Corona-Studie: Altert man schneller nach einer COVID-19-Erkrankung?

Redaktion PraxisVITA

Eine Infektion mit dem Coronavirus lässt den Körper auch bei leichten Verläufen deutlich schneller altern, wie Wissenschaftler des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein jetzt festgestellt haben. Was steckt dahinter?

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Inhalt
  1. Schnellers Altern durch COVID-19: Warum kommt es zu Organschäden?
  2. Welche Organe sind betroffen?
  3. Können die Organschäden behandelt werden?

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel haben in einer Studie über die Langzeitfolgen der Pandemie jetzt festgestellt, dass die Organe der Covid-19-Patienten deutlich schneller altern. Auch bei leichten Verläufen müsse, laut der Studie, ein 30-jähriger Patient nach 10 Jahren mit den Organen eines 60-jährigen leben.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die durch das Coronavirus verursachte Entzündung die Organe so stark angreift, dass langfristige Organschäden die Folge sind.

 

Schnellers Altern durch COVID-19: Warum kommt es zu Organschäden?

Covid-19 ist laut den Kieler Wissenschaftlern eine Endothelkrankheit. Bei Endothelien handelt es sich um die gesamte Zellschicht an der Innenseite der Blut- und Lymphgefäße. Das Endothelium ist das größte Organ des Menschen, da sich die Zellschicht überall im Körper befindet.

Ist ein Patient mit Covid-19 infiziert, greift das Virus die Endothelien an. Über ACE2-Rezeptoren kommt es zu einer generalisierten Entzündung in der Zellschicht. Durch diese breitflächige Entzündung und das damit einhergehende Absterben der Endothelien wird das Immunsystem alarmiert.

Die breitflächige Entzündung sorgt für einen Ausnahmezustand des Immunsystems, das zu drastischen Mitteln greift. Die betroffenen Zellen werden isoliert und zerstört. So ein massives Einwirken auf die Endothelien hat laut der Kieler Wissenschaftler auch Auswirkungen auf die Organe, die sie mit Blut versorgen - sie altern verfrüht.

 

Welche Organe sind betroffen?

Eine so schwere Entzündung im Endothel kann zu Mikrozirkulationsstörungen führen, die das Herz schädigen sowie im schlimmsten Fall Lungenembolien und Gefäßverschlüsse im Hirn und im Darmtrakt auslösen können.

Lunge & Atemwege

Covid-19 ist in erster Linie eine Lungenkrankheit, weshalb Lunge und Atemwege am stärksten von einer Infektion mit dem Coronavirus betroffen sind. Die meisten Erkrankten klagen über einen trockenen Husten, Atemnot und eine Lungenentzündung. Auch nach der Erkrankung wurde eine reduzierte Lungenfunktion als Spätfolge der Entzündung im Körper festgestellt.

Herz

Eine Studie der Universitätsklinik Frankfurter stellte bereits den Zusammenhang zwischen einer Covid-19-Erkrankung und Herzschäden bei den infizierten Patienten fest. Dabei war weder das Alter noch der Verlauf entscheidend - auch jüngere Menschen und Patienten mit milden Verläufen waren betroffen. Es wird noch untersucht, ob die Schäden durch das Virus selbst oder ebenfalls durch die von der Infektion ausgelöste Immunreaktion entstehen.

Grafische Darstellung des Herzens
Herzinsuffizienz Corona: Herzschäden selbst bei milden Symptomen möglich

Niere

Nach der Lunge ist die Niere am zweithäufigsten vom Coronavirus betroffen. Bis zu 50% der infizierten Coronapatienten leiden an akutem Nierenversagen. Dies kann zum einen mit der beschriebenen Entzündung der Gefäße zusammenhängen. Zum anderen erhalten Covid-19 Patienten, die an einer Lungenentzündung leiden, Medikamente, die dem Körper Wasser entziehen. So wird die angesammelte Flüssigkeit in der Lunge behandelt,  die oft mit einer Lungenentzündung einhergeht. Es führt jedoch auch dazu, dass die Niere schlechter durchblutet wird.

 

Können die Organschäden behandelt werden?

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Schäden nach der Krankheit vom Körper repariert werden können. Sie halten jedoch auch Langzeitfolgen an den Endothelien für wahrscheinlich, was  dann auch die Organe betrifft. Bei den betroffenen Organen kommt durch die verfrühte Alterung  zu Funktionsstörungen.

Man könne die Organe zwar im Nachhinein nicht wieder verjüngen, erklärte der Studienleiter Schreiber. Aber die dadurch ausgelösten Funktionsstörungen würden sich entsprechend behandeln lassen.

Genesene Patienten sollten darum engmaschig kontrolliert werden und mit entsprechenden Vorsorgeuntersuchungen, zum Beispiel auf hohen Blutdruck oder einer Resistenz gegen Insulin, getestet werden. So können früh entsprechende Diagnosen gestellt und die Langzeitfolgen mit den entsprechenden Therapiemethoden behandelt werden.

Frau sitzt gestresst am Schreibtisch.
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Quellen:

Langzeitfolgen von COVID-19 erkennen und erforschen, in: precisionmedicine.de

Endothelial cell infection and endotheliitis in COVID-19, in: thelancet.com

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