Nationale Notlage! „Deutschland ein einziger Ausbruch“

Bei einer Pressekonferenz äußern sich Gesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler äußerst alarmiert zur aktuellen Corona-Lage: Deutschland sei ein einziger Ausbruch. Ein erneuter Lockdown ist für Jens Spahn ausdrücklich nicht mehr ausgeschlossen.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar H. Wieler, haben sich einen Tag nach dem Bund-Länder-Gipfel in einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage geäußert. Die Prognosen der Experten sind äußerst düster. 

Jens Spahn zu Corona-Maßnahmen: Impfen alleine reicht nicht

Es sind viele Fragen, die nach dem gestrigen Corona-Gipfel seitens der Presse offen im Raum stehen. Sind die neuen Maßnahmen zu lasch? Steht ein neuer bundesweiter Lockdown bevor? Wie kann man die vierte Welle brechen? Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht Deutschland aktuell in einer „nationalen Notlage“ – bei der jeder mit helfen müsse. 

„Die Lage ist weiterhin ernst. Die Dynamik ist ungebrochen. Und die Inzidenz hat sich in den letzten Wochen verfünffacht“, prescht der Gesundheitsminister Jens Spahn zu Beginn der Bundespressekonferenz vor. Es sei zehn nach zwölf, so Spahn. Man befände sich derzeit in einer nationalen Notlage, die so einfach nicht beendet werden könne. „Alleine mit Impfen und Boostern werden wir das Brechen der Welle nicht erreichen“, sagt Spahn.

Es brauche Maßnahmen, Kontaktbeschränkungen, notfalls einen Lockdown für Ungeimpfte – und natürlich die Hilfe von allen. Entschlossenes staatliches Handeln und das Handeln jedes Einzelnen im Alltag müsse nun zusammenkommen“, mahnt der Minister.

Bedeutet im Klartext: Kontakte beschränken, AHA- und Hygiene-Regeln beachten, Großveranstaltungen meiden und selbst auf sich Acht geben. „Wir alle haben auf einen anderen Winter gehofft. Nun müssen wir aber zugeben, dass wir in der schwersten Lage sind in dieser Pandemie.“

Aber reichen diese Maßnahmen aus? Nach Ansicht des RKI-Chefs keinesfalls.

RKI-Chef: „Ganz Deutschland ist ein einziger Ausbruch!“

„Ganz Deutschland ist ein einziger Ausbruch!“, erklärt Lothar Wieler nach seiner Brandrede vor einigen Tagen und bekräftigt in der Pressekonferenz erneut, von welcher Tragweite die derzeitige „nationale Notlage“ ist. „In vielen Regionen sei die Kapazität in Krankenhäusern auf den Intensiv-Stationen am Anschlag. "Die medizinische Versorgung ist nicht mehr gewährleistet“, erklärt Wieler und erläutert zugleich, dass sich dies auch so schnell nicht ändern werde.
 

„Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir Krankheit und Leid gar nicht mehr verhindern können.“

Nicht mehr verhindern, aber zumindest reduzieren: „Wir schaffen es nur gemeinsam, das Virus auszubremsen“, so die Hoffnung Wielers – und auch die von Jens Spahn.

Jens Spahn: Lockdown nicht ausgeschlossen

Es bleibt die Befürchtung, dass die gestern beschlossenen Maßnahmen nicht ausreichen werden. Das wissen auch Spahn und Wieler. Das Verhängen eines Lockdowns für alle, ist für Spahn daher immer noch denkbar, auch wenn der aktuelle Maßnahmen-Katalog diese Möglichkeit nicht umfasst.

Dass Deutschland in eine so schlechte Corona-Lage dieser Tragweite gekommen ist, war offenbar für die Experten bereits abzusehen. „Das Robert Koch-Institut hat jede der vier Wellen rechtzeitig vorausgesagt“, so Wieler. Und weiter: „Ich bin schon lange der Papagei. Wie oft habe ich hier gesessen und habe das immer wieder gesagt?“

Trotz Appelle der Expert:innen hinkt Deutschland in der Pandemie-Bekämpfung nun also gewaltig hinterher. Und die Folgen sind laut RKI-Chef Wieler und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nicht mehr zu verhindern, sondern nur noch abzumildern. Nun kommt es darauf an, dass jeder seinen Teil zur Pandemie-Bekämpfung beiträgt.