Corona-Mythen: Jetzt kontert Virologe Hendrik Streeck

Gaby Scheib

Auf Demos, aber auch im privaten Umfeld werden immer öfter Corona-Mythen verbreitet: Die einen behaupten, das Virus sei nicht gefährlicher als eine Grippe. Andere meinen, Corona-Impfungen kämen nur der Pharmaindustrie zugute. Virologe Hendrik Streeck hat sich nun die populärsten Thesen vorgenommen.

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In einem Interview mit der Deutschen Welle (DW) hat der Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn erklärt, warum die Corona-Mythen nicht richtig sind – nur in einem Fall gibt er den Skeptikern zum Teil recht.

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1. Mythos: Das Coronavirus ist gar nicht so gefährlich

Stimmt nicht! Alle Studien ergaben bisher eindeutig, dass die Sterblichkeit bei Corona höher liegt als bei einer saisonalen Grippe. Das belegten sowohl US-Studien, die von einer geringeren Sterblichkeit ausgingen, als auch andere Studien, die eine hohe Sterblichkeit annähmen. Streeck und seine Kollegen haben im Kreis Heinsberg sogar festgestellt, dass das Virus „viermal gefährlicher ist als eine saisonale Grippe“. Das Virus müsse also ernst genommen, aber auch nicht überdramatisiert werden.

 

2. Mythos: Viele Tote in den USA oder Italien, bei uns aber nicht – da stimmt was nicht

Streeck erklärt dazu, dass auch bei uns Menschen an COVID-19 gestorben seien. In den USA und Italien hätte sich die breite Masse aber schneller infiziert, was zur Überlastung der Kliniken führte. Das Virus sei so in Bereiche mit Risikopatienten vorgedrungen. „In Deutschland haben wir es geschafft, diese Bereiche freizuhalten“, so Streeck.

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3. Mythos: Nach Großdemonstrationen gegen Corona-Maßnahmen gab es keine Ausbrüche

Laut Streeck liegt dies zum einen daran, dass die Demos draußen stattgefunden haben, hier ist die Übertragungswahrscheinlichkeit geringer. Außerdem seine die Teilnehmer aus verschiedenen Städten angereist, z. B. nach Berlin – da sei es „sehr schwer nachzuvollziehen“, ob es dann in den Städten einen Ausbruch gegeben hat.

 

4. Mythos: Impfungen sind gefährlich, greifen unsere DNA an – und die Pharmaindustrie will dran verdienen

Beides weist Streeck als „eindeutig falsch“ zurück: Eine Impfung greife nicht in die DNA, das humane Genom, ein. Genauso wenig könnten dies RNA-Impfstoffe, die als Antigen wirken – dazu fehle das Enzym im menschlichen Körper.

Zur zweiten These sagte Streeck, dass das Budget für Impfstoffe mit nur 0,3 Prozent im Vergleich zu Medikamenten „sehr gering“ sei. Andererseits müssen Pharmaunternehmen natürlich auch daran verdienen, weil sie sonst keine Impfstoffe entwickeln könnten.

Alle wichtigen Fragen zur Impfstoffentwicklung beantwortet  Virologe Prof. Ulf Dittmer im Interview mit dem Liebenswert-Magazin.

 

5. Mythos: Die Maßnahmen sind völlig übertrieben

Auch dies weist Streeck zurück: Die AHA-Regeln – Abstand halten, Hygienemaßnahmen beachten und Alltagsmaske tragen – zeigten Wirkung und verhinderten Infektionen. Außerdem infiziere man sich wahrscheinlich mit weniger Viren, was zu einer Infektion mit sehr wenigen Symptomen führe. „Die Dosis macht das Gift.“ Mit den AHA-Regeln würden wir die Dosis verringern und deswegen wohl sehr viel mildere Verläufe sehen.

 

6. Mythos: COVID-19 stammt aus einem Labor in China oder wurde aus Versehen frei gesetzt

Das sei sehr unwahrscheinlich – solche Viren im Labor zu generieren sei viel zu gefährlich, weshalb solche Forschungsstränge nach Streecks Wissen gar nicht verfolgt würden. Woher ein Virus komme, könne man außerdem nicht feststellen. Eine versehentliche Freisetzung sei auch „extrem unwahrscheinlich“, denn solche Labore wie das in China hätten Hochsicherheitsschleusen, so dass Viren und Bakterien sind nicht in den Räumen verteilen könnten. Allerdings können man weder das eine noch das andere beweisen.

 

7. Mythos: Als junger, fitter Mensch sind die Corona-Symptome mild, wenn überhaupt welche auftreten

Hier räumt Streeck zumindest teilweise ein, dass das stimmt: „Es ist nach der Statistik richtig, dass junge und fitte Menschen keine oder nur milde Symptome haben.“ Demnach hätte man zwar Recht. Aber es gebe eben auch Betroffene, die sehr schwere Symptome hätten oder sogar an Corona sterben würden.

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So hartnäckig sie sich auch halten: Mit diesen Antworten räumt der anerkannte Experte Streeck mit den Corona-Mythen auf, die Querdenker, Impfgegner und Skeptiker immer wieder verbreiten.

Quelle:

Virologe Streeck entkräftet Verschwörungstheorien in: dw.com

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