Cybermobbing: Was ist das und was kann man dagegen tun?

Michael van den Heuvel Medizin- und Wissenschaftsjournalist

Unter Cybermobbing oder Cyberbullying fasst man Belästigungen in digitalen Medien zusammen. Oft sind Kinder und Jugendliche betroffen. Sie sprechen mit ihren Eltern kaum darüber. Deshalb sollten Mütter und Väter aktiv nachfragen. Aber auch Erwachsene werden zu Opfern – und sollten Anzeige erstatten.

Frau schaut traurig auf ihr Handy
Cybermobbing ist die Belästigung in den digitalen Medien, z.B. durch negative Kommentare, Beschimpfungen oder Beleidigungen Foto:  iStock/AntonioGuillem
Inhalt
  1. Was ist Cybermobbing per Definition?
  2. Wie häufig ist Cybermobbing?
  3. Wie unterscheidet sich Cybermobbing vom klassischen Mobbing?
  4. Was kann man gegen Cybermobbing unternehmen?
  5. Was lässt sich vorbeugend gegen Cybermobbing tun?

Cybermobbing ist durch die digitalen Medien entstanden. Laut Studien wurden zwei von fünf Kindern beziehungsweise Jugendlichen online bereits belästigt. Es gibt Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen Mobbing in der realen Welt und Cybermobbing.

 

Was ist Cybermobbing per Definition?

Beim Cybermobbing wird man laut Definition in digitalen Medien belästigt. Das können negative Kommentare, Beschimpfungen, Beleidigungen, Foto-Montagen, Bloßstellungen oder Drohungen sein. Manche Mobbingopfer werden zudem aus Netzwerken, die ihnen persönlich wichtig sind, ausgeschlossen. Auslöser von Cybermobbing können zum Beispiel die Kleidung, Übergewicht, aber auch Nacktbilder in falschen Händen sein. Nahezu jedes persönliche, etwas von der Norm abweichende Merkmal reicht aus. Mitunter führen Ereignisse oder Streits in der realen Welt zum Mobbing im Internet.

Solche Angriffe passieren oft in sozialen Netzwerken (Social Media). Auch in Blogs mit Kommentarfunktion oder Chatrooms kommt Cybermobbing vor. Nicht zuletzt bieten Chat-Apps für Smartphones wie WhatsApp eine weitere Angriffsfläche. Auch über E-Mail werden Mobbingopfer belästigt.

Frau sitzt am Schreibtisch, Kopf in den Händen, Gruppe von Menschen unscharf im Hintergrund
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Wie häufig ist Cybermobbing?

Cybermobbing kommt in jeder Altersgruppe vor. Kinder und Jugendliche sind aber stärker gefährdet. Zwei von fünf aller 12- bis 19-Jährigen haben bereits Internet-Mobbing erlebt. So ist die Häufigkeit verteilt (ungefähre Werte):

12- bis 13-Jährige: 26 Prozent
14- bis 15-Jährige: 37 Prozent
16- bis 17-Jährige: 40 Prozent
18- bis 19-Jährigen: 46 Prozent

Zu diesen Ergebnissen sind Forscher bei der JIM-Studie (Jugend, Information, Multimedia) des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest gekommen. Bei älteren Erwachsenen ist in anderen Untersuchungen von neun Prozent die Rede.

 

Wie unterscheidet sich Cybermobbing vom klassischen Mobbing?

Im Unterschied zum Mobbing am Arbeitsplatz oder in der Schule ist Mobbing im Internet weitgreifender. Opfer werden auch zu Hause belästigt, falls sie Online-Medien nutzen. Hinzu kommt: Täter benutzen oft falsche Namen, auch Alias, Nickname oder Avatar genannt. Wer sich dahinter verbirgt, ist unklar. Benutzerprofile kann man ohne viel technisches Verständnis anonym anlegen.

Auch das Opfer bleibt hinsichtlich seiner Emotionen anonym, während in der realen Welt ein Täter dies zumindest in manchen Fällen mitbekommt – und vielleicht sein Handeln überdenkt.

 

Was kann man gegen Cybermobbing unternehmen?

Werden Kinder oder Jugendliche Opfer von Cybermobbing, reden sie nur selten darüber. Mütter oder Väter sollten deshalb regelmäßig nachfragen. Ist es zu Cybermobbing gekommen, rät das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend allen Eltern und selbst betroffenen Erwachsenen:

  • Cybermobbing mit Uhrzeit, Internetadressen und Abbildungen (Screenshots) der Online-Anwendungen dokumentieren.
  • Auf Angriffe nicht reagieren.
  • Den Betreiber der Website über die Vorkommnisse informieren, Einträge gegebenenfalls löschen lassen.
  • Handelt es sich um schwerwiegende Drohungen oder Beleidigungen, sollte Anzeige erstattet werden.
  • Bei leichteren Fällen kann es sich lohnen, im Umfeld nachzuforschen, wer hinter dem Cybermobbing stecken könnte.

Frau sitzt vor Laptop
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Was lässt sich vorbeugend gegen Cybermobbing tun?

Die wichtigste Maßnahme, um Cybermobbing vorzubeugen, besteht darin, im Internet nur wenig von sich selbst preiszugeben, auf persönliche Fotos und private Kontaktdaten zu verzichten. Filter für die Privatsphäre reichen nicht aus, da sich hinter den Tätern auch vermeintliche Freunde verbergen können. Eltern sollten diesbezüglich mit ihren Kindern Gespräche über Medien und über Gefahren wie Cybermobbing führen.

Quellen:

Chatten ohne Risiko, in: Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet 
Cyber-Mobbing, in: Medienanstalten Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen
Was ist Cybermobbing, in: 2020 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Cyber-Mobbing – Zahlen und Fakten, in: Medienanstalten Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen

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