Corona: So können Ansteckungswege jetzt schnell ermittelt werden

Kontaktnachverfolgung ist das A und O bei der Eindämmung der Corona-Pandemie. Doch wo und bei wem genau sich ein Infizierter angesteckt hat, ist oftmals nicht mehr nachzuvollziehen. Durch eine neue Methode ist es nun möglich, Ansteckungswege und Infektionsherde sehr schnell auszumachen und das Infektionsgeschehen so frühzeitig zu stoppen.

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Wissenschaftler:innen der Heinrich Heine Universität Düsseldorf (HHU) und des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) arbeiten seit Juni 2020 zusammen mit dem Gesundheitsamt an einer Corona-Pilotstudie. Dabei sollten die genauen Ansteckungswege des Coronavirus nach dem Ausbruch in Heinsberg ermittelt werden. Im Anschluss haben die Forschenden die Ergebnisse auf die Großstadt Düsseldorf übertragen.

Virus-Genome und Corona-Ansteckungswege

Sequenzierungen dienen dazu, die Erbinformationen des Coronavirus zu untersuchen und so den genetischen Fingerabdruck des Erregers zu erhalten. Die Methode ermöglicht es, verschiedene Stämme des Virus auszumachen und Infektionsketten genau zu erkennen. Denn das Erbgut von SARS-CoV-2 verändert sich mit der Zeit, das Virus mutiert. Werden bei zwei Personen die identischen Genome entdeckt, liegt also eine gegenseitige bzw. gleichzeitige Ansteckung vor.

Durch „Echtzeit-Sequenzierung“ Ansteckungswege schnell nachvollziehen

In der Pilotstudie haben die Forschenden diese Methode angewandt, um Infektionsherde aufzuspüren. Sie nennen es „Echtzeit-Sequenzierung“ – innerhalb von 48 Stunden werden die Daten Neuinfizierter an der HHU sequenziert und an das Gesundheitsamt weitergeleitet. Dieses kann dann zusammenhängende Infektionen identifizieren. 

„Eine schnelle Verfügbarkeit der Daten ist für uns wichtig, um diese im Rahmen unserer Kontaktverfolgung und zum Auffinden von Quellclustern auch tatsächlich nutzen zu können“, so Dr. Klaus Göbels, Chef des Gesundheitsamtes Düsseldorf. Mithilfe von zur Verfügung stehender Daten und Befragungen kann der Ansteckungsort so viel schneller ausgemacht und die weitere Übertragung des Coronavirus frühzeitig unterbunden werden.

Corona-Ansteckungsrisiken an bestimmten Orten ermitteln

Im Fall von Heinsberg stellte sich heraus, dass der große Coronavirus-Ausbruch einzig auf die Karnevalsfeier zurückzuführen war. In der Großstadt Düsseldorf zeigte sich das Infektionsgeschehen dagegen viel diverser. Dennoch konnten die Forschenden mindestens fünf zusammenhängende Cluster finden.

Dabei zeigte sich, dass die Erkenntnisse der Pilotstudie noch einen weiteren Vorteil haben: Ihr Nutzen „liegt aber auch darin, Ansteckungsrisiken an unterschiedlichen Orten – Arbeit, Schule, Friseur, Fitness-Studio oder in Geschäften – auf der Grundlage erhobener Daten klassifizieren zu können“, erklärt Prof. Dr. Jörg Timm, Leiter des Instituts für Virologie am UKD.

So konnten durch die frühe Verfolgung der Ansteckungswege bereits Corona-Infektionsherde in einem Supermarkt und einem Pflegeheim zeitnah ermittelt und entsprechende Schutzmaßnahmen eingeleitet werden.