Corona und Zahnfleischbluten: Parodontitis erhöht Sterberisiko

Redaktion PraxisVITA

Neue Untersuchungen aus Großbritannien deuten darauf hin, dass COVID-19-Patienten mit geschwollenem oder blutendem Zahnfleisch ein erhöhtes Risiko aufweisen, an ihrer Infektion zu sterben.

Inhalt
  1. Paradontitis erhöht Corona-Sterberisiko um ein Vielfaches
  2. Deutsche Zahnexperten schlagen Alarm
  3. Erfahrungswerte durch Lungenentzündungen
  4. Mundgesundheit kann man testen 

Wie es scheint, hängen Parodontitis und das Risiko, an COVID-19 zu sterben, zusammen – Zahnfleischbluten oder geschwollenes Zahnfleisch können Grund zur Sorge sein. Denn schon lange ist bekannt, dass das Coronavirus die ACE2-Rezeptoren im menschlichen Körper nutzt, um an Zellen anzudocken und sich dort zu vermehren. Diese befinden sich vor allem im Mund, Rachen und in der Nase.

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Paradontitis erhöht Corona-Sterberisiko um ein Vielfaches

Britische Forscher haben nun herausgefunden, dass COVID-19-Patienten mit geschwollenem oder blutendem Zahnfleisch ein um 70 % erhöhtes Risiko aufweisen, an ihrer Infektion zu sterben. Allerdings konnte nicht nachgewiesen werden, dass sich Menschen mit schlechter Mundhygiene grundsätzlich schneller mit Corona infizieren. 

Der nun erkannte Zusammenhang von Parodontitis und dem COVID-19-Sterberisiko könnte die Behandlung der Patienten erleichtern. „Die Verwendung verknüpfter Patientenakten von Zahnärzten und Krankenhäusern würde das Verständnis der Auswirkungen von Parodontitis auf COVID-19-Erkrankungen verbessern“, schlussfolgerten die Wissenschaftler von der University of Leeds. 

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Deutsche Zahnexperten schlagen Alarm

Zahnmediziner Prof. Roland Frankenberger (Universität Marburg) und Diabetologe Prof. Andreas Pfützner (Pfützner Science & Health Institute, Mainz) griffen die Studie ihrer Kollegen aus Großbritannien auf, um einmal mehr die Wichtigkeit grundsätzlicher Mundhygiene vor allem während der Corona-Pandemie zu betonen. In einer Pressemitteilung der MundgesundheitsStiftung (DMS) – einer Allianz für die orale Immunkompetenz – schreiben die Experten: 

„Es ist bekannt, dass das Corona-Virus hauptsächlich über Rezeptoren in Mund und Rachen in den Körper eindringt. Daher sind eine starke Immunabwehr der Mundhöhle und eine gesunde Mundschleimhaut die erste Hürde für die Viren. Sind diese geschwächt oder finden unbemerkt parodontale Degenerationsprozesse statt, stellen zusätzliche bakterielle Infektionen ein hohes Risiko dar, an einer Lungenentzündung zu erkranken oder gar an einer Sepsis zu versterben.“

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Erfahrungswerte durch Lungenentzündungen

Die Bedeutung der Mundhygiene zur Abwehr von Infektionskrankheiten ist nicht erst seit Aufkommen von SARS-CoV-2 bekannt. Der Zusammenhang von Dentalhygiene und Lungenentzündungen wurde bereits mehrfach untersucht. 

Eine der aussagekräftigsten Studien fand über einen Zeitraum von zwölf Jahren mit knapp 100.000 Probanden statt. Die Ergebnisse: Eine gezielte Parodontal-Behandlung konnte das Risiko, an einer Lungenentzündung zu erkranken, um 31 % senken; bei einer intensiven, zahnmedizinischen Therapie sank das Risiko sogar um 66 %. 

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Mundgesundheit kann man testen 

Ob der Mund- und Rachenraum gesund ist, lässt sich nicht nur durch fehlendes Zahnfleischbluten oder festes Zahnfleisch feststellen. Mit dem sogenannten aMMP-8-Test kann die Mundgesundheit gemessen werden. aMMP-8 steht für „aktivierte Matrix-Metallo-Protienase-8“ und meint das gleichnamige Enzym, das die Barriere durch Gewebeabbau (Kollagenolyse) löcherig macht. Obwohl der aMMP-8-Test als 5-Minuten-Schnelltest zuhause in Eigenregie gemacht werden kann, sollte man vor allem beim ersten Mal lieber zum Zahnarzt gehen. 

Prof. Roland Frankenberger und Prof. Andreas Pfützner raten außerdem dazu, auch während der Corona-Pandemie Gesundheitsuntersuchungen beim Zahnarzt – sofern es möglich ist – wahrzunehmen. Nur beim Fachmann könne abgeklärt werden, ob Mund und Zahnfleisch einer potentiellen Corona-Infektion etwas entgegenzusetzen haben. 

Quellen:
Eine starke Allianz für die Mundgesundheit: Aufklären, testen und schützen, in: die-mundgesundheitsstiftung.de
The Impact of Periodontal Disease on Hospital Admission and Mortality During COVID-19 Pandemic, in: frontiersin.org
Orale Immunkompetenz in der Corona-Pandemie vs. Systemrelevanz der Zahnmedizin, in: thieme-connect.com

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