Corona: Urintest erkennt Frühwarnzeichen von schweren COVID-19-Verläufen

Mona Eichler Health-Redakteurin

Anhand eines Urintests lässt sich abschätzen, ob einem COVID-19-Patienten ein schwerer Krankheitsverlauf droht und welche Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen. Dem zugrunde liegt eine Entzündung der Nieren, eine sogenannte Nephritis.

Inhalt
  1. Corona greift die Nieren an
  2. Urintest liefert Hinweise
  3. 3 Marker im Urin sind relevant 
  4. Auswirkungen auf COVID-19-Behandlung
  5. Weitere Beobachtungsstudie

Einer neuen Studie zufolge weist eine Entzündung der Nieren auf einen möglichen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf hin. Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen waren auf den Zusammenhang aufmerksam geworden, der mithilfe eines Urintests offengelegt werden kann. Bestimmte veränderte Marker im Urin gelten als Frühwarnzeichen.

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Corona greift die Nieren an

Längst ist bekannt, dass die durch SARS-CoV-2 ausgelöste Krankheit COVID-19 vor allem in der Lunge und im Herz zu schweren Schäden führt. Ärzten der Universitätsmedizin Göttingen fiel während der stationären Behandlung von COVID-19-Patienten zudem auf, dass gerade bei späteren Schwerstkranken die Nieren frühzeitig betroffen waren. Dies schien bisher nicht so stark in den Fokus der weltweiten Untersuchungen gerückt zu sein, weil andere Organe bei COVID-19 wesentlich stärker beschädigt sind. Dennoch, der Zusammenhang schien klar erkennbar: Liegt eine Entzündung der Nieren (Nephritis) vor, ist der Verlauf von COVID-19 meist schwer. 
In der Folge tauschten sich die Wissenschaftler in Göttingen mit Kollegen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und anderen deutschen Universitätskliniken, sowie Fachleuten aus Italien, China, England und den USA aus.

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Urintest liefert Hinweise

Tage bevor Lunge oder Herz unter einer COVID-19-Infektion zusammenbrechen und ein schwerer Krankheitsverlauf nicht mehr aufzuhalten ist, kann eine Entzündung der Nieren ein erster Warnhinweis sein. 
Der durchgeführte Urintest ermittelt dabei nicht, ob ein Mensch mit dem Coronavirus infiziert ist, sondern ob einem bereits Erkrankten, dem es möglicherweise noch nicht wirklich schlecht geht, ein schwerer COVID-19-Verlauf droht.

 

3 Marker im Urin sind relevant 

Bei ihrer Untersuchung, die im renommierten Fachjournal "The Lancet" veröffentlicht wurde, machten die Göttinger Wissenschaftler drei Marker im Urin eines Menschen aus, die mit Blick auf COVID-19 analysiert werden müssen. Sie zeigen an, dass die Nieren infolge der Virusinfektion entzündet sind und Schlimmeres droht: 

  • Albumin im Blut
  • Albumin im Urin 
  • Antithrombin III

Die drei Marker werden im Allgemeinen dazu genutzt, um das sogenannte "Capillary Leak Syndrom" zu diagnostizieren. Dabei löst ein Virus Lecks der kleinen Blutgefäße aus, wodurch es zu lebensbedrohlichen Blutungen im Organgewebe kommt. 
"Ist auch nur einer von drei Parametern schwer verändert, besteht ein hohes Risiko, dass sich die Erkrankten auf Normalstation zeitnah verschlechtern, auf die Intensivstation verlegt werden müssen oder sich der Verlauf auf Intensivstation noch verschlechtert", erklärt Prof. Dr. Oliver Gross, Oberarzt für Nephrologie und Rheumatologie der UMG und Erstautor der Studie.

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Auswirkungen auf COVID-19-Behandlung

Anhand ihrer Erkenntnisse entwickelten die Forscher einen "Handlungspfad zur Früherkennung und Behandlung von schweren Verläufen bei COVID-19 Infektionen". Dieser weist unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten auf.
Zeigt der Urintest beispielsweise einen schweren Mangel von Albumin im Blut, droht dem Patienten ein interstitielles Lungenödem. Bei der sogenannten Wasserlunge schwillt das Lungengewebe an, wodurch das Atmen und der Austausch von Sauerstoff erschwert werden. Dem entgegenwirken kann Fachpersonal mit Entwässerungstabletten, die noch vor einer eventuellen Verschlechterung der Atmung ihre Wirkung entfalten. 
Ergibt der Urintest indes einen schweren Mangel von Antithrombin III im Blut, drohen dem COVID-19-Erkrankten Thrombosen (Gerinnsel in den Blutgefäßen) und Thrombembolien (Gerinnsel lösen sich und verstopfen die Lungengefäße). Hier kann eine Behandlung mit Blutverdünnungsmitteln wie Heparin vorbeugen.

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Weitere Beobachtungsstudie

Ob der in Göttingen entwickelte Handlungspfad den alltäglichen Kampf gegen COVID-19 verändern kann, wird seit dem 24. April 2020 untersucht. Die großangelegte, nicht-interventionelle Beobachtungsstudie "COVID-19 assoziierte Nephritis als Prädiktor für die Erkrankungsschwere und Komplikationen" unter Beteiligung mehrerer Universitätskliniken in Deutschland soll weiteren Aufschluss geben.  


Quellen:
Entzündete Nieren als Frühwarnzeichen für schwere Verläufe bei COVID-19, in: www.umg.eu
COVID-19-associated nephritis: early warning for disease severity and complications?, in: thelancet.com

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