Kritik an Corona-Selbsttest von Aldi: Zertifikat auch ohne Test möglich?

Mona Eichler Health-Redakteurin

Kaum sind die Corona-Selbsttesta von Aldi im Handel, kommen viele Fragen auf. Eine der drängendsten: Wie aussagekräftig ist der zuhause gemachte Schnelltest überhaupt?

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Seit dem Wochenende verkauft der Discounter Aldi Corona-Selbsttests des rheinland-pfälzischen Biotechnologieunternehmens Aesku Diagnostics. Doch die grundsätzliche Kritik rund um die Tests für zuhause reißt nicht ab. Seit Wochen wird darüber diskutiert, wie sicher ein von Laien durchgeführter Schnelltest überhaupt sein kann. Immerhin sind Privatpersonen, die Selbsttests beim Discounter oder in der Apotheke kaufen und daheim durchführen, nicht geschult.

Fehler – und damit falsche Ergebnisse – sind zu befürchten. Im Falle der Aldi-Selbsttests wird nun ein ganz anderer Schwachpunkt diskutiert. 

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Corona-Selbsttest: QR-Code scannen – ohne Test

Wie unter anderem die „Deutsche Apotheken Zeitung“ berichtet, ist es möglich, über den QR-Code auf der Verpackung des Aldi Selbsttests an ein negatives Zertifikat zu kommen. Der Code ist gut lesbar auf der Außenseite der Verpackung mit dem Hinweis „Bitte scanne mich“ aufgedruckt. Wer ihn scannt, wird zu einer Unterseite von „ichtestemichselbst.de“ geleitet. Dort muss man zwei Fragen beantworten:

  • „War der Test positiv?“ 
  • „Haben Sie den Test eigenständig durchgeführt?“

Wer „Nein“ und „Ja“ anklickt, kann sich im Anschluss sein (negatives) Testzertifikat herunterladen. Den eigentlichen Test muss man so nie gemacht haben. 

Will man eine Legitimierung, beispielsweise zur Vorlage in Geschäften, kann man seine Führerschein- oder Personalausweisnummer eingeben. Diese wird jedoch nicht geprüft. Eine Fantasienummer führt ebenfalls zum gewünschten Ergebnis. 

Jeder QR-Code ist allerdings nicht beliebig wiederverwendbar. Wird ein Code zu oft gescannt, erscheint ein Warnhinweis auf „ichtestemichselbst.de“ und nichts weiter passiert.  

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Negativer Selbsttest: Kein Ticket für körpernahe Dienstleistungen

Die meisten hatten gehofft, dass beim Discounter oder in Apotheken gekaufte Selbsttests den Besuch im Kosmetikstudio oder beim Tätowierer ermöglichen. Hier ist allerdings Vorsicht geboten: Vor allem bei körpernahen Dienstleistungen, die weder das durchgängige Masketragen noch genügend Abstand zulassen (zum Beispiel bei Gesichtsbehandlungen), reichen private Selbsttests als negativer Corona-Nachweis nicht aus

In Nordrhein-Westfalen beispielsweise muss ein Schnelltest von geschultem Personal durchgeführt worden sein, um gültig zu sein. In der Corona-Landesverordnung Baden-Württemberg steht zum Thema Schnelltest vs. Selbsttest bei körpernahen Dienstleistungen: 
 

„Wenn bei einer Behandlung oder aus anderen Gründen keine Maske getragen werden kann, müssen die Kund*innen einen tagesaktuellen negativen Schnelltest haben. […] Der Schnelltest muss in einem Testzentrum oder in einer Teststelle durchgeführt werden. Hier wird auch die Testzeit und das Ergebnis dokumentiert. Private Selbsttests sind nicht zulässig, da hier nicht geprüft werden kann, wann und an wem der Test durchgeführt wurde.“

Überflüssig sind private Schnelltests wie die von Aldi dennoch nicht. Wer sie mit Sorgfalt ausführt, kann sie zum Beispiel für Treffen mit Freunden oder der Familie verwenden. 

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Quellen:
Selbsttest bei Aldi: Zertifikat selbst ohne Test?, in: deutsche-apotheker-zeitung.de
Fragen und Antworten zur Corona-Verordnung: Was gilt für (korpernahe) Dienstleistungen?, in: baden-wuerttemberg.de
Corona-Selbsttests im Handel - was zu beachten ist, in: wdr.de

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