COVID-19: Niedrigeres Sterberisiko durch Blutverdünner?

Katharina Flick

Eine Einnahme von Blutverdünnern kann das Sterberisiko bei einer COVID-19-Erkrankung um bis zu 50% verringern und weitere Komplikationen eindämmen. Das berichten jetzt Forscher in einer neuen Studie.

Inhalt
  1. Mit Blutverdünnern: 50% höhere Überlebenschance für COVID-19-Patienten
  2. COVID-19: Mit Blutverdünnern sinkt auch die Thrombosegefahr
  3. Weniger künstliche Beatmungen

In einer neuen Studie des "Journal of the American College of Cardiology" wurde jetzt der Zusammenhang zwischen der Vergabe von Blutverdünnern und dem Risiko, an einer COVID-19-Erkrankung zu sterben, untersucht.

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Mit Blutverdünnern: 50% höhere Überlebenschance für COVID-19-Patienten

Für eine Studie des  "Journal of the American College of Cardiology" wurden jetzt 4389 COVID-19-Patienten im Krankenhaus der Mount Sinai-Gruppe in New York untersucht. Die Patienten wurden in drei Gruppen eingeteilt:

  • Die erste Gruppe wurde ohne blutverdünnende Mittel behandelt
  • Die zweite Gruppe erhielt Blutverdünner zur Behandlung einer bestehenden Erkrankung
  • Die dritte Gruppe erhielt eine geringe Dosis Blutverdünner als Vorsorgemaßnahme

Nachdem die Forscher die Vorerkrankungen der Patienten in die Analyse mit einbezogen hatte, kamen sie zu einem erstaunlichen Ergebnis. Bei den Patienten der zweiten Gruppe, die also in vollem Ausmaß mit dem Blutverdünner therapiert wurden, war das Sterberisiko um 47% geringer. Bei den Patienten der dritten Gruppe, die also eine vorsorgliche, geringe Dosis Blutverdünner erhalten hatten, war das Risiko um 50% geringer. Die Überlebensrate war also durchschnittlich 50% höher als bei der ersten Gruppe, die nicht mit den Blutverdünnern behandelt worden war.

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COVID-19: Mit Blutverdünnern sinkt auch die Thrombosegefahr

Schon länger wissen Mediziner, dass COVID-19-Erkrankte häufig der Gefahr durch Blutgerinnsel ausgesetzt sind. Bei der Autopsie von 26 COVID-19-Patienten, die an dem Virus verstarben, wurden bei elf Erkrankten Hinweise auf Thrombosen durch Blutgerinnsel festgestellt.

Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in Berlin, erklärte dazu: „In den Kliniken ist schon lange bekannt, dass thrombembolische Ereignisse eine häufige Komplikation bei COVID-19 sind.“ Seit Juni sei darum eine Behandlungsempfehlung zur Therapie von COVID-19-Patienten an Fachgesellschaften zur intensivmedizinischen Therapie herausgegeben worden.

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Weniger künstliche Beatmungen

Durch die Einnahme der Blutgerinnungsmittel sank zudem bei der zweiten Gruppe das Risiko, künstlich beatmet zu werden, um 31%. Bei den Patienten der dritten Gruppe, die vorsorglich behandelt wurden, waren es immer noch 28%.

Ernsthafte Nebenwirkungen wie Blutungen, die mit der Einnahme von Blutverdünnern einhergehen können, lagen bei beiden Gruppen unter 3%. Die US-Forscher beschäftigen sich jetzt intensiv mit den genauen Details zur Therapie mit blutgerinnenden Mitteln. Sie erforschen Substanz, Dauer und Dosis der Blutgerinnungsmittel für eine Behandlung bei COVID-19-Patienten.

Anticoagulation, Mortality, Bleeding and Pathology Among Patients Hospitalized with COVID-19: A Single Health System Study, in: Journal of American College of Cardiology

Mount Sinai Team Offers Additional Data on Efficacy of Blood Thinners for COVID-19 and Insight on Best Potential Regimens, in: Mount Sinai News

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