Dammschnitt – Wann brauche ich ihn?

Carolin Banser
Dammschnitt – wann nötig?
Ein Dammschnitt wird nur unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt, um die Geburt zu erleichtern und das Gewebe zu schonen © istock/ciseren
Inhalt
  1. Was ist ein Dammschnitt?
  2. Warum wird nicht mehr bei jeder Geburt ein Dammschnitt durchgeführt?
  3. Kann ich selbst entscheiden, ob ich einen Dammschnitt bekomme?
  4. Wann wird ein Dammschnitt vorgenommen?
  5. Wie wird ein Dammschnitt gemacht?
  6. Welche Folgen hat ein Dammschnitt für den Körper?
  7. Wie lange dauert es, bis ein Dammschnitt vollständig abgeheilt ist?
  8. Wann kann ich nach einem Dammschnitt wieder Sex haben?
  9. Was kann ich selbst für die Heilung nach einem Dammschnitt tun?
  10. Kann ich einem Dammschnitt vorbeugen?

Viele Schwangere sehen der Geburt mit Bangen entgegen. Zu der Angst vor dem Geburtsschmerz gesellt sich die vor einem Dammschnitt – einer der häufigsten operativen Eingriffe während der Geburt. Wann ist diese Maßnahme wirklich notwendig? PraxisVITA klärt auf.

 

Was ist ein Dammschnitt?

Mediziner bezeichnen einen Dammschnitt auch als „Episiotomie“. Damit wird der gynäkologisch-geburtshilfliche Vorgang bezeichnet, in dem der Damm – oftmals während einer Presswehe – eingeschnitten wird, um den Scheideneingang zu dehnen.

Der Damm (liegt zwischen After und Vagina) besteht aus Muskeln, Bändern und Sehnen. Bei einigen Frauen kann es passieren, dass durch die starke Dehnung der vaginalen Öffnung der Damm zu reißen droht. Früher wurde er vorher routinemäßig eingeschnitten, um komplizierte Wunden zu vermeiden. Heute lassen Ärzte lieber einen Dammriss zu, da er besser verheilt und die umliegenden Muskeln und Gewebe schont. Dennoch gibt es Notfälle, in denen ein Dammschnitt notwendig ist.

 

Warum wird nicht mehr bei jeder Geburt ein Dammschnitt durchgeführt?

Der Körper der werdenden Mutter hat sich während der Schwangerschaft auf die Dehnung der Geburt vorbereitet. Hormone sorgen dafür, dass das Dammgewebe locker und elastisch gehalten wird. Auch wenn bei der Geburt das Dammgewebe durch den Durchtritt des Köpfchens extrem beansprucht wird, kann das Baby ohne Dammschnitt auf die Welt geholt werden.

 

Kann ich selbst entscheiden, ob ich einen Dammschnitt bekomme?

Wünschen Sie bei der Geburt Ihres Kindes einen Dammschnitt nur im Notfall, sollten Sie das während der Vorsorgeuntersuchungen gegenüber Ihrer Hebamme bzw. Ihrem Frauenarzt deutlich machen. Zusätzlich können Sie Ihren Wunsch in einen Geburtsplan (eine Art „Wunschzettel“) eintragen.

Schwangere Beratung
Wenn Sie keinen Dammschnitt machen lassen wollen, sprechen Sie vorab mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber © istock/shironosov
 

Wann wird ein Dammschnitt vorgenommen?

Während noch vor einigen Jahren der Dammschnitt als Standardeingriff durchgeführt wurde, entscheiden sich Ärzte heutzutage nur noch für einen Dammschnitt, wenn bei der Geburt Komplikationen auftreten oder sie beschleunigt werden muss.

Dazu gehören:

  • Die Gefahr eines unkontrollierten Dammrisses.
  • Das Baby wird mit dem Steißbein voran geboren.
  • Die Sauerstoffversorgung des Babys ist nicht mehr gewährleistet und die kindlichen Herztöne nehmen ab.
  • Das Baby ist ein Frühchen. Durch den Dammschnitt wird weniger Druck auf den Kopf des Babys ausgeübt.
  • Die Geburt erfolgt mit einer Saugglocke oder Zange. Da die Instrumente Platz einnehmen, muss der Arzt in vielen Fällen den Geburtskanal mit einem Dammschnitt vergrößern.
 

Wie wird ein Dammschnitt gemacht?

Bei dem Eingriff wird der Damm vom hinteren Ende der Vagina in Richtung Anus mit einer speziellen Operationsschere oder einem Skalpell eingeschnitten, um die Geburtsöffnung künstlich zu erweitern.

Vor dem Dammschnitt wird der Arzt der werdenden Mutter ein lokales Betäubungsmittel geben, sofern keine PDA gesetzt wurde. Ist der Kopf des Babys bereits zu sehen, ist eine Betäubung allerdings überflüssig, da keine Nervenbahn mehr durchblutet wird und der Damm gefühllos ist. In den meisten Fällen setzt der Arzt daher am Höhepunkt einer Wehe ohne Betäubung den Schnitt. Während des Geburtsvorgangs wird die Schwangere kaum etwas von dem Dammschnitt spüren.

Anschließend wird der Damm genäht. Die Fäden müssen nicht gezogen werden, da sie sich von selbst lösen.

 

Welche Folgen hat ein Dammschnitt für den Körper?

Ein Dammschnitt kann Schwellungen, Infektionen und Blutungen hervorrufen. Alltägliche Bewegungen wie z.B. laufen, sitzen oder liegen können schmerzhaft sein. Beim Wasserlassen kann es zu einem unangenehmen Brennen kommen. Auch der Stuhlgang kann weh tun.

Manchmal rufen Knoten oder zu groß geratene Nähte ein unangenehmes Zwicken im Intimbereich hervor, das im späteren Verlauf zu anhaltenden ungewöhnlichen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen kann. Wird zu stramm oder am Scheideneingang zu eng genäht, kann es ebenfalls dauernd ziepen.

Paar beim Geschlechtsverkehr
Da das Narbengewebe Nervenenden enthält und sehr empfindlich ist, können nach einem Dammschnitt Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten © istock/Peopleimages
 

Wie lange dauert es, bis ein Dammschnitt vollständig abgeheilt ist?

Der Heilungsprozess eines Dammschnitts hängt von zwei wesentlichen Faktoren ab: der Größe der Wunde und der Verarbeitung der Nähte.

Ein optimaler, seitlicher Dammschnitt ohne Risse kann bereits nach zwei Wochen abgeheilt sein. Wurde hingegen der Schließmuskel am After während des Dammschnitts verletzt, kann es etwa sechs Wochen bis zur Genesung dauern.

Auch die Präzision der Nähte spielt für den Heilungsprozess eines Dammschnitts eine entscheidende Rolle. Können sehr dünne Fäden mit nur wenigen Knoten verwendet werden, beschleunigt das die Heilung.

 

Wann kann ich nach einem Dammschnitt wieder Sex haben?

Sobald Sie das Gefühl haben, bereit zu sein, ist Sex nach einem Dammschnitt in Ordnung. Experten raten aber, mit dem Geschlechtsverkehr zumindest so lange zu warten, bis der Wochenausfluss (Ausfluss nach der Geburt) aufgehört hat.

 

Was kann ich selbst für die Heilung nach einem Dammschnitt tun?

Es gibt einige Möglichkeiten, wie Sie Ihren Damm nach der Geburt pflegen und bei der Heilung unterstützen können. Dazu gehören:

Sitzbäder

Gegen Ende der ersten Woche kann ein kurzes Sitzbad (maximal zwei Minuten, 35 Grad, ein- bis zweimal täglich) die Heilung nach einem Dammschnitt unterstützen. Sitzbäder mit Eichenrindenextrakt, Ringelblumenessenz, Frauenmantelkraut und Hamamelis sind besonders wohltuend, da sie Entzündungen entgegenwirken. Tupfen Sie die Naht anschließend mit einem sauberen Tuch trocken.

Eichenrindenextrakt
Ein Sitzbad mit Eichenrindenextrakt kann den Heilungsprozess nach einem Dammschnitt unterstützen © istock/13-Smile

Kühlung

Um Schwellungen nach einem Dammschnitt abklingen zu lassen, können spezielle Kompressen mit Eis am ersten Tag nach der Geburt zum Kühlen verwendet werden. Wichtig: Wickeln Sie die Kompresse erst in Stoff oder ein Papiertuch, bevor sie diese auf die Wunde legen. Kühlen Sie die Wunde alle fünf Stunden für etwa fünf Minuten.

Hygienemaßnahmen

Beim Baden können unzählige Keime aus dem Wochenfluss mit der Brust in Berührung kommen und sie entzünden. Verzichten Sie daher während der ersten Wochen des Ausflusses auf das Baden, duschen Sie stattdessen und brausen Sie den Dammbereich mehrmals täglich mit lauwarmem Wasser, aber ohne Seife, ab. Lassen Sie den Damm danach möglichst an der Luft trocknen. Das ist besonders heilungsfördernd und wohltuend. Wenn Sie im Bett liegen, können Sie z.B. ein altes Handtuch als Unterlage nehmen.

Binden sollten ausreichend groß und nicht zu eng sein. Experten empfehlen Flockenwindeln. Wechseln Sie Binden so oft wie möglich, damit im feucht-warmen Klima keine Keime gedeihen können.

Es ist außerdem ratsam, den Genitalbereich nach jedem Toilettengang mit Wasser abzuspülen und ihn anschließend entweder vorsichtig abzutupfen oder im Bett liegend trocken zu lassen.

Beckenbodenübung

Ab dem dritten Tag nach der Geburt können Beckenbodenübungen zu einer besseren Durchblutung des Gewebes beitragen und möglichen Komplikationen, wie z.B. einer verzögerten Nahtheilung, vorbeugen. Hier finden Sie eine Auswahl an Übungen, die Sie in kurzen Einheiten, dafür aber mehrmals am Tag durchführen können.

Schonung

Um den Bereich der Dammnaht zu entlasten und damit Schmerzen beim Sitzen zu lindern, sollten Sie sich so oft wie möglich ins Bett legen, da Druck die Heilung behindert.

Homöopathie

Homöopathische Mittel können die Wundschmerzen nach einem Dammschnitt lindern. Eine Gabe Arnika C30 (1x täglich 5 Globuli für 5 Wochen) wirkt heilungsfördernd.

Globuli gegen Dammschnitt
Homöopathische Mittel können die Schmerzen nach einem Dammschnitt lindern © istock/YakubovAlim

Ernährung

Um den Stuhlgang zu erleichtern, ist eine Umstellung der Ernährung ratsam. Ballaststoffreiche Mahlzeiten bestehend aus Vollkornprodukten, Nüssen, Hülsenfrüchten, Naturreis, Obst und Gemüse sowie die eine tägliche Wasserzufuhr von mindestens zwei Litern machen den Stuhl weicher.                                                                                

 

Kann ich einem Dammschnitt vorbeugen?

Einem Dammschnitt können Sie vorbeugen, wenn der Damm optimal auf die Geburt vorbereitet wird. Achten Sie darauf, dass Sie mindestens vier bis sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin mit entsprechenden Maßnahmen beginnen. Diese Methoden haben sich bewährt:

Dammmassage

Eine Massage des Damms (der Dammnaht) ab der 34. Schwangerschaftswoche mit Weizenkeimöl zweimal täglich fördert die Dehnung des Dammgewebes und hält es elastisch. Dazu einen Tropfen Weizenkeim-Öl auf den Finger geben und etwa drei Zentimeter tief in die Scheide einführen. Anschließend vorsichtig in Richtung After drücken.

Dammgymnastik

Eine spezielle Gymnastik kann die Elastizität des Damms fördern: Gehen Sie dazu mit geöffneten Knien in die Hocke. Der Schneidersitz ist ebenfalls eine geeignete Übung, um den Damm zu dehnen. Der Dehnungseffekt ist dann am größten, wenn die Füße nicht übereinander geschlagen, sondern gegeneinander gepresst werden.

Heublumenbäder

Ab der 37. Schwangerschaftswoche eignen sich Heublumendampfbäder, da sie das Dammgewebe locker und geschmeidig halten. Brühen Sie dafür getrocknete Heublumen in einer Schüssel mit heißem Wasser auf. Stellen Sie diese anschließend in das Toilettenbecken und setzen Sie sich darüber.

VIDEO: 9 Tipps für eine schnellere Geburt

 
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