Corona-Obduktionen: „Inneres Ersticken“ als Todesursache

Daphne Sekertzi

In schweren Fällen kann Covid-19 ein tödliches Lungenversagen zur Folge haben. Aber was genau passiert in der Lunge, wenn es vom Corona-Virus befallen wird – was führt zum Tod? Pathologen der Uniklinik Augsburg haben nun ihre erschütternden Erkenntnisse geteilt.

Inhalt
  1. Corona-Obduktionen: Veränderungen an Lunge und „inneres Ersticken“
  2. Patienten sterben nicht mit, sondern an COVID-19
  3. Schwere Corona-Verläufe nun auch bei jungen Menschen

SARS-CoV-2 kann verschiedene Organe im Körper befallen: die Nieren, das Herz und sogar das Gehirn. Am stärksten von einer COVID-19-Erkrankung betroffen ist jedoch die Lunge. Sie kann so sehr durch das Virus beschädigt werden, dass es in besonders schweren Fällen zu einem Lungenversagen kommen kann. Welche Prozesse in der Lunge ablaufen und was letztendlich zum Tod führt, haben nun Pathologen der Uniklinik Augsburg anhand von 130 Corona-Obduktionen klären können.

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Corona-Obduktionen: Veränderungen an Lunge und „inneres Ersticken“

Wie Oberärztin Tina Schaller gegenüber dem BR erklärt, sei man bei den Obduktionen auf zuvor unbekannte Veränderungen in den Organen, besonders der Lunge, gestoßen: „Wir kennen solche massiv umgebauten Lungen durch eine infektiöse Erkrankung erst durch Covid.“

Der Direktor der Pathologie an der Uniklinik Augsburg, Bruno Märkl, geht weiter ins Detail: Die Lungenbläschen (Alveolen), die für den Gasaustausch in der Lunge zuständig sind, würden durch das Coronavirus beschädigt. Nach einigen Tagen vernarbe das Gewebe mit der Folge, dass der „Raum in der Lunge, in dem noch Luft ist, immer kleiner“ werde. Irgendwann käme es schließlich zu einem „inneren Ersticken“.

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Patienten sterben nicht mit, sondern an COVID-19

Laut Zahlen des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland bisher 76.543 Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben (Stand: 01.04). Weil viele Corona-Tote an Vorerkrankungen litten, wird bei Angaben zu den Todeszahlen offengelassen, ob die Patienten an oder mit Corona gestorben sind – ob das Virus ursächlich für den Tod war oder die Vorerkrankungen.

Die Untersuchungen der Augsburger Pathologen geben eine klare Antwort darauf: In der zweiten Welle der Pandemie seien die meisten Corona-Patienten an und nicht mit Covid-19 gestorben – das Virus war also definitiv die primäre Todesursache. Märkl betont: „Die meisten könnten noch leben, wenn sie sich nicht mit dem Coronavirus infiziert hätten“.

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Die Erkenntnisse der Augsburger Pathologen decken sich mit den Ergebnissen einer Umfrage des Bundesverbands Deutscher Pathologen, der Deutschen Gesellschaft für Pathologie sowie der Deutschen Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie. Die 69 befragten pathologischen Institute gaben an, dass bei den Corona-Obduktionen überwiegend die Lungenerkrankung als Todesursache festgestellt werden konnte, trotz vorher bestehender Vorerkrankungen.

 

Schwere Corona-Verläufe nun auch bei jungen Menschen

Bislang galten vor allem ältere und vorerkrankte Menschen als gefährdet, einen schweren Verlauf mit Lungenschäden zu entwickeln. Das scheinen auch die Zahlen der Obduktionen der Uniklinik Augsburg zu bestätigen. Die Obduzierten waren nach Angaben der Ärzte im Durchschnitt 74 Jahre alt, rund ein Fünftel war über 80 Jahre.

Die in Deutschland inzwischen weitverbreitete britische Corona-Variante B.1.1.7 schafft nun jedoch neue Verhältnisse. Denn die Mutation löst häufiger als das Ursprungsvirus schwere Verläufe aus – unabhängig vom Alter: „Es werden jetzt vermehrt jüngere Patienten betroffen sein und ich sehe da mit Sorge in die nächste Zukunft“, ist sich Bruno Märkl sicher.

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Quellen:

Augsburger Pathologe: Patienten sterben an und nicht mit Corona, in: br24.de

COVID-19 bei Mehrzahl der Betroffenen auch die Todesursache, in: ärzteblatt.de

COVID-19: Fallzahlen in Deutschland und weltweit, in: rki.de

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