Corona: Warum Frauen ein höheres Risiko haben

Daphne Sekertzi

Die Forschung zeigt, dass Männer wesentlich gefährdeter durch das Coronavirus sind. Doch aktuelle Daten und Studien machen deutlich, dass die Geschlechter-Unterschiede rund um Corona vielfältiger sind. So sollen Frauen ein höheres Infektionsrisiko aufweisen. Woran liegt das?

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Inhalt
  1. Corona-Sterberisiko bei Männern um bis zu 1,7 höher als bei Frauen
  2. Corona-Risiko bei Frauen: Schnellere Immunantwort
  3. Frauen haben ein höheres Corona-Infektionsrisiko
  4. Ungleichverteilung der Geschlechter bei Corona-Testungen

Im Verlauf der Pandemie zeigten sich bei Schwere und Verlauf einer Corona-Infektion Unterschiede in den Geschlechtern. Seit einiger Zeit beschäftigt dieses Thema die deutsche Medienlandschaft wieder. Anstoß darauf gab ein Gastbeitrag der ZEIT. Der Autor plädiert dafür, dass Frauen später geimpft werden sollen, da sie weniger durch das Coronavirus gefährdet seien. Die Süddeutsche Zeitung hielt dagegen und schrieb: Frauen infizieren sich häufiger mit Corona. Aber ist das so? Welche Corona-Risiken ergeben sich jeweils für Frauen und Männer?

 

Corona-Sterberisiko bei Männern um bis zu 1,7 höher als bei Frauen

Die Studienlage ist eindeutig: Männer sind gefährdeter, einen schweren Corona-Verlauf zu entwickeln und daran zu sterben. Sie machen weltweit einen deutlich höheren Anteil an der Gesamtzahl der Corona-Todesfälle aus – der Faktor beläuft sich auf 1,4 bis 1,7, wie zahlreiche Studien belegen konnten.

Dass Männer meist schwerer erkranken als Frauen hat vielfältige Gründe, die von einer aktuellen Übersichtsarbeit aufgeschlüsselt werden. Zum einen besitzen Frauen in der Regel ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein. Zum anderen sind Vorerkrankungen, die das Sterberisiko bei einer Corona-Infektion erhöhen, bei Männern weiter verbreitet, wie etwa Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Corona-Risiko bei Frauen: Schnellere Immunantwort

Aber noch ein wichtiger Faktor spielt mit rein: Die Immunabwehr ist bei Frauen, zumal bei Virus-Infektionen, selbst im höheren Alter stärker. Die T-Zellen, die bei der Bekämpfung von Krankheitsviren entscheidend sind, werden schneller mobilisiert. Forscher vermuten, dass Östrogen bestimmte Rezeptoren ausschaltet, die als Eingangstor für das Coronavirus dienen. Bei Männern kommt es hingegen zu einer späteren Immunantwort, was mit einem größeren Risiko für Komplikationen wie Entzündungsreaktionen und Lungenentzündungen einhergeht.

Die schnelle Immunantwort bei Frauen kann sich positiv auf die Wirksamkeit von Impfungen auswirken, wie frühere klinische Studien ergeben haben. Jedoch treten zugleich häufiger und schwerere Nebenwirkungen bei Frauen nach einer Impfung auf. Studien darüber, ob das auch bei Corona-Impfungen der Fall ist, liegen bislang nicht vor.

 

Frauen haben ein höheres Corona-Infektionsrisiko

Bezogen auf den Krankheitsverlauf ergeben sich für Männer mehr Risiken als für Frauen. Was allerdings das Infektionsrisiko angeht, haben Frauen einen wesentlichen Nachteil. Forscher des Wittgenstein-Zentrums für Demografie haben sich nicht nur die Geschlechterverteilung, sondern auch die Altersverteilung der Infektionen in neun europäischen Ländern im Zeitraum zwischen März und Dezember genauer angeguckt.

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Die Analyse zeigt, dass Frauen zwischen 20 und 60 ein höheres Erkrankungsrisiko haben. Erst in der Altersgruppe der 60- bis 79-Jährigen erkranken mehr Männer als Frauen an Corona. Die Erklärung der Forscher: Mehr Frauen als Männer sind im Bereich Gesundheit und Pflege sowie im Handel beschäftigt – Berufsfelder, die durch den intensiven Kontakt mit anderen Menschen das Risiko, an COVID-19 zu erkranken, extrem ansteigen lässt.  

 

Ungleichverteilung der Geschlechter bei Corona-Testungen

Ein weiterer Unterschied zwischen den Geschlechtern besteht hinsichtlich der Testungen. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat erst kürzlich Zahlen zur Geschlechterverteilung der bislang durchgeführten PCR-Tests veröffentlicht. Von den insgesamt 4,3 Millionen Tests wurden 45,7 Prozent bei Frauen durchgeführt. Männer kommen nur auf einen Anteil von 37,4 Prozent. Bei 16,9 Prozent wurde keine Geschlechterangabe gemacht. Auch Daten aus anderen Ländern zeigen einen höheren Anteil von Frauen an den Gesamtinfektionen.

Eine Erklärung dafür liefert eine im letzten Jahr veröffentlichte Studie. Sie ergab, dass Frauen das von Corona ausgehende Gesundheitsrisiko ernster nehmen und sich daher öfter testen lassen als Männer. 

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Quellen:

Takahashi, Takehiro/ Iwasaki, Akiko (2021): Sex differences in immune responses, in: sciencemag.org

Statistik Dossier: Daten zur COVID-19-Pandemie. Ausgabe 02/2021, in: destatis.de (Statistisches Bundesamt)

Galasso, Vincenzo [u.a] (2020): Gender differences in COVID-19 attitudes and behavior: Panel evidence from eight countries, in: pnas.org

Sollen sie doch Hände waschen, in: Süddeutsche Zeitung

„Corona-Impfung. Männer first!“, in: ZEIT

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