Corona: Remdesivir in Europa zugelassen

Daphne Sekertzi

Der Wirkstoff Remdesivir im Kampf gegen das Corona-Virus wird nun auch in Europa zugelassen. Die Zulassung wurde von der EU-Kommission erteilt.

Inhalt
  1. Remdesivir im Kampf gegen Corona in Europa zugelassen
  2. US-amerikanische Studie: Remdesivir zeigt Wirkung bei COVID-19-Patienten
  3. Sterblichkeit bei Remdesivir-Behandlung nicht eindeutig geklärt
  4. Was ist Remdesivir?
  5. Gefährliche Nebenwirkungen von Remdesivir bekannt

In einer klinischen Studie hat Remdesivir Berichten zufolge bei der Behandlung von Corona-Patienten Erfolge gezeigt. Der Präsident des US-amerikanischen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID), Anthony Fauci, sah in den Ergebnissen einen „klaren, signifikanten, positiven Effekt“.

Nicht nur das: Der Wirkstoff habe zudem das Potential, das Coronavirus „aufzuhalten“. Nun wurde das Medikament in Europa zugelassen.

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Remdesivir im Kampf gegen Corona in Europa zugelassen

Wie die EU-Kommission bekannt gab, wird der Wirkstoff Remdesivir jetzt in Europa unter Auflagen zur Behandlung schwerer Fälle von Covid-19 zugelassen. Zuvor gab es bereits eine entsprechende Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA. Die Europäische Union pocht nun auf Belieferung der bestellten Mengen, nachdem die USA nahezu die gesamte Produktionsmenge aufgekauft hat.

 

US-amerikanische Studie: Remdesivir zeigt Wirkung bei COVID-19-Patienten

Die Ergebnisse der klinischen Studie, an der insgesamt 1063 COVID-19-Patienten in den USA, Europa und Asien teilnahmen, klingen tatsächlich vielversprechend: Bei den mit Remdesivir behandelten Patienten verkürzte sich die Erholungsdauer um rund 30 Prozent.

Der Zustand derer, die den Wirkstoff injiziert bekamen, besserte sich im Durchschnitt nach elf Tagen so, dass sie zumindest keine weitere medikamentöse Behandlung benötigten oder das Krankenhaus verlassen konnten. Patienten aus der Kontrollgruppe, die ein Placebo erhielten, brauchten hingegen 15 Tage, bis sich eine Besserung einstellte.

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Sterblichkeit bei Remdesivir-Behandlung nicht eindeutig geklärt

Was die Sterblichkeitsrate angeht, fällt das Ergebnis der US-amerikanischen Studie weniger eindeutig aus: Während rund acht Prozent der mit Remdesivir behandelten Patienten an ihrer COVID-19-Erkrankung starben, waren es in der Kontrollgruppe 11,6 Prozent.

Die kürzlich von der WHO veröffentlichten Ergebnisse einer klinischen Studie aus China zeichnete noch ein anderes Bild. Denn von den 158 COVID-19-Erkrankten, die an der Studie teilnahmen und Remdesivir erhielten, verstarben ein Prozent mehr als in der Kontrollgruppe, die ein Placebo einnahm.

Der Remdesivir-Entwickler, Gilead Sciences, wies die veröffentlichte Zusammenfassung des klinischen Tests auf der Webseite der WHO als unangemessen zurück. Das Unternehmen erklärt, dass die Studie vorzeitig abgebrochen worden sei. Daher fehle den Ergebnissen die Aussagekraft.

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Was ist Remdesivir?

Remdesivir ist ein antiviraler Wirkstoff, der erstmals im Kampf gegen das Ebola-Virus von einem US-amerikanischen Pharmakonzern entwickelt wurde. In wissenschaftlichen Studien zeigte sich, dass Remdesivir auch gegen Coronaviren, wie MERS und SARS-CoV-2, aktiv ist. Zwar verhindert der Wirkstoff nicht, dass das Virus in die Zellen gelangt. Doch wurde in früheren Tests beobachtet, dass er die Vermehrung vom Krankheitserregern im Blut stoppen kann.

Man hofft, dass dadurch schwere Lungenentzündungen schneller abklingen und tödlich verlaufende Komplikationen abgewendet werden können.

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Gefährliche Nebenwirkungen von Remdesivir bekannt

Klinische Studien weisen darauf hin, dass Remdesivir die Leber- und Nierenfunktion beeinträchtigen kann. Daher rät die EMA davon ab, Corona-Patienten mit entsprechenden Vorerkrankungen mit dem neuen Wirkstoff zu behandeln. Da wegen fehlender Tests Bedenken hinsichtlich der Nebenwirkungen von Remdesivir bestehen, empfiehlt die EMA, es nur den Patienten zu verabreichen, die künstlich beatmet werden müssen. In diesem Fall sind die Sicherheitsbedenken zweitrangig – die Überlebenschance bei einer künstlichen Beatmung liegen nämlich bei nur 50 Prozent.

Dass Remdesivir seine Wirkung unter Beweis gesetzt hat, ist auch der grund, warum das Medikament nun auch in Europa zugelassen wird.

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Quellen

Therapieoptionen und klinische Studien zu neuartigem Coronavirus 2019-nCoV, in: Science Media Center Germany

EMA provides recommendations on compassionate use of remdesivir for COVID-19, in: European Medicines Agency

Remdesivir Shows Modest Benefits in Coronavirus Trial, in: The New York Times

Data on Gilead Drug Raises Hopes in Pandemic Fight, Fauci Calls it ‘Highly Significant’, in: The New York Times

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