Corona-Spätfolgen: Ursache für PIMS-Syndrom gefunden!

Bisher wurde MIS, das multiinflammatorische Syndrom, auch PIMS-Syndrom genannt, größtenteils bei Kindern als Corona-Spätfolge beobachtet. Das Tückische: PIMS kann auch dann entstehen, wenn man nur leichte oder gar keine Corona-Symptome hat. Nun haben Forscher:innen eine Ursache für das Entzündungssyndrom ausmachen können.

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Im März 2020 sind die ersten Fälle bei Kindern bekannt geworden. Seitdem sind in Deutschland 40 Fälle von MIS-C (für „children“, Kinder) – auch PIMS („Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“) genannt – aufgetreten. Aber auch bei Erwachsenen wurde das Corona-Entzündungssyndrom bereits festgestellt, wie unter anderem die Thieme-Gruppe auf ihrer Online-Informationsplattform berichtet.

Was ist MIS bzw. PIMS?

Zu der Komplikation kann es zwei bis vier Wochen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 kommen. Sie ist selten, verläuft aber schwer. Dabei muss die vorangegangene COVID-19-Erkrankung selbst gar nicht mal große Beschwerden verursacht haben: Ist sie milde oder ohne Symptome verlaufen, kann der Zusammenhang zu dem später auftretenden Entzündungssyndrom häufig nur schwer hergestellt werden.

Bei MIS können sich unter anderem folgende Symptome zeigen:

  • Hohes Fieber

  • Starke Bauchschmerzen

  • Entzündungen der Blutgefäße und des Gewebes

  • Gelenkschmerzen

  • Übelkeit

  • Durchfall

  • Hautausschläge

  • Bindehautentzündung

Der Arzt kann dann hohe Entzündungswerte im Blut nachweisen, aber keine Ursache erkennen. Ohne Behandlung können die Patienten einen Kreislaufkollaps erleiden, auch die Herzkranzgefäße können geschädigt werden.

Corona-Entzündungssyndrom tritt auch bei Erwachsenen auf

Dass MIS auch Erwachsene treffen kann, wurde zuerst durch 16 Einzelfälle aus den USA und Großbritannien bekannt. Nun ist das Syndrom aber auch bei den ersten zwei Patienten in Deutschland aufgetreten. Wie die Mediziner Dr. Karl Rieper und Professor Dr. Andreas Sturm von den DRK-Kliniken Berlin-Westend berichten, haben sie zwei junge Menschen mit dem multisystemischen Entzündungssyndrom behandelt: erst einen 27-jährigen Mann, dann eine 21-jährige Frau.

Zwei schwere MIS-Fälle in Deutschland

Bei beiden zeigten sich heftige Symptome: Hohes Fieber, extreme Kopf- und Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Mehrere Coronatests fielen negativ aus. Die Ärzte hatten beim zuerst behandelten Mann die Vermutung, dass er unter einer Entzündung des Darms litt. Der Patient entwickelte jedoch eine Herzschwäche, die nicht zu der Krankheit passte. 

Dann schlug die Behandlung mit Hydrokortison an: Die Entzündung ging zurück, dem Mann ging es besser. Fünf Tage nach seiner Einlieferung stellten die Mediziner dann die Diagnose MIS – nachgewiesen durch einen positiven Antikörpertest, der eine zurückliegende Corona-Infektion bestätigte.

Bei der Frau, die ähnlich schwere Symptome hatte, wurde zunächst eine Hirnhautentzündung angenommen. Doch als auch sie eine Herzschwäche entwickelte, konnten die Ärzte schnell MIS diagnostizieren. Die Kortisonbehandlung wirkte hier ebenfalls gut, in Kombination mit Acetylsalicylsäure (ASS), vorbeugend gegen Thrombosen, und Antikörpern (Immunglobulinen).

Gute Prognose für MIS bei Erwachsenen

Aufgrund dieser Erfahrungen empfehlen Dr. Rieper und Professor Dr. Sturm, bei Patienten mit starkem Fieber, hohen Entzündungswerten und Problemen an verschiedenen Organen ohne deutliche Ursache auch an das multiinflammatorische Syndrom zu denken. Insbesondere, weil es zuvor vielleicht nur eine milde oder gar keine erkennbare Corona-Erkrankung gegeben hat.

Die Behandlung mit Hydrokortison, Immunglobulinen und ASS hat bei den beiden MIS-A-Patienten in Berlin gut angeschlagen, sie waren nach rund zwei Wochen beschwerdefrei. Deshalb sehen die Ärzte auch gute Chancen, MIS als Corona-Spätfolge bei Erwachsenen mit der entsprechenden Therapie erfolgreich in den Griff zu bekommen.

Ursache von PIMS-Syndrom nach Corona

Bisher konnte man eine eindeutige Ursache des PIMS-Syndroms sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern noch nicht ausmachen – bis jetzt! Nun haben Forscher:innen eine heiße Spur. So analysierten Expert:innen des Murdoch Children's Research Institute (MCRI) das Blut von 34 Kindern, die nach einer COVID-Erkrankung am PIMS-Syndrom oder am akuten Atemnot-Syndrom litten mit dem von 20 gesunden Kindern.

Dabei stellte sich eine Gemeinsamkeit heraus: Die Kinder, die vom PIMS-Syndrom betroffen waren, wiesen im Blut jeweils bestimmte Proteine auf, die bei den gesunden Kindern nicht nachgewiesen werden konnten. Darunter standen 85 Proteine in Verbindung mit PIMS. Signifikant waren vor allem spezifische Proteine, welche die Blutgerinnung und die Reaktion von Proteinen im Immunsystem beinflussen.

Die neue Untersuchung sei demnach „die erste, die die spezifischen Blutgerinnungs- und Immunproteinwege aufdeckte, die bei Kindern mit Covid-19 betroffen waren, die schwerwiegende Symptome entwickelten", erklärt einer der Studien-Forscher Conor McCafferty gegenüber dem Fachblatt "Nature". Die Studie könnte demnach den Weg für neue Behandlungsmethoden gegen PIMS ebnen.

Quellen:​

Multisystem-Entzündung in den Wochen nach einer SARS-CoV-2-Infektion auch bei Erwachsenen möglich in: thieme.de

Erste Fälle des Multisystem Inflammatory Syndrome nach SARS-CoV-2-Infektion bei jungen Erwachsenen in Deutschland in: thieme-connect.de

Corona: Entzündungssyndrom auch bei Erwachsenen in: scinexx.de

McCafferty, C., Cai, T., Borgel, D. et al. Pathophysiological pathway differences in children who present with COVID-19 ARDS compared to COVID -19 induced MIS-C. Nat Commun 13, 2391 (2022). https://doi.org/10.1038/s41467-022-29951-9