Corona: Thrombosen und Lungenembolien als häufige Todesursache

Mona Eichler Health-Redakteurin

Durch Obduktionen soll das Coronavirus besser verstanden und bekämpft werden können. Neueste Ergebnisse aus Hamburg zeigen, dass COVID-19-Patienten häufig an Thrombosen und Lungenembolien gestorben sind. 

Inhalt
  1. Thrombosen und Lungenembolien durch Corona
  2. Obduktionen: Ergebnisse beeinflussen die Corona-Behandlung
  3. COVID-19: Frühere Obduktionen aus Hamburg
  4. Bericht aus Basel: Kaum Lungenentzündungen
  5. COVID-19 führt zu Gefäßentzündungen
 

Thrombosen und Lungenembolien durch Corona

Der Rechtsmediziner Klaus Püschel vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und sein Team haben bisher bundesweit die meisten Obduktionen an Menschen durchgeführt, die in Folge des Coronavirus gestorben sind. Rund 170 COVID-19-Tote wurden dabei bis ins Detail untersucht. 
Die neuesten Ergebnisse zeigen, dass Blutgerinnsel zu den häufigen Todesursachen gehören: Die Patienten sterben an Thrombosen und Lungenembolien. 

Bei Obduktionen von zwölf Toten im Alter zwischen 52 bis 87 Jahren traten Thromben bei sieben Personen auf, während vier der Verstorben direkt einer Lungenembolie erlagen.

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Obduktionen: Ergebnisse beeinflussen die Corona-Behandlung

Die Ergebnisse der neusten Obduktionen sind nicht nur auf wissenschaftlicher Basis interessant: Sie haben direkte Auswirkungen darauf, wie Patienten mit COVID-19 behandelt werden. 
"Da sind Leitlinien verändert worden, speziell auch in der Hinsicht, dass auf das Blutgerinnungssystem und die Bildung von Thromben gezielt eingegangen wird. Es wird eine intensivere Vorsorge getroffen, damit Thrombosen und Embolien nicht entstehen", erklärte Dr. Püschel.

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COVID-19: Frühere Obduktionen aus Hamburg

Die Süddeutsche Zeitung, der NDR und WDR veröffentlichten Ende April erste Berichte über die Arbeit von Klaus Püschel in Hamburg. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Rechtsmediziner zwischen 22. März und 11. April 65 COVID-19-Verstorbene obduziert.
Keiner der Toten sei "ohne Vorerkrankung" gewesen, erklärte der Mediziner.

In Zahlen bedeutete das für die ersten 65 Untersuchten: 
    •    55 von 61 hatten laut Bericht eine "kardiovaskuläre Vorerkrankung", also Bluthochdruck, einen Herzinfarkt, Arteriosklerose oder eine sonstige Herzschwäche 
    •    46 Obduzierte litten an einer Vorerkrankung der Lunge 
    •    28 wiesen Schäden an anderen Organen wie Nieren, Leber oder Transplantationsorgane auf 
    •    16 waren an Demenz erkrankt 
    •    weitere hatten eine Krebserkrankung, schweres Übergewicht oder Diabetes

Selbstverständlich waren diese Ergebnisse nicht umfassend genug, um daraus allgemein gültige Schlüsse zu ziehen. Sie gaben dennoch erste Hinweise darauf, welche Vorerkrankungen bei COVID-19 eine Rolle spielen könnten.

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Bericht aus Basel: Kaum Lungenentzündungen

Nicht nur in Hamburg werden derzeit Obduktionen durchgeführt. Alexandar Tzankov, Leiter des Fachbereichs Autopsie am Uni-Spital in Basel, hat zunächst 20 Covid-19-Verstorbene obduziert. Auch er berichtete Ende April von Vorerkrankungen der überwiegend männlichen Verstorbenen:
"Alle Untersuchten hatten Bluthochdruck. Ein Großteil der Patienten war auch schwer adipös, also deutlich übergewichtig."
Mehr als zwei Drittel der von ihm untersuchten Toten wiesen vorgeschädigte Herzkranzgefäße auf, ein Drittel war an Diabetes erkrankt.

Tzankovs wichtigste Erkenntnis aber war eine andere: "Die wenigsten Patienten hatten eine Lungenentzündung", sagte der Experte, nachdem er und sein Team Schäden am Lungengewebe der Toten untersucht hatten. "Das, was wir unter dem Mikroskop gesehen haben, war eine schwere Störung der Mikrozirkulation der Lunge."
Diese Störung legt den Sauerstoffaustausch in der Lunge lahm. Ein Grund dafür, warum Beatmungsgeräte manchen COVID-19-Patienten nicht retten können: "Man kann dem Patienten so viel Sauerstoff geben, wie man will, der wird dann einfach nicht mehr weiter transportiert."

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COVID-19 führt zu Gefäßentzündungen

Dass COVID-19 keine reine Lungenkrankheit ist, kristallisiert sich immer mehr heraus. Mitte April 2020 veröffentlichten Pathologen der Universität Zürich interessante Erkenntnisse im Fachjournal "Lancet": Die Mediziner konnten nach Autopsien an COVID-19-Toten nachweisen, dass nicht nur die Lunge von Entzündungen geschädigt war, sondern verschiedenste Organe.  

Schon länger ist bekannt, dass das neuartige Coronavirus, wie bereits das SARS-Virus 2002, über die sogenannten ACE2-Rezeptoren in die Körperzellen des Menschen eindringt und sich dort vermehrt. ACE2-Rezeptoren befinden sich verstärkt in der Lunge – aber eben nicht nur. 

Die Schweizer Pathologin Prof. Zsuzsanna Varga und ihr Team konnten SARS-CoV-2 erstmals direkt im Endothel nachweisen. Das Endothel ist eine Zellschicht an der Innenfläche der Blut- und Lymphgefäße, die als Schutzschicht fungiert. Es kommt nicht nur in der Lunge vor, sondern in allen Gefäßbetten: Herz-, Hirn-, Lungen- und Nierengefäße sowie Gefässe im Darmtrakt. 
SARS-CoV-2 ruft zu eine Entzündung des gesamten Endothels hervor und führt so zu Zellstörungen und schrittweise zum Absterben der befallenen Organe oder Gewebeteile.  
Während die Endothel-Schicht jüngerer Patienten meist noch mit einem SARS-CoV-2-Angriff zurecht kommt, kommt es bei Patienten mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herzkrankheiten eher zu schweren Krankheitsverläufen.

Quellen:
Covid-19-Tote: Was die Obduktionen der Virus-Opfer offenbaren, in: sueddeutsche.de
COVID-19: Auch eine systemische Gefässentzündung, in: usz.ch
Neue Corona-Studie: Patienten sterben häufig an Blutgerinnseln, in: tagesschau.de

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