D-Mannose: Heilen mit Zucker

Carolin Banser

D-Mannose ist eine beliebte Zuckeralternative für Menschen, die abnehmen wollen. Auch die Behandlung von Harnwegsinfekten mit Mannose erzielt sehr gute Erfolge. Jetzt haben Forscher einen weiteren Vorteil des natürlichen Wirkstoffs entdeckt. Zu den Hintergründen.

Krebszelle
Forscher aus Glasgow haben entdeckt, dass der Einfachzucker D-Mannose in der Lage ist, Krebszellen zu töten © istock/vitanovski

Forscher des Cancer Research UK Beatson Institutes in Glasgow haben kürzlich herausgefunden, dass Mannose das Tumorwachstum verlangsamt und die Wirksamkeit der Chemotherapie für bestimmte Krebsarten steigert. Die kürzlich im britischen Fachmagazin Nature veröffentlichte Studie könnte dazu beitragen, D-Mannose als potenzielle Krebstherapie in Betracht zu ziehen.

Tumorzellen verbrauchen mehr Glukose als gesunde Zellen, um ihr schnelles Wachstum zu unterstützen. Das bedeutet: Je weniger Glukose Krebszellen zur Verfügung haben, umso langsamer wachsen sie. Wissenschaftler haben nun entdeckt, dass D-Mannose – ein natürlich vorkommender Zucker – die Anzahl an Krebszellen minimieren kann. Mannose hat eine ähnliche Struktur wie Glukose, kann in den Zellen jedoch nicht zur Energiegewinnung verwendet werden.

Das Problem: Auch gesundes Gewebe benötigt Glukose, so dass es nicht vollständig aus dem Körper entfernt werden kann. In der aktuellen Studie gelang es dem Team um Kevin Ryan, die exakte Menge an Mannose zu finden, die Glukose ausreichend blockieren konnte, um das Tumorwachstum zu verlangsamen, ohne jedoch gesundes Gewebe zu beeinträchtigen.

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Sensationelle Entdeckung: Krebstherapie mit Krebszellen

Für die Studie injizierte das Team Mäusen mit Lungen-, Haut- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Mannose versetztes Wasser. Sie fanden heraus, dass sich das Tumorwachstum verlangsamte, ohne dass die Tiere offensichtliche Nebenwirkungen zeigten.

Als nächstes testeten sie, wie Mannose die Chemotherapie beeinflussen kann. Dazu verabreichten sie den mit Cisplatin und Doxorubicin (Zellgiften) behandelten Mäusen den glukoseähnlichen Zucker.

Die Forscher fanden heraus, dass die Wirkungen der Chemotherapie verstärkt wurden; Tumorgröße und -wachstumsrate wurden verringert, die Lebensdauer wurde bei einigen Mäusen sogar erhöht.

Schließlich untersuchte das Team den Einfluss von Mannose auf verschiedene andere Krebsarten, einschließlich Eierstock- und Darmkrebs, Leukämie und Knochenkrebs. Krebszellen wurden im Labor kultiviert und dann mit dem Zucker behandelt. Diesmal reagierten einige Krebszellen positiv auf die Behandlung, andere nicht.

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„Wir hoffen, klinische Studien mit Mannose so schnell wie möglich an Menschen zu starten, um die Chemotherapie zu verbessern, ohne die allgemeine Gesundheit der Patienten zu beeinträchtigen“, so Ryan.

 

D-Mannose: weitere Vorteile

In früheren Studien konnte nachgewiesen werden, dass der Einfachzucker sich ebenso gut wie das Antibiotikum Nitrofurantoin bei Frauen zur Prophylaxe von Harnwegsinfekten eignet. D-Mannose hilft schnell und beugt zugleich weiteren Infekten vor: Der Wirkstoff ummantelt die Bakterien und verhindert, dass sie sich an der Schleimhaut festsetzen können. Die Keime werden so beim nächsten Wasserlassen einfach mit ausgespült.

In einem weiteren Experiment konnten Forscher beweisen, dass sich mithilfe von Mannose die Entwicklung von Fettleibigkeit und damit verbundenen Entzündungen verlangsamt, was dem Körper vorgaugelt, an einem ständigen Kalorienmangel zu leiden.

 

Was ist D-Mannose?

D-Mannose ist ein natürlich vorkommender Einfachzucker, der in seiner chemischen Zusammensetzung der Glukose ähnelt, jedoch eine andere dreidimensionale Struktur aufweist. Er wird im Körper kaum verstoffwechselt und hat daher keine Auswirkung auf den Blutzucker. Der Wirkstoff kommt in kleinen Mengen in Pfirsichen, Äpfeln, Orangen, Blaubeeren vor, ist aber auch Bestandteil in Nahrungsergänzungsmitteln. D-Mannose wird nach der Einnahme unverändert mit dem Urin wieder ausgeschieden.

Quelle:

Ryan, Kevin, et al. (2018): Mannose impairs tumour growth and enhances chemotherapy in: Nature

 

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