Corona: Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr im Freien wirklich?

Miriam Mueller-Stahl Medizinredakteurin

Um sein Immunsystem zu stärken, wird es empfohlen, an die frische Luft zu gehen. Aber wie hoch ist die Gefahr, sich im Freien mit Coronaviren anzustecken? Ein Arzt klärt auf.

Derzeit ist wohl jeder von uns verunsichert, überhaupt noch auf die Straße zu gehen. Dabei ist frische Luft wichtig, um das Immunsystem zu stärken. Aber wie hoch ist die Ansteckungsgefahr im Freien wirklich? Können Coronaviren auch im Vorbeigehen von Mensch zu Mensch übertragen werden? Und wie ist es grundsätzlich um die Ansteckungsgefahr bestellt? Dr. Dierk Heimann, Allgemeinmediziner aus Mainz und ein hygienebeauftragter Arzt, klärt im Interview auf.

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Wie groß ist die Ansteckungsgefahr im Freien wirklich?

Dr. Dierk Heimann: „Die Gefahr, sich anzustecken kann man leider nicht ganz ausschließen. Die Gesamtkonzentration von möglichen Erregern ist draußen allerdings viel geringer. Und selbst wenn Sie einmal ein paar Viren abkriegen, bedeutet es auch nicht gleich, dass Sie krank werden. Im Grunde könnten es draußen nur Tröpfchen, zum Beispiel von einem Huster unseres Gegenübers sein, die uns kurz danach erreichen und gefährlich werden können. Daher auch der so sinnvolle Mindestabstand. Ich fahre hier in Mainz jedenfalls nach wie vor jeden Morgen auf meinem Fahrrad ohne Mundschutz oder Maske in die Praxis. Dort aber setze ich sie den ganzen Tag auf, weil in geschlossenen Räumen das Risiko höher ist. Also, gut durchlüften.“

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Wie groß ist das Ansteckungsrisiko bezüglich Coronaviren generell?

D. Heimann: „Das Virus breitet sich sehr schnell aus – die Zahlen zeigen es. Das macht uns allen Sorgen. Daher auch das so sinnvolle Kontaktverbot. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Eine Studie besagt, dass etwa 58 Prozent der Menschen erkranken, wenn sie mit den Viren in Kontakt kommen. Also mehr als ein Drittel infiziert sich nicht. Zwar fehlen uns noch viele Daten – doch es gibt Schwellenwerte, wie bei jeder Infektionskrankheit. Das bedeutet: Bis zu einer gewissen Menge kann unser Immunsystem auch mit diesen Viren fertig werden. Es kommt also darauf an, wie gut Ihr Immunsystem mit den Eindringlingen umgehen kann und wie gewissenhaft wir uns an die Abstandsregeln halten. Umso wichtiger ist es, das Immunsystem bestmöglich zu stärken.“

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Wie können vor allem Corona-Risikogruppen ihr Immunsystem stärken?

D. Heimann: „Vor allem Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Herz- und Lungenleiden haben wenig oder keine Reserven. Daher sind sie besonders gefährdet und es ist wichtig, dass sie anfangen zu trainieren, also rauszugehen und sich zu bewegen – allerdings in Maßen, alleine oder am besten zu zweit, weit weg von anderen Personen. Regel: Wer sich beim Sport noch gut unterhalten kann, der macht es meist richtig.

Auch sollten chronische Erkrankungen gut behandelt sein – also beispielsweise Blutdruck und Blutzucker oder auch eine Asthma-Erkrankung.

Zudem sollten wir nicht vergessen, dass auch eine depressive Stimmung uns anfälliger werden lässt – der so viel zitierte ‚Lagerkoller‘. Daher: Raus an die Sonne in Wald oder Stadtpark. Wenn das nicht geht: Auch auf dem Balkon kann man Gymnastik machen.“

Vielen Dank für das Interview!

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