Darm entgiften: Was bringt die innere Reinigung?

Ines Fedder Medizinredakteurin

Ein gesunder Darm schützt vor Krankheiten, beugt Stress und Depressionen vor. Da scheint es nur logisch, den Darm einmal gehörig zu „entgiften“. Aber was bringt eigentlich die „Innere Reinigung“?

Frau trinkt ein Glas Wasser
Über 70 Prozent der Deutschen leidet unter Darmproblemen Foto:  iStock/Eva-Katalin
Inhalt
  1. Darmsanierung: Die Darmflora richtig aufbauen
  2. Abnehmen durch eine Darmsanierung?
  3. Hausmittel und Tipps für eine natürliche „Entgiftung“ des Darms

Schmerzen im Unterbauch, Diarrhoe und Blähungen sind nur einige der Symptome, wenn es wieder einmal heißt: „Alarm im Darm“. Bei etwa 70 Prozent der Menschen in Deutschland murrt und bläht und schmerzt der Darm zeitweise so stark, dass es wirklich unangenehm ist.“[*]

Ein häufig verbreiteter Irrglaube, der vor allem bei Heilpraktikern hoch gehandelt wird, ist dass das sogenannte „Entgiften“ (dabei wird in der Regel ein Einlauf gemacht) eine positive Auswirkung auf den Darm hat. Dabei ist die Bezeichnung „Darmentgiftung“ eigentlich irreführend. Denn damit wird assoziiert, dass sich allerhand „Giftstoffe“ in unserem Darm ablagern und die Darmflora negativ beeinflussen. Was allerdings nicht stimmt.

Wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) erklärte, werden „nicht verwertbare Stoffe über den Darm und die Nieren ausgeschieden“. Mediziner halten eine Darmreinigung mittels eines Einlaufs daher für unnötig. Mehr noch: Für Menschen mit einer Nierenschwäche kann ein Einlauf sogar schädlich sein.

Im Gegensatz zur Darmreinigung kann eine Darmsanierung hingegen einen nachhaltigen, positiven Effekt haben. Vor allem dann, wenn viele der sogenannten „guten Darmbakterien“ aufgrund von Krankheit und Medikamenteneinnahme zerstört wurden.

 

Darmsanierung: Die Darmflora richtig aufbauen

Besiedelt sich der Darm mit schädlichen Bakterien oder Pilzen an (Darmdysbiose) – zum Beispiel in Folge einer Antibiotika-Therapie – wird häufig eine Darmsanierung empfohlen. Eine Darmsanierung ist ein Prozess, der zur „Wiedererlangung einer gesunden Darmflora“ führen soll.* Sie besteht aus:

  • Vollständige Leerung des Darms (Abführmittel)
  • Heilfasten
  • Einnahme von Eubionten (physiologische Bakterien) sowie einer Ernährung basierend auf milchsauren Produkten wie Joghurt, Kefir oder Sauerkraut
  • Den Verzicht auf raffiniertes Mehl und Zucker

Eine Darmsanierung sollte bei gesunden Menschen (zwischen 20 und 40 Jahren) nicht länger als vier Wochen andauern, mindestens aber zwei Wochen lang durchgeführt werden.

Selbstbehandlung Darmsanierung – Aufbau der geschädigten Darmflora

 

Abnehmen durch eine Darmsanierung?

Diverse Diätversprechen basieren darauf, den Körper vorher einmal so richtig zu „entgiften“. Dabei sind die sogenannten Detox-Diäten kein Erfolgsversprechen für einen langfristigen Abnehmeffekt. Richtig ist, dass der Körper, wenn er jahrelang auf Zucker und Weißmehl getrimmt wurde, die Nahrung in der Regel nicht so effizient verwertet. Eine Darmsanierung mit anschließender Umstellung der Nahrungsgewohnheiten kann dazu führen, dass der Darm effizienter arbeitet und man dadurch abnimmt. Allerdings nur dann, wenn man seine Ernährung langfristig umstellt. Wer also auf längerer Sicht vom Detox-Effekt profitieren möchte, sollte nicht auf eine Blitz-Diät vertrauen, sondern an seinen Gewohnheiten arbeiten. 

Trockenpflaumen mit Apfelringen
Service Trockenpflaumen für einen gesunden Bauch

 

Hausmittel und Tipps für eine natürliche „Entgiftung“ des Darms

Seine Darmflora wieder in Schwung bringen – das kann man auch ganz einfach durch natürliche Mittel. Diese Lebensmittel unterstützen Ihre Darmflora:

  • Topinambur
  • Knoblauch
  • Zwiebel
  • Lauch
  • Spargel
  • Brokkoli
  • Rote Beete
  • Melonen
  • Pfirsich
  • Lösliche Ballaststoffe (Flohsamenschalen)
  • Buttermilch
  • Joghurt
  • Kefir

Quellen:

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch (2002), Walter de Gruyter Verlag, Berlin
  • Dr. Schaenzler, Nicole/ Dr. med. Hoffbauer, Gabi (2001), Wörterbuch der Medizin, München, Econ Ullstein List Verlag GmbH & Co. KG
  • Dr. med. Yael Adler (2018), darüber spricht man nicht, Droemer Verlag, München
     
 

* Dr. med. Yael Adler (2018), darüber spricht man nicht, Droemer Verlag, München
* Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch (2002), Walter de Gruyter Verlag, Berlin

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