Corona-News: Mundschutzpflicht nach Ostern? Die Vor- und Nachteile

Ines Fedder Medizinredakteurin

Weiterhin wird in Deutschland über eine flächendeckende Mundschutzpflicht diskutiert. Einige Orte verschärfen nach Ostern die Maßnahmen und führen eine Maskenpflicht ein. Was aber spricht dafür und was dagegen? Und kommt sie wirklich, die allgemeine Mundschutzpflicht?

Mundschutzpflicht ja oder nein? Diese Frage wird derzeit von Politikern und Experten heftig diskutiert. Noch zu Beginn der Epidemie hieß es, dass eine normale Mund-Nasen-Schutzmaske, wie sie aktuell von medizinischen Personal getragen wird, nicht dazu beitrage, dass das Coronavirus sich nicht weiter ausbreite. Eine Verpflichtung zum Tragen einer Atemmaske sei daher nicht empfehlenswert. Unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel hält an diesem Rat fest und spricht bisher noch keine bundesweite Maskenpflicht nach Ostern aus. Stattdessen wird bisher auf Social Distancing“ gesetzt.

Allerdings gibt es auch Befürworter: Jena ist bereits die erste Stadt, in der eine Mundschutzpflicht besteht. Das Tragen eines Mund-und-Nasenschutzes in Jenaer Verkaufsstellen, dem öffentlichen Nahverkehr und Gebäuden mit Publikumsverkehr ist verpflichtend. Dadurch sei die Sicherheit von Personal im öffentlichen Leben erhöht.

Und auch der Landkreis Nordhausen zieht in Sachen Mundschutzpflicht nach.

Familienessen an Ostern
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Mundschutzpflicht nach Ostern: Thüringen reagiert

Im Landkreis Nordhausen wird nun ebenfalls eine schrittweise Mundschutzpflicht in Geschäften, Bussen und Taxis angeordnet. Ab kommender Woche empfiehlt der Landkreis Nordhausen, "einfache Mund-Nasen-Masken bzw. Behelfsmasken, auch 'Community-Maske' genannt, beim Einkaufen, im ÖPNV und Taxen zu tragen. Diese neue Regelung wurde im Pandemie-Krisenstab des Landkreises festgelegt, (…)." Das Maskentragen sei zunächst nur eine Empfehlung, werde aber nach Ostern für alle verpflichtend sein.

Warum also nicht eine allgemeine, länderübergreifende Atemschutzmaskenpflicht in Deutschland?

Diese Frage stellen sich aktuell viele Menschen in Deutschland, die verunsichert sind aufgrund der unterschiedlichen Regelungen im Umgang mit der Corona-Krise. Aber was sind die Vorteile und was die Nachteile einer bundesweiten Mundschutzpflicht? 

Eine junge Frau trägt eine Atemschutzmaske auf der Straße.
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Was sind die Vorteile einer Mundschutzpflicht?

  • Eines der Hauptargumente, welches zu Beginn der Corona-Epidemie immer wieder ins Feld geführt wurde, ist, dass eine Schutzmaske wie die Mund-Nasen-Schutz-Maske nicht davor schützt, sich zu infizieren, sondern lediglich davor, das Virus weiterzugeben. Man wäge sich in falscher Sicherheit, dass die Ansteckungsgefahr nicht mehr bestünde. Dem ist nicht so.
  • Ein zweites, sehr gewichtiges Argument ist, dass es derzeit gar nicht ausreichend Schutzmasken gibt, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Selbst für medizinisches Personal sei es derzeit nicht möglich, ausreichend Schutzkleidung, insbesondere Atemschutzmasken, bereit zu stellen. Eine allgemeine Verpflichtung zum Tragen von Atemschutzmasken würde es noch schwerer machen, das Fachpersonal entsprechend zu versorgen. 
    Frau trägt Einweghandschuhe beim Einkaufen.
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Was sind die Nachteile einer Atemschutzmaskenpflicht in Deutschland?

Falsche Sicherheit und Notstand der Schutzmasken schön und gut, dabei gibt es doch ausreichend Argumente, die dennoch für eine Maskenpflicht sprechen, oder etwa nicht?

Doch. Denn selbst führende Virologen wie Christian Drosten raten zum Tragen solcher Masken. Warum?

  • Die weitere Verbreitung des Virus zu verhindern, steht mit an oberster Stelle, um die Corona-Krise zu bewältigen. So kann das Tragen eines Mundschutzes dazu beitragen, dass man andere Personen nicht mit dem Virus ansteckt, auch wenn man selbst vielleicht nur Träger ist und keine Corona-Symptome aufweist. 
  • Obwohl der Bestand von Mund-Nasen-Schutzmasken gering und nur dem Fachpersonal vorbehalten ist, können auch selbstgenähte Masken dazu beitragen, das Virus nicht weiter zu verbreiten. Selbst das Tragen eines Schals oder Tuchs sei sinnvoll. Ein wichtiges Vorbild, welches für die Atemschutzmaskenpflicht spricht, sei Asien. Dort sei die Verwendung eines Mund-Nasen-Schutzes laut Virologen eines der wichtigsten und ersten Maßnahmen gewesen, um die Pandemie einzudämmen.
  • Ebenfalls ein weiteres Argument für die Verwendung von Masken: Man fasst sich nicht mehr so oft ins Gesicht – etwas, was unbedingt vermieden werden sollte.
  • Irgendwann müssen die Maßnahmen der Regierung gelockert werden, um der Corona-Krise Herr zu werden und trotzdem ein geregeltes Leben führen zu können. Die Verwendung von Atemschutzmasken sei laut Experten neben einer strikten und regelmäßigen Durchführung von Corona-Tests ein gutes Mittel, damit die Infektionsrate nicht sprungartig wieder ansteigt, wenn die bestehenden Verbote gelockert werden. Virologe Alexander Kekulé erklärte in der Talkshow "Anne Will", das Tragen von Atemschutzmasken als einen der wichtigsten Bestandteile des sogenannten „Smart Distancing“ als erste sinnvolle Maßnahme nach dem Lockdown.
    Menschen mit Atemmaske gehen durch die Einkaufsstraße
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Eine Mundschutzpflicht in Deutschland nach Ostern ist sicherlich nicht undenkbar – und wird zum Beispiel im Landkreis Nordhausen nach Ostern definitiv auch durchgeführt. Ob verpflichtend oder nicht steht jedoch fest: Das Tragen eines Mundschutzes verhindert in jedem Fall die potentielle Gefahr einer Tröpfcheninfektion. Nichtsdestotrotz sollte wirklich immer darauf geachtet werden, einen ausreichenden Mindestabstand zum Gegenüber einzuhalten.

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