Coronavirus: Ärzte warnen vor Einweghandschuhen

Mona Eichler Health-Redakteurin

Sind Einweghandschuhe geeignet, um sich vor dem Coronavirus zu schützen? Viele Menschen tragen sie beim Einkaufen, Ärzte warnen jedoch vor dem Gebrauch. 
 

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Aktuell sind weltweit 1.360.039 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, allein in Deutschland sind es 103.375 Erkrankte (Stand: 7. April 2020). Die Angst, sich anzustecken, ist verständlicherweise groß. Das Virus, der die Lungenkrankheit COVID-19 auslösen kann, wird überwiegend durch die so genannte Tröpfcheninfektion verbreitet – beispielsweise durch Husten oder Niesen. Auch deswegen wird aktuell über eine flächendeckende Mundschutzpflicht in Deutschland diskutiert.
Was man derzeit allerdings noch viel häufiger sieht als Menschen mit Mundschutz, sind jene, die beim Einkaufen Einweghandschuhe tragen. Die Handschuhe sollen vor einer Schmierinfektion schützen, da viele Angst haben, sich beispielsweise über den Kontakt mit einem verunreinigten Einkaufswagen mit dem Coronavirus anzustecken. 
Ärzte warnen vor dem Tragen solcher Einmalhandschuhe, die sie als Schutz vor dem grassierenden Virus als unnötig, teils sogar gefährlich einstufen. 

 

Einmalhandschuhe: Keimschleudern statt Corona-Schutz

Momentan macht sich vor allem Dr. Marc Hanefeld, Facharzt für Allgemeinmedizin, Anästhesie und Intensivmedizin, auf Twitter gegen das Tragen von Einweghandschuhen stark. Hinter seinen oft sarkastischen Kommentaren stecken klare Warnungen:

  • Medizinische Handschuhe sind durchlässig. Selbst im Krankenhausalltag werden sie meist nur gegen grobe Verunreinigungen (wie Körperflüssigkeiten) eingesetzt.
  • Es reicht nicht, medizinische Handschuhe einfach wie Schneehandschuhe anzuziehen: Vor und nach Gebrauch muss eine Handdesinfektion verwendet werden. 
  • Die vermeintlich sauberen Einweghandschuhe geben mehr Keime an die Umgebung ab, als es regelmäßig gewaschene Hände tun.
  • Unter den Handschuhen herrscht ein ideales Klima für Bakterien und Keime: warm und feucht. Dadurch entstehe "eine Kloake an den Händen", wie der Mediziner betont. 

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Bürgern fehlt das Know-how

Dr. Marc Hanefeld ist nicht der einzige Arzt, der vor dem Tragen von Einweghandschuhen warnt. Auch sein Kollege Dr. Ojan Assadian, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie, betont in einem aktuellen Interview, dass die Handschuhe ein falsches Bild von Sicherheit vermitteln. 
Seine Botschaft: Durch den falschen Umgang mit den Einmalhandschuhen bringen sich die Menschen erst Recht in Gefahr. 

"Medizinisch ungeschulten Menschen würde ich das Tragen von Einmalhandschuhen im Alltag gar nicht erst empfehlen", erklärt der Experte. "Es erfordert ein gewisses Know-how und Übung, sich Einmalhandschuhe so auszuziehen, dass die etwaig darauf haftenden Mikroorganismen auch darauf verbleiben und der Handschuhträger sie sich nicht beim Ausziehen auf die Hände, das Handgelenk oder die Ärmel seiner Oberbekleidung schmiert."

Ähnlich gering wie die Ansteckungsgefahr im Freien stuft  Dr. Ojan Assadian die Ansteckungsgefahr über eine Schmierinfektion ein: "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich infektiöses Sekret am Einkaufswagen befindet, wir hineingreifen und es uns dann über unsere Hände in unsere Atemwege übertragen." 

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Quellen:
Corona-Pandemie: Wann sind Einmalhandschuhe sinnvoll?, in: pflegen-online.de 
Coronavirus COVID-19 Global Cases by the Center for Systems Science and Engineering (CSSE) at Johns Hopkins University (JHU), in: coronavirus.jhu.edu

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