Coronavirus: Bin ich immun nach einer Infektion?

Daphne Sekertzi

Solange kein Impfstoff entwickelt wurde, ist eine Frage für die Bevölkerung von großer Relevanz: Bin ich immun nach einer Coronavirus-Infektion oder kann ich mich mehrfach anstecken? Über diese Fragen haben Forscher nun wichtige Erkenntnisse gewonnen.

Inhalt
  1. Mehrfachansteckung Sars-CoV-2: Studie gibt Antworten
  2. Immunität gegen Coronavirus kann Jahre andauern
  3. Antikörper-Tests gegen Sars-Cov-2 notwendig

Die Wissenschaft steht bei der Erforschung des Coronavirus noch am Anfang. Der fehlende Impfstoff und Berichte über Neuansteckungen nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung verunsichern die Bevölkerung, was die Immunität gegen das Virus Sars-CoV-2 angeht. Erste Antworten zu diesem Thema liefert nun eine Studie einer chinesischen Forschergruppe.

Faktenwissen: Was bedeutet Immunität?

Immunität ist die Fähigkeit des Organismus, Krankheitserreger zu bekämpfen, ohne dass sich Symptome entwickeln. Gelangt ein Virus in den Körper eines Menschen, bildet das Immunsystems Antikörper gegen den Erreger. Das bewirkt, dass bei einer erneuten Infektion mit demselben Virus das Immunsystem schneller reagiert. Die Antikörper verhindern, dass sich das Virus vermehrt und es zu Krankheitssymptomen kommt – der Mensch ist immun gegen das Virus. Auch wenn sich das Virus im Körper befindet, ist der Betroffene nicht mehr ansteckend.

Man unterscheidet zwischen ererbter und erworbener Immunität. Erstere ist eine angeborene, natürliche Unempfindlichkeit des Menschen gegenüber bestimmten Krankheitserregern. Die erworbene Immunität stellt sich hingegen nach einer überstandenen Infektion ein. Ob die Immunität permanent oder nur vorübergehend ist, hängt vom Virus ab. Ist die Immunität nur vorübergehend, behält sich der Körper auch nach Jahren zumindest eine Teilimmunität, die das Immunsystem stärker gegen bei der Bekämpfung des Virus macht.

Mutiert ein Virus jedoch, sind die einmal gebildeten Antikörper wirkungslos gegen den Erreger. Aber: Für das Coronavirus schätzen Experten die Wahrscheinlichkeit für eine Mutation als gering ein.

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Mehrfachansteckung Sars-CoV-2: Studie gibt Antworten

Wissenschaftler um die chinesische Forscherin Linlin Bao sind der Frage nach der Immunität gegen Sars-CoV-2 nachgegangen. Aufgrund starker Ähnlichkeiten mit dem Immunsystem von Menschen wurden Tests an Rhesusaffen durchgeführt, die dem Coronavirus ausgesetzt wurden. Nach der Infektion traten bei den Tieren dieselben Symptome auf wie bei Menschen.

Einige Tage nach der Infektion bildeten sich im Blut der Rhesusaffen Antikörper gegen das Coronavirus. Bei der zweiten Infektion mit Sars-CoV-2 hatten die Tiere zwar leichtes Fieber, das Virus konnte sich nun jedoch nicht mehr nachweisen lassen. Daraus leiteten die Forscher ab, dass eine Mehrfachansteckung mit dem Coronavirus unwahrscheinlich ist.

 

Immunität gegen Coronavirus kann Jahre andauern

Es ist bekannt, dass Betroffene von MERS und SARS-CoV – zwei weitere bekannte Coronaviren – nach überstandener Erkrankung eine wenige Jahre andauernde Immunität aufgebaut haben. Weil Sars-CoV-2 aus derselben Virenfamilie stammt, gehen Experten davon aus, dass auch an Covid-19 Erkrankte für wenige Jahre eine Teilimmunität entwickeln werden.

Auch Dr. Dierk Heimann, Allgemeinmediziner und hygienebeauftragter Arzt, schließt sich dieser Einschätzung an: „Wahrscheinlich ist es so, dass wir für einige Monate wirklich immun sind gegen das Coronavirus – vielleicht sogar einige Jahre. Aber es wird wohl leider nicht auf Dauer sein.“

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Antikörper-Tests gegen Sars-Cov-2 notwendig

Die Frage, ob und wie lange man nach einer Infektion mit dem Coronavirus immun ist, kann jedoch erst durch Langzeituntersuchungen und einem Antikörper-Test beantwortet werden. Doch sind solche Tests nicht überall verfügbar. Außerdem lassen sich die Antikörper erst nach einigen Wochen nach überstandener Erkrankung nachweisen, wie der Experte verrät.

Mit Antikörpertests lässt sich auch feststellen, wie schnell sich eine Herdenimmunität entwickelt: Wenn laut Dr. Heimann über 70 Prozent oder mehr einer Bevölkerung immun gegen das Virus sind, stellt sich zunehmend ein Gruppenschutz ein. Weil dann ein Großteil der Bevölkerung nicht mehr dafür empfänglich ist, “hat es das Virus viel schwerer, überhaupt noch jemanden zu finden, den es anstecken kann“, erklärt Dr. Heimann. Die Infektionskette wird unterbrochen, sodass das Risiko einer Infektion auch für nicht immunisierte Menschen niedriger ist.

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Wie viele Menschen gegen das Coronavirus immun sind, kann schließlich auch darüber entscheiden, wann die Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote aufgehoben werden. Doch Dr. Heimann erklärt: „Im Moment geht es vor allem um die Zeit bis zur Verdopplung der Infektionszahlen. Eine Verdopplungsdauer ist das Ziel – aktuell stehen wir bei etwa zehn Tagen.“ Eine wachsende Immunität in der Bevölkerung gegen das Coronavirus würde dazu beitragen, dass der Anstieg an Infektionszahlen abnimmt.

Unser Experte: Dr. Dierk Heimann, Allgemeinmediziner aus Mainz und ein hygienebeauftragter Arzt

 

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