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Corona-positiv und nicht ansteckend: Das ist der Grund!

Mona Eichler Health-Redakteurin

Corona-positiv, aber nicht ansteckend? Das kommt vor. Aussagen darüber kann der so genannte Ct-Wert liefern: Je höher er liegt, desto weniger Ansteckungsgefahr geht von einem Menschen aus. In der Regel zumindest… 

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Inhalt
  1. Corona-positiv, aber nicht ansteckend
  2. PCR-Tests: In manchen Fällen zu sensibel
  3. Ct-Wert kann Aufschluss geben
  4. Hoher Ct-Wert, kürzere Quarantäne? 
  5. Kritik am Ct-Wert

Nicht jeder Mensch, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde, ist ansteckend. Entscheidend für die Ansteckungsgefahr, die von einer Person ausgeht, ist, wie viel Virusmaterial sich in deren Körper befindet. Der sogenannte Ct-Wert kann einen Hinweis darauf geben. Trotzdem wird er von den meisten Gesundheitsämtern nicht ausgewertet. 

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Corona-positiv, aber nicht ansteckend

Es klingt zunächst paradox: Manche Menschen werden positiv auf das Coronavirus getestet und sind trotzdem nicht ansteckend. Das liegt daran, dass sie zu wenig Virusmaterial in sich haben, um es auf andere übertragen zu können. Immer wieder gibt es Berichte von Menschen, die sich zu Beginn der Corona-Pandemie mit COVID-19 infiziert haben, und noch Monate, nachdem sie die Krankheit durchgestanden hatten, positiv auf SARS-CoV-19 getestet wurden. Grund dafür sind die aktuell angewandten Corona-Tests: Dabei handelt es sich um sogenannte PCR-Tests, die hypersensibel auch auf Virusreste reagieren. 

 

PCR-Tests: In manchen Fällen zu sensibel

PCR ist die Abkürzung für Polymerase Chain Reaction, auf Deutsch Polymerase-Kettenreaktion. Diese Tests werden unter anderem zum Nachweis von Viruserkrankungen genutzt. Dabei wird mithilfe des Enzyms DNA-Polymerase Erbsubstanz vervielfältigt, sodass bei PCR-Testungen auch kleinste Virusreste aus dem menschlichen Erbgut herausgefiltert werden können. Das Problem: Selbst, wenn eine Corona-Infektion schon Wochen zurückliegt, findet sich noch Virusmaterial im Körper. Die Krankheit an sich ist überstanden, die Reste der Infektion durch PCR aber noch zu erkennen. In der Folge gelten manche Menschen als Corona-positiv, obwohl sie nicht mehr ansteckend sind. 

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Ct-Wert kann Aufschluss geben

Ob eine Person, die Corona-positiv getestet wurde, noch ansteckend ist, kann geklärt werden, indem man sich den Ct-Wert genauer anschaut. Dieser Wert beschreibt, wie viele Zyklen ein PCR-Test durchlaufen hat, bis er Virusmaterial im Erbgut der Testperson finden konnte. Bei Menschen mit viel Virusmaterial durchläuft der PCR-Test durchschnittlich 15 Zyklen. Je niedriger das Virenlevel eines Menschen, desto höher steigt der Ct-Wert. Ab einem Zykluswert von 30 gilt ein Mensch in der Regel als nicht mehr ansteckend – obwohl er laut PCR-Test positiv auf das Coronavirus getestet würde. 

 

Hoher Ct-Wert, kürzere Quarantäne? 

Laut RKI ist der Ct-Wert ein mögliches Kriterium bei der Entscheidung, wie lange ein Corona-positiv getesteter Mensch in Quarantäne muss. Denn: Ist der Ct-Wert extrem hoch, besteht keine Ansteckungsgefahr und eine pauschale Quarantäne von 14 Tagen wäre nicht notwendig. 

Das Interessante: Laut Recherchen von NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung wird der Ct-Wert den meisten Gesundheitsämtern gar nicht mitgeteilt, ob er bei den Corona-Tests erfasst wird. Am Uniklinikum Essen, wo die Corona-Tests der Stadt ausgewertet werden, findet diesbezüglich gerade ein Umdenken statt: "Mitte September haben wir dieses Thema in der Fachgesellschaft diskutiert und seitdem kommt das ins Rollen", erklärte der Leiter des Instituts für Virologie, Ulf Dittmer, der "Süddeutschen Zeitung". 

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Kritik am Ct-Wert

Die Experten in Deutschland streiten aktuell darüber, wie aussagekräftig der Ct-Wert ist. Das Robert Koch-Institut erkennt zwar an, dass Menschen mit einem CT-Wert von 40 "in der Regel" nicht mehr ansteckend sind. Online weist die Behörde allerdings auch darauf hin, dass der Ct-Wert allein nicht als feste Referenz gelten kann:
"Der aus der real-time PCR bekannte Ct-Wert stellt nur einen semi-quantitativen und von Labor zu Labor nicht unmittelbar vergleichbaren Messwert dar, solange es keinen Bezug auf eine Referenz gibt."

Mit Referenz kann unter anderem die Information darüber, wie lange der/die Getestete schon Corona-positiv ist, gemeint sein. Denn: Ganz am Anfang einer COVID-19-Infektion ist wie nach einer überstandenen Infektion nur wenig Virusmaterial nachweisbar, die Betroffenen sind jedoch hoch ansteckend. Außerdem kann der Ct-Wert verfälscht werden, wenn ein Arzt/eine Ärztin beim Corona-Test aus Versehen nur wenig Virusmaterial gesammelt hat oder Tests von Hersteller zu Hersteller leichte Unterschiede aufweisen. Im Zweifel müssten Folgetests durchgeführt werden, um den Wert zweifelsfreier zu bestimmen.

Wie schon die vom RKI geschätzte Reproduktionszahl und die 7-Tage-Inzidenz ist der Ct-Wert ein interessanter Teilwert – kann er doch dabei helfen, abzuschätzen, ob jemand Corona-positiv und nicht ansteckend ist; als alleinige Referenz jedoch sollte er nicht genommen werden. 

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Quellen:
Hinweise zur Testung von Patienten auf Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2, in: rki.de
Coronavirus: Positiv getestet, aber nicht ansteckend, in: sueddeutsche.de
Corona: Infiziert ist nicht immer infektiös, in: mdr.de

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