken, mögliches Tumorwachstum hemmen und so die Leber schützen. Zu diesem Schluss kommen die Forscher in einer Studie, die sie vor Kurzem in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht haben.

Die Wissenschaftler der Universität Hongkong haben Mäusen mit einem Lebertumor eine bestimmte Mischung an Probiotika verabreicht, die denen im Joghurt ähnelt. Nach einer Woche verglichen sie die Tumoren der Mäuse mit denen von unbehandelten. Im Schnitt waren diese in der Probiotika-Gruppe etwa 40 Prozent leichter und kleiner. Als mögliche Ursache führen die Wissenschaftler die entzündungshemmende Wirkung der Probiotika an.

Mann Leber
Besonders Männer schaden durch ihren Lebensstil ihrer Leber. Können sie diese mit einem anderen Organ schützen?© Fotolia

Zuvor konnten mehrere Studien zeigen, dass Probiotika bei Darmkrebs dem Tumorwachstum entgegenwirken. Dieser Zusammenhang ist relativ naheliegend, da sich die Bakterien im Darm ansiedeln und ihr großer Einfluss auf die dortige Bakterienflora relativ lange bekannt ist. Die neue Studie aus Hongkong reiht sich allerdings in die wachsende Zahl der Studien ein, die zeigen, dass die Darmflora noch viele weitere Prozesse unseres Körpers steuert.

So sieht es auch David Dearnaley, Professor für Uroonkologie am Institut für Krebsforschung in London, der nicht an der Studie beteiligt ist: „Beim Menschen wiegt die Darmflora in etwa so viel wie das Gehirn. Sie wurde aber bis vor Kurzem als Organ vernachlässigt.“ Langsam entdecke man ihre große Relevanz – nicht nur bei Krankheiten wie Colitis ulcerosa oder Morbus Chron, sondern auch bei vielen anderen Leiden. In diesem konkreten Fall lasse sich über die Relevanz bei menschlichem Krebs nur spekulieren. Das Ergebnis sei jedoch „sehr spannend“ und könne möglicherweise zur Entwicklung neuer Immuntherapien führen.

Auch Dr. Marcus Dorner, Immunologe am Imperial College in London, hält die Forschung für vielversprechend – lenkt aber ein, dass erst Studien am Menschen Aufschluss über den wirklichen Nutzen bringen können. Tatsächlich gilt: Ein Medikament, das Tumorwachstum und -größe verringert, muss nicht unbedingt die Überlebenswahrscheinlichkeit von Erkrankten verbessern.

 

Schützt die Darmflora die Leber von Alkoholikern?

Einen ersten Schritt in diese Richtung hat vor Kurzem ein Forscherteam aus Frankreich gemacht. Sie stellten fest, dass manche Alkoholiker schnell eine Leberzirrhose entwickeln, während das Organ bei anderen lange gesund bleibt. Sie untersuchten daraufhin die Darmflora von 38 Alkoholabhängigen und bemerkten große Unterschiede. Dabei erkannten die Forscher, dass jene mit gesunder Darmflora auch wenig Schäden an der Leber hatten.

Im zweiten Schritt ihrer Studie entnahmen sie den nahezu gesunden Teilnehmern Proben aus der Darmflora und setzten diese Mäusen mit einer geschädigten Leber ein. Schon nach wenigen Tagen verbesserte sich bei den Tieren der Zustand des Organs.

Bis sich aus dieser Forschung ein konkretes Medikament für Patienten mit geschädigter Leber entwickelt, wird es wohl noch eine Weile dauern. Bis dahin kann die richtige Ernährung die Darmflora verbessern – und so vermutlich die Leber schützen.

 

Darmflora stärken: Futter für gute Bakterien

Sieht so das perfekte Müsli für eine gesunde Darmflora aus?
Sieht so das perfekte Müsli für eine gesunde Darmflora aus?© Fotolia

Damit sich gesunde Darmbakterien vermehren können, benötigen sie spezielle Nahrung. Am liebsten mögen sie Ballaststoffe, sogenannte Präbiotika. 30 Gramm sollten wir davon täglich zu uns nehmen. So viel steckt zum Beispiel in einer Scheibe Vollkornbrot, einer Portion Haferflocken mit Nüssen, einem Esslöffel Leinsamen, einer Karotte, einem Apfel mit Schale oder einer Portion ungeschältem Reis.

Die beste Quelle für Probiotika ist Joghurt. Besonders nach griechischer, bulgarischer oder türkischer Art. Diese Milchprodukte werden auf traditionelle Weise hergestellt und bekommen zur Reifung nur eine einzige Bakterienart zugesetzt. Das perfekte Rezept für Ihre Darmflora: Mischen Sie drei Esslöffel Dinkelflocken mit einem Becher Joghurt (150 Gramm), einem geriebenen Apfel und etwas Apfelsaft zu einem Brei. Die Kombination aus Joghurt und Apfel reinigt den Verdauungstrakt. Der Hafer in den Schmelzflocken ist zudem ein besonders guter Vitamin-B-Lieferant, der uns weniger anfällig für Stress macht.

Je regelmäßiger unser Stuhlgang funktioniert, desto zuverlässiger kann der Körper schädliche Bakterien entsorgen. Sport bringt den Darm schonend und schnell in Schwung: Pro Tag sollten Sie sich mindestens 30 Minuten so bewegen, dass Sie etwas schwerer atmen müssen als normalerweise, sich aber nicht verausgaben. Das Training fördert die Durchblutung des Darms, regt so die Verdauung an und lässt Darmgase leichter entweichen. Dazu täglich zwei Liter Wasser trinken, um Verstopfungen vorzubeugen.

Hamburg, 17. Februar 2016

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