Corona: Testosteronsenkende Mittel könnten helfen

Mona Eichler Health-Redakteurin

Um das Coronavirus besser bekämpfen zu können, forschen Wissenschaftler in jede erdenkliche Richtung. Die Tatsache, dass mehr Männer als Frauen an COVID-19 sterben, lenkt die Aufmerksamkeit auf das Hormon Testosteron. Könnten testosteronsenkende Mittel helfen, den Krankheitsverlauf zu mildern?

Inhalt
  1. SARS-CoV-2 braucht Enzyme zum Andocken
  2. Prostatakrebs, TMPRSS2 und Testosteron
  3. COVID-19-Behandlung mit Testosteronsenkern?

Laut Robert Koch-Institut sind in Deutschland bis Mitte Mai 2020 ingesamt 7.723 Menschen im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung gestorben. 4.492, also 56 Prozent, davon waren Männer. 
Wissenschaftler der ETH Zürich und der Universität der italienischen Schweiz (USI) haben in einer aktuellen Studie nun untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen dem Männlichkeitshormon Testosteron und Corona bestehen könnte. Die Ergebnisse sind vor allem mit Blick auf mögliche COVID-19-Medikamente interessant.

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SARS-CoV-2 braucht Enzyme zum Andocken

Schon lange ist bekannt, dass das Coronavirus vor allem über die sogenannten ACE2-Enzyme im Körper andockt und sich dort vermehrt. Männer produzieren mehr ACE2 als Frauen und sind deswegen häufiger von schweren Krankheitsverläufen betroffen.   

SARS-CoV-2 nutzt allerdings nicht nur ACE2 als Eingangspforte in den Körper, sondern noch ein weiteres Enzym. Das sogenannte TMPRSS2 begünstigt das Eindringen des Virus' ebenfalls. 
Beide Enzyme treten im ganzen Körper, jedoch verstärkt in Zellen in der Nase auf.

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Prostatakrebs, TMPRSS2 und Testosteron

Die Wissenschaftler werteten die Daten von ingesamt 9.280 Corona-Patienten aus 68 Krankenhäusern in Veneto, Italien aus. Unter den Erkrankten befanden sich 4.532 Männer. 
Es zeigte sich zunächst, dass männliche Prostata-Patienten, die eine Hormonbehandlung durchmachten, überwiegend mild an COVID-19 erkrankten. "Unter den Patienten mit Prostatakrebs war das Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion viermal geringer, wenn diese eine Hormontherapie erhielten", schreibt die ETH in ihrer Studie. 
Auf Grundlage dieser Beobachtung weiteten die Wissenschaftler ihren Fokus aus. Bei Patienten mit Prostatakrebs steigt der TMPRSS2-Spiegel im Körper an und wird zusammen mit dem Testosteronspiegel medikamentös gesenkt. Die daraus resultierende geringere TMPRSS2-Konzentration könnte zur Folge haben, dass das Coronavirus weniger Andockstellen im Körper findet und sich deswegen weniger stark ausbreiten kann.

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COVID-19-Behandlung mit Testosteronsenkern?

Aus ihren Beobachtungen schließen die Schweizer Wissenschaftler, dass eine Behandlung von COVID-19 mit Medikamenten, die den Testosteronspiegel im Blut senken, möglich sein könnte. Um aussagekräftige Ergebnisse liefern zu können, sind aber natürlich weitere Studien nötig. 

Trotz dieser hoffnungsvollen Erkenntnisse betonten die Forscher: "Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass Krebspatienten ein höheres Risiko haben, an SARS-CoV-2 zu erkranken, als Patienten ohne Krebs. Dennoch scheinen Menschen mit Prostatakrebs in Hormontherapie teilweise vor einer SARS-CoV-2-Infektion geschützt zu sein."


Quellen:
Androgen-deprivation therapies for prostate cancer and risk of infection by SARS-CoV-2: a population-based study, in: annalsofoncology.org
Täglicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19), 14.05.2020, in: rki.de

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