Corona-Krise: Jetzt Achtsamkeit statt Selbstoptimierung üben

Miriam Mueller-Stahl Medizinredakteurin

Eine neue Sprache lernen, die Wohnung blitzblank putzen oder am Astralkörper arbeiten – viele raten dazu, sich jetzt während der Corona-Krise selbst zu optimieren. Warum genau dies der falsche Weg ist und wie wir es schaffen, uns stattdessen zu enstpannen und für mehr Achtsamkeit zu sorgen.

Zahlreiche Medien raten dazu, die Corona-Krise für die Selbstoptimierung zu nutzen. Schließlich haben wir ja jetzt ohne Arbeitswege oder Sozialstress mehr Zeit zur Verfügung. Das suggeriert uns, dass wir die zusätzliche Zeit auch sinnvoll nutzen müssen. Jetzt ist doch die Zeit da, um endlich Chinesisch zu lernen oder per Online-Fitnesskurs unseren Körper zu stählen.

Klar, kann es auch Spaß machen, endlich Pläne in die Tat umzusetzen, für die in unserem normalen Alltag kein Raum war. Allerdings müssen wir dabei aufpassen, dass dies nicht in zusätzlichen Stress ausartet. Sich zu zwingen, zwischen dem Hetzen zum Supermarkt, der Bespaßung der Kinder und der Arbeit im Homeoffice auch noch besonders effizient in der Freizeit zu sein, kann viel mehr schaden als nützen. Schließlich sind wir unter permanentem Druck, unseren neuen Alltag zu organisieren. Finanzielle Unsicherheiten und die Sorge, wie sich die Pandemie noch entwickelt, können zusätzlich zu extremer psychischer Belastung führen.

 

Achtsamkeit in Corona-Zeiten

Statt uns in dieser Extremsituation noch zusätzlich mit Selbstoptimierung zu quälen, sollten wir lieber die zusätzliche Zeit nutzen, um mehr Achtsamkeit uns selbst gegenüber zu entwickeln. Diese Tipps können helfen, für Entspannung in dieser schwierigen Zeit zu sorgen.

 

1. Gedanken schweifen lassen statt Selbstoptimierung

Auch wenn es erst einmal schwerfällt: Versuchen Sie einfach nichts zu tun, wenn Sie Zeit für sich haben. Legen Sie sich auf die Couch, lassen Sie Ihre Gedanken schweifen und versuchen Sie, die Langeweile auszuhalten. Vielleicht funktioniert das nicht sofort, aber mit regelmäßiger Übung im Nichtstun, werden Sie merken, dass Sie sich mehr und mehr entspannen können. Und Langeweile fördert die Kreativität! Erst wenn wirklich Raum dafür da ist, merken wir, was wir wirklich wollen und können das dann auch umsetzen.

 

2. Hobbys finden, die uns wirklich Spaß bringen

Wenn wir erst einmal komplett runterfahren, kommen uns auch Ideen, was uns wirklich Freude bereitet. Das kann Malen sein, aber auch einfach puzzlen oder das Schauen unserer Lieblingsserie. Es muss gar nichts Ausgefallenes sein. Legen Sie Ihren Fokus stattdessen auf das, was Ihnen wirklich Spaß bringt.

 

3. Mittagsschlaf machen im Homeoffice

Ein absoluter Vorteil im Homeoffice ist, dass wir uns nun nach dem Mittagessen gemütlich ins Bett legen können. Selbst ein kurzes Power-Nap sorgt anschließend für neue Energie, um die Herausforderungen des Alltags zu meisten.

Frau am schlafen im Bett
Wohlbefinden Power-Nap: Ist das Nickerchen wirklich gesund?

 

4. Mahlzeiten richtig zelebrieren

Im Alltag essen wir oft nur schnell zwischendurch, auf der Arbeit in der Kantine und abends bestellen wir was vom Lieferservice und essen fix vor dem Fernseher. Nun haben wir aber die Möglichkeit, unser Essen richtig zu zelebrieren und nicht nur zwecks Nahrungsaufnahme.

Wir können neue Gerichte ausprobieren, die wir schon lange kochen wollten und sonst keine Zeit dafür hatten. Die zusätzliche Zeit bietet uns nun die Möglichkeit, neue Rezepte nachzukochen oder zu entwickeln. So können wir auch neue Gerichte kreieren, die vielleicht auch nach der Corona-Krise auf unserem Speiseplan stehen.

Foto: iStock
Ernährungsformen Achtsam essen - so klappt's im Alltag

 

5. Umgebung neu entdecken in Zeiten des Social Distancings

Zum Glück herrscht keine Ausgangssperre, denn Bewegung an der frischen Luft ist wichtig und hilft dabei, Depressionen vorzubeugen. Wir müssen aber gar nicht zwingend schnell joggen gehen. Stattdessen können wir auch einen gemütlichen Spaziergang machen und unsere Umgebung bewusst neu entdecken. Gehen Sie doch mal in Gegenden in Ihrer Nachbarschaft spazieren, wo Sie im Normalfall nicht unterwegs sind. Sie werden überrascht sein, was es jenseits der gewohnten Pfade alles zu entdecken gibt.

Noch dazu: Auf unserem YouTube-Kanal "Gefühlssache" gibt es noch mehr Übungen für Achtsamkeit im Alltag.

 

Stress vermeiden hat Priorität in Krisen-Situationen

Das Wichtigste in einer Ausnahmesituation wie dieser ist es, Stress zu vermeiden. Sorgen Sie daher gut für sich und nutzen Sie Ihre neu gewonnene Zeit, wie Sie selbst wollen und nicht, was Sie denken, tun zu müssen. Das ist die Basis für mehr Achtsamkeit und einer gesunden Psychohygiene in Krisen-Zeiten.

Eine Frau sitzt am Schreibtisch und streckt sich
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