Corona-Pandemie: Warum Schwangere die Ausgegrenzten sind

Miriam Mueller-Stahl stellvertretende Managing Editor

Schwanger während der Corona-Pandemie zu sein, stellt betroffene Frauen nicht nur grundsätzlich vor immense Herausforderungen. Während alles gelockert wird, sind sie es auch, die mehr und mehr vom öffentlichen Leben ausgegrenzt werden.

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Inhalt
  1. Schwanger in Corona-Zeiten
  2. Corona-Impfung in Deutschland für Schwangere bleibt die Ausnahme
  3. Unterschiedliche Empfehlungen der Expert:innen sorgen für Verunsicherungen
  4. Corona-Lockerungen für alle – nur nicht für Schwangere
  5. Psychische Erkrankungen von Schwangeren könnten zunehmen
 

Schwanger in Corona-Zeiten

Sich inmitten einer weltweiten Pandemie dafür zu entscheiden, ein Kind in die Welt zu setzen, erscheint als Wahnsinn – und das ist es irgendwo auch. Jede Frau, die sich während der letzten 1,5 Jahre entschieden hat, ein Kind in diese unsichere Welt zu setzen, wird vermutlich irgendwann gedacht haben, dass dies keine gute Idee war – selbst, wenn die Freude auf den baldigen Nachwuchs noch so groß ist.

Zu den Sorgen, die sich werdende Mütter ohnehin machen, kommt seit Beginn der Pandemie noch die Angst vor Corona hinzu, denn Schwangere gelten als Risikogruppe für schwere COVID-19-Verläufe und das Frühgeburtsrisiko soll sich durch eine Infektion extrem steigern – und zwar um bis zu 80 Prozent.

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Corona-Impfung in Deutschland für Schwangere bleibt die Ausnahme

Und obwohl schwangere Frauen zur Corona-Risikogruppe gehören und auch die Kinder einem Risiko durch eine Frühgeburt ausgesetzt sind, wurden die Betroffenen in Deutschland lange von Impfungen gegen COVID-19 ausgeschlossen.

Nach mehreren Monaten hieß es dann immerhin, dass Schwangere, die aufgrund anderer Erkrankungen ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben, sich impfen lassen können. Und nun dürfen laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) auch Schwangere mit „einem erhöhten Expositionsrisiko aufgrund ihrer Lebensumstände“ geimpft werden.

In anderen Ländern wie Israel, Frankreich und jetzt auch Österreich werden Impfungen für Schwangere empfohlen – in Deutschland nach wie vor nicht, auch wenn die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V, dies fordert und auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dies empfiehlt. Die STIKO spricht sich jedoch nicht für eine grundsätzliche Corona-Impfung für werdende Mütter aus – und daran hält sich die Politik.

 

Unterschiedliche Empfehlungen der Expert:innen sorgen für Verunsicherungen

Schwangere werden durch die unterschiedlichen Meinungen über Impfungen von Seiten der Expert:innen extrem verunsichert. Natürlich will sich die STIKO absichern, zu gering sei die Datenlage. Nachvollziehbar, denn es gibt nach wie vor keine ausgewerteten Langzeitstudien, ob Spätfolgen bei Kindern durch eine Impfung der Mutter in der Schwangerschaft ausgeschlossen werden können. Und so halten sich auch Gynäkolog:innen mit einer klaren Empfehlung zurück, raten jedoch meist auch nicht grundsätzlich davon ab.

Schwangere sind also allein mit der Entscheidung. Natürlich schürt es Ängste, dass bisher unbekannte Langzeitfolgen beim Kind entstehen können. Immerhin kann es in der Kürze der Zeit ja auch keine Langzeitstudien geben. Frauen, die ein Kind erwarten, müssen also nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihr Baby im Bauch entscheiden, ob sie es dem Risiko möglicher Langzeitfolgen aussetzen. Sie haben also nachvollziehbare Gründe, einer Impfung kritisch gegenüber zu stehen, da sie auch für ihr Kind diese schwere Entscheidung fällen müssen.

Und selbst wenn Schwangere eine Impfung wollen, müssen sie zuvor beweisen, dass sie aufgrund eines erhöhten Infektionsrisikos durch ihre Lebensumstände oder eine Erkrankung tatsächlich geimpft werden dürfen.

Frauen, die ein Kind erwarten, befinden sich also in einem absoluten Dilemma.

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Corona-Lockerungen für alle – nur nicht für Schwangere

Derzeit wird alles gelockert und Geimpfte bekommen immer mehr Privilegien. Grundsätzlich ist das ja auch nachvollziehbar. Schließlich soll die Impfmotivation der Bevölkerung angekurbelt werden.

Wenn jedoch gefordert wird, dass Ungeimpfte mit Reglementierungen wie Urlaubsreise-Verbot bestraft werden sollen, wie es Peter Heinz, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung in Rheinland Pfalz fordert, wird ein wichtiger Aspekt vergessen: Es gibt nicht nur Impfgegner, die sich nicht impfen lassen wollen, sondern eben auch Menschen, die sich nicht so einfach impfen lassen können. Dazu zählen nicht nur Kinder, die ja häufiger in den Medien erwähnt werden, sondern auch Schwangere, die in der ganzen Diskussion keine Beachtung finden. Warum sollten diese mit einem Urlaubsreise-Verbot bestraft werden, wenn es ihnen gar nicht möglich ist, sich impfen zu lassen oder die Sorge um ihr Kind sie davon abhält?

 

Psychische Erkrankungen von Schwangeren könnten zunehmen

Selbst wenn es bisher noch keine harten Verbote für Ungeimpfte gibt, schreitet die Ausgrenzung von ungeimpften Schwangeren bereits voran. Während der geimpfte Partner oder die geimpfte Partnerin bereits drinnen im Restaurant essen kann, müssen ungeimpfte Schwangere draußen bleiben. Bisher sind es nur diese Kleinigkeiten, die für ein Gefühl des Ausgeschlossenseins sorgen. Doch wird dies in nächster Zeit zunehmen, wenn es weitreichende Verbote für Ungeimpfte geben soll.

Es könnte somit immer mehr eine gesellschaftliche Ausgrenzung einer Risikogruppe stattfinden, die sich in Zeiten der Pandemie ohnehin schon aus Angst um ihre ungeborenen Kinder isoliert. Dadurch können Angststörungen und Panikattacken bei Schwangeren zunehmen. Wer schwangere Frauen in seinem Umfeld hat, sollte diese daher unterstützen so gut es geht und darauf achten, ob Anzeichen einer Depression oder Angststörung vorliegen. Denn während sich in Deutschland durch die Corona-Lockerungen derzeit für fast alle aus der Bevölkerung die Lage zu normalisieren scheint, werden Schwangere immer mehr zur Randgruppe in dieser Gesellschaft.

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Quellen:

Empfehlung der COVID-19-Impfung für schwangere und stillende Frauen, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V,

"Ohne Impfung gibt es keine Freiheiten", in: ZDF

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