Krebspatient durch Corona geheilt?

Gaby Scheib

Bei einem 61-jährigen Briten sind nach einer COVID-19-Erkrankung fast alle Tumorzellen verschwunden. Wurde der Krebspatient durch Corona geheilt? Ärzte haben eine Erklärung.

Ärztin in Schutzkleidung spricht mit männlichem Patienten im Krankenhausbett
Bei einem Briten hat sich nach einer schweren Corona-Erkrankung der Krebs zurückgebildet (Symbolbild) Foto:  iStock/xavierarnau
Inhalt
  1. Geheilter Krebspatient: Vor der Chemo kam Corona
  2. Nach Corona kaum noch Krebszellen
  3. Hodgkin-Lymphon und Corona: Warum der Krebspatient durch Corona geheilt wurde
  4. Der Fall ist eine „absolute Rarität“

Es klingt wie eine Wunderheilung: Ein Brite erkrankt im Alter von 61 Jahren erst an Krebs, dann an COVID-19 – und plötzlich ist ein Großteil seiner Tumorzellen verschwunden. Der Krebspatient scheint durch Corona geheilt worden zu sein. Woran kann das liegen?

 

Geheilter Krebspatient: Vor der Chemo kam Corona

Der Fall sorgt für Aufsehen und wird aktuell im "British Journal of Haematology" beschrieben. Ärzte fanden bei dem 61-jährigen Mann letztes Jahr ein Hodgkin-Lymphon. Dabei handelt es sich um eine bösartige Erkrankung des Lymphsystems. Noch bevor der Brite mit der Chemotherapie beginnen konnte, infizierte er sich mit SARS-CoV-2. Die Krankheit nahm bei ihm einen schweren Verlauf, er bekam zusätzlich eine Lungenentzündung und musste elf Tage lang beatmet werden. 

Corona Arzt mit positivem Bluttest
Service Corona: Deshalb erkranken Männer schwerer an COVID-19 als Frauen

 

Nach Corona kaum noch Krebszellen

Zum Glück hat der Mann die schwere COVID-19-Erkrankung überstanden. Und nicht nur das: Seine behandelnden Ärzte stellen fest, dass die Anzahl der Tumorzellen sich dramatisch verändert hatte – sie waren fast vollständig verschwunden. Ein Zusammenhang mit der Corona-Infektion schien ihnen wahrscheinlich.

Eine auf einem Tisch liegende Flasche mit Vitamin-D-Kapseln
Krankheiten & Behandlung Studie: Vitamin D kann die Krebs-Sterberate reduzieren

 

Hodgkin-Lymphon und Corona: Warum der Krebspatient durch Corona geheilt wurde

Die Vermutung der Ärzte: Durch Corona wurde das Immunsystem aktiviert. „Wir glauben, dass COVID-19 eine Anti-Tumor-Immunantwort ausgelöst hat“, so Sarah Challoner, Ärztin am Royal Cornwall Hospital in Truro. Die Mediziner nehmen an, dass der Körper des Krebspatienten durch Corona sehr viele T-Zellen produziert hat, die nicht nur die Virus-, sondern auch die Tumorzellen bekämpft haben.

 

Der Fall ist eine „absolute Rarität“

Experten dämpfen aber die Hoffnung, dass solch eine Heilung öfter geschehen könnte. So erklärte Prof. Michael von Bergwelt vom LMU Klinikum München in der Bild Zeitung, dass durch eine Infektion ausgelöste Rückbildungen von Krebserkrankungen „absolute Raritäten“ seien. In manchen Fällen gingen Krebserkrankungen auch spontan ohne ärztlichen Eingriff zurück. Und er stellte klar: „Es wird sicherlich Einzelfälle von Patienten geben, deren Krebs nach einer COVID-19-Infektion verschwindet. Allerdings ist sehr fraglich, ob diese Fälle bei dieser speziellen Virus-Infektion häufiger auftreten, als bei anderen Infektionen.“

Impfung gegen bösartige Hirntumore entwickelt
Krankheiten & Behandlung Impfung gegen bösartige Hirntumore entwickelt
 

Auf keinen Fall sollten Patienten auf die Idee kommen, sich absichtlich mit SARS-CoV-2 zu infizieren. Denn eine Schutzwirkung sei nicht zu erwarten und: „Eine Infektion kann auch der Auslöser für eine Krebserkrankung sein“, warnte Prof. von Bergwelt. Dass der britische Krebspatient durch Corona geheilt wurde, ist also eine absolute Ausnahme.

Quellen:
Krebspatient erkrankt an Covid-19 - danach sind fast all seine Tumore verschwunden in: focus.de
Challenor, S., & Tucker, D. (2021). SARS-CoV-2-induced remission of Hodgkin lymphoma. Br J Haematol, 192(415), 10-1111.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2021 praxisvita.de. All rights reserved.