Corona: Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr auf Toiletten?

Mona Eichler Health-Redakteurin

Besteht eine Corona-Ansteckungsgefahr auf öffentlichen Toiletten? Laut einer chinesischen Studie könnten infektiöse Aerosole durch das Spülen in die Luft gewirbelt und so eingeatmet werden. Wie realistisch ist diese Gefahr und wie kann sie minimiert werden? 
 

Inhalt
  1. Öffentliche Toiletten = Corona-Risiko?
  2. Computermodelle berechnen Ansteckungsgefahr
  3. Infektionsrisiko ungeklärt
  4. Öffentliche Toiletten während Corona: Meiden oder richtig spülen 

Öffentliche Toiletten waren schon vor Corona als Viren- und Bakterienherde verschrien. Inmitten der Pandemie stellt sich allerdings die Frage, ob Menschen sich auf öffentlichen Toiletten leichter mit dem potenziell tödlichen Virus anstecken können. Chinesische Wissenschaftler versuchen, eine Antwort zu liefern.

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Öffentliche Toiletten = Corona-Risiko?

Wie schon bei der Corona-Übertragung durch Sprechen geht es bei der Frage, wie hoch die Ansteckungsgefahr auf öffentlichen Toiletten ist, um die sogenannten Aerosole. Das sind winzige Schwebeteilchen, die beim Sprechen, Husten, Niesen und Atmen ausgestoßen werden und ansteckendes Virusmaterial in sich tragen. Atmet unser Gegenüber diese Aerosole ein, kann das zu einer Corona-Infektion führen. 

Physiker der Universität von Yangzhou im Osten Chinas wiesen nun nach, dass Aerosol-Wolken beim Spülen auf öffentlichen und natürlich auch privaten Toiletten durch das in der Schüssel herumwirbelnde Spülwasser aufgewirbelt werden. Dadurch erhöht sich theoretisch das Infektionsrisiko.

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Computermodelle berechnen Ansteckungsgefahr

Die chinesischen Forscher nutzten detaillierte Computermodelle, die den Weg der Aerosole in öffentlichen Toiletten nachzeichneten. Dazu wurden verschiedene Toiletten­typen untersucht. Je nach Spül-Typ ergaben sich unterschiedliche Wasser- und Luftströmungen innerhalb der kleinen Kabinen. Im Durchschnitt flogen die Aerosole bis auf eine Höhe von knapp einem Meter. Da sich die Schwebeteilchen in der Regel etwas über eine Minute in der Luft halten, könnten sie nach dem Spülen in der öffentlichen Toilette leicht eingeatmet werden. 

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Physics of Fluids".

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Infektionsrisiko ungeklärt

Die Beobachtungen, die die Experten im Hinblick auf die vom Spülwasser aufgewirbelten Aerosole in öffentlichen Toiletten machten, sind allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn bis heute ist nicht eindeutig geklärt, ob Urin oder Kot das Coronavirus übertragen können. 

Es gibt Untersuchungen aus Wuhan, wo die Pandemie Ende 2019 ihren Lauf nahm, bei denen das Erbmaterial des Virus' im Stuhl von COVID-19-Patienten zwar nachgewiesen werden konnte. Dabei handelte es sich allerdings um zerstörte, nicht vermehrungsfähige und nicht infektiöse Viruspartikel. Auch die deutschen Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité und Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing hatten Stuhlproben einiger COVID-19-Patienten analysiert. Mit dem gleichen Ergebnis: "Wir konnten keine replikationsfähigen Viren nachweisen", bestätigte Wendtner laut "aerzteblatt.de". 

Ganz auszuschließen ist die Ansteckungsgefahr allerdings nicht. Durchfall gehört zu den seltenen Corona-Symptomen und es gibt Untersuchungen, die aktive Viruspartikel im Stuhl von Schwerstkranken nachweisen konnten. In einer Studie des US-amerikanischen Swedish Medical Centers, die im Fachblatt "Jama Network Open" veröffentlicht wurde, fanden sich in 2 von 153 Stuhlproben lebensfähige Viren. 

Weltweit ist bisher allerdings kein Fall bekannt, bei dem sich ein Mensch über Stuhlreste mit COVID-19 infiziert hat.

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Öffentliche Toiletten während Corona: Meiden oder richtig spülen 

Obwohl eine Krankheitsübertragung über Magen-Darm-Ausscheidungen unwahrscheinlich scheint, laden öffentliche Toiletten vor allem während der Corona-Pandemie nicht zum Verweilen ein. Von Aerosolen, die Menschen beim Sprechen, Husten, Niesen und Atmen ausstoßen, geht eine eindeutige Ansteckungsgefahr aus – in den zumeist engen Kabinen im öffentlichen Raum ist und bleibt die Tröpfcheninfektion ein Risikofaktor. Das Coronavirus kann außerdem theoretisch durch kontaminierte Oberflächen via Schmierinfektion übertragen werden. 

Es ist also ratsam, den Gang auf eine öffentliche Toilette so oft wie möglich zu vermeiden. Müssen Sie dringend austreten, nehmen Sie Ihren Mund-Nasen-Schutz nicht ab. 
Besitzt die öffentliche Toilette einen Klodeckel, klappen Sie ihn vor dem Spülen herunter: Der Deckel verhindert das Aufwirbeln der Aerosol-Wolken zum größten Teil, was die potentielle Ansteckungsgefahr minimiert. 


Quellen:
Can a toilet promote virus transmission? From a fluid dynamics perspective, in: aip.scitation.org
Coronaviren aus der Toilette? Deckel drauf, in: faz.net
Coronaübertragung: Wie gefährlich sind öffentliche Toiletten?, in: aerzteblatt.de
 

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