Corona-Mutation aus Kalifornien: Forscher sind höchst besorgt

Gaby Scheib

In den USA wurde eine neue Variante von SARS-CoV-2 entdeckt. Die neue Corona-Mutation aus Kalifornien bereitet Wissenschaftlern große Sorge. Die Hintergründe.

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Inhalt
  1. Neue Corona-Mutation aus Kalifornien bei 50 Prozent der Proben gefunden 
  2. Wie gefährlich ist die neue Corona-Mutation aus Kalifornien?
  3. Wirken die Impfstoffe bei der Kalifornien-Mutation noch?
  4. So unterscheidet sich die kalifornische Mutation von den anderen

Das Coronavirus gibt keine Ruhe: Zu den schon bekannten Varianten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien gesellt sich jetzt eine neue Corona-Mutation aus Kalifornien hinzu. In einer Studie stellten Wissenschaftler der University of Californa in San Francisco (UCSF) fest, dass die als B.1.427/B.1.429 bezeichnete Variante wahrscheinlich deutlich aggressiver und ansteckender ist als das Ursprungsvirus.

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Neue Corona-Mutation aus Kalifornien bei 50 Prozent der Proben gefunden 

Wie das US-Magazin Science berichtet, haben die Forscher für die Studie 2.000 Proben aus 44 Bezirken in Kalifornien ausgewertet, die zwischen September 2020 und Januar 2021 entnommen wurden. Das Ergebnis: Während es im September noch keine Hinweise auf B.1.427/B.1.429 gab, lag der Anteil der Virusmutante Ende Januar schon bei rund 50 Prozent. Insgesamt stellten die Wissenschaftler im Testzeitraum bei 21,3 Prozent der Proben die neue Variante fest. Inzwischen wurde sie nicht nur in anderen US-Bundesstaaten nachgewiesen: Auch Länder wie Mexiko, Dänemark und Australien melden die ersten Fälle.

 

Wie gefährlich ist die neue Corona-Mutation aus Kalifornien?

Die Untersuchungen zeigten außerdem, dass die neue Mutante offenbar ansteckender ist das Ursprungsvirus. Darauf weisen Proben aus der Nase der Patienten hin: Die Forscher entdeckten hier eine doppelt so hohe Viruslast wie bisher bei Infizierten bekannt. Zudem haben Tests im Labor ergeben, dass B.1.427/B.1.429 menschliche Zellen aggressiver angreift. 
Was den Experten zusätzlich besorgt: Die kalifornische Mutation könnte zu schwereren Krankheitsverläufen und einer höheren Todesrate führen. Bei der Auswertung der Daten von 324 an dem mutierten Virus Erkrankten stellten sie fest, dass diese fast fünfmal öfter auf der Intensivstation behandelt werden mussten – und sie mit einer elfmal höheren Wahrscheinlichkeit daran sterben würden.

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Wirken die Impfstoffe bei der Kalifornien-Mutation noch?

Wie die Studie ebenfalls ergab, zeigt sich B.1.427/B.1.429 unempfindlicher gegen die Antikörper gegen SARS-CoV-2 zeigt. Das haben Labortests mit der neuen Variante und Antikörpern von Genesenen ergeben. Das Immunsystem reagiert also schlechter, was die Wirksamkeit der Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna oder AstraZeneca beeinträchtigen könnte – eine erneute Infektion droht. Ob das so ist und wie stark sich eine solche Beeinträchtigung auswirken könnte, ist aber überhaupt noch nicht klar.

 

So unterscheidet sich die kalifornische Mutation von den anderen

Anders als die drei schon besser bekannten Mutanten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien zeigt B.1.427/B.1.429 bestimmte Veränderungen, die das Spike-Protein betreffen – die Analysen deuten darauf hin, dass Virusrezeptor und Spike-Protein besser miteinander interagieren können.

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Andere Wissenschaftler stehen den Erkenntnissen der Studie allerdings kritisch gegenüber. Da nur eine relativ kleine Zahl von Daten ausgewertet wurde, sei sie noch nicht aussagekräftig genug. Außerdem ist die Studie noch unveröffentlicht, da sie noch nicht wie üblich unabhängig geprüft wurde. Die neue Variante muss also weiter beobachtet und genauer untersucht werden. Trotzdem geben die ersten Erkenntnisse zur Corona-Mutation aus Kalifornien nicht nur Forschern durchaus Anlass zur Sorge. 

Quellen: ​
Emergence of a novel SARS-CoV-2 strain in Southern California, USA in: medrxiv.org
California coronavirus strain may be more infectious—and lethal in: sciencemag.org
Neue Mutante breitet sich in Kalifornien aus in: tagesschau.de
Neue Mutation in Kalifornien beunruhigt Forscher in: spiegel.de

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