Darf ein Baby leben, wenn die Mutter stirbt?

Rasmus Cloes Medizinredakteur
Es sind einige Fälle bekannt, bei denen eine hirntote Frau noch ein Kind bekommen hat
Es sind einige Fälle bekannt, bei denen eine hirntote Frau noch ein Kind bekommen hat © Fotolia

Was passiert mit dem Leben eines ungeborenen Kindes, wenn dessen Mutter plötzlich verstirbt? Dieser Frage mussten sich im Oktober 2014 italienische Ärzte stellen und entschieden sich für das Leben des Kindes. Doch dass das nicht selbstverständlich ist, zeigen Fälle, bei denen anders entschieden wurde.

Die junge Frau und werdende Mutter war in der dreiundzwanzigsten Woche ihrer Schwangerschaft, als sie aufgrund einer Gehirnblutung bewusstlos zusammenbrach. Obwohl sie umgehend in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, konnten die Ärzte ihr Leben nicht retten. Doch das Kind in ihrem Bauch lebte noch.

Die Ärzte entschieden sich in Einvernehmen mit den Angehörigen dazu die Frau künstlich „am Leben zu erhalten“ – wenigstens solange bis das Kind geboren war. Der Körper der Verstorbenen wurde also an verschiedene Maschinen angeschlossen, die z.B. ihre Atmung übernahmen und den Blutfluss am Laufen hielten.

Nach neun Wochen war es dann so weit. Mithilfe eines Kaiserschnitts kam ein Junge zur Welt, der mit einem Gewicht von rund zwei Kilogramm von den Ärzten als vollkommen gesund beschrieben wurde.

 

Patientenverfügung gegen Kinderleben

Im aktuellen Fall einer jungen Frau aus Dublin (Irland) stellt sich die Sache dagegen anders dar. Nachdem dort eine werdende Mutter – schwanger in der siebzehnten Woche – verstorben war, wurde sie ebenfalls an Maschinen angeschlossen, die ihre Lebensfunktionen aufrechterhalten sollen. Das Problem: Die junge Frau hatte vorher mit einer Patientenverfügung bestimmt, dass sie nicht künstlich am Leben gehalten werden möchte – auch wenn dadurch ihr Kind versterben würde.

Die Ärzte halten die Funktionen des eigentlich verstorbenen Körpers bis jetzt dennoch instand, bis das Kind mit einem Kaiserschnitt geboren werden kann. Den Medizinern hilft dabei das irische Abtreibungsrecht, das einen Geburtsabbruch nur dann gestattet, wenn durch die Geburt das Leben der Mutter in Gefahr ist oder das Kind nachweislich eine lebensbedrohliche Behinderung besitzt.

Zurzeit läuft ein Rechtsstreit darüber, ob die Maschinen abgeschaltet werden. Ein Gericht in Dublin muss nun darüber entscheiden – fraglich allerdings, ob das geschehen wird, bevor das Kind geboren ist.

Hamburg, 23. Dezember 2014

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