Corona-Infektion trotz Impfung: Darum sind vor allem Ältere betroffen

Ines Fedder Medizinredakteurin

Wie kann es sein, dass sich vor allem ältere Menschen in Seniorenheimen trotz bestehenden Impfschutzes mit dem Coronavirus infizieren und es immer noch zu neuen Ausbrüchen kommt? Forscher liefern nun eine Erklärung.

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Trotz Impfung haben sich in Deutschland insgesamt 13.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert (Stand Mai). Bei circa acht Millionen Zweitimpfungen in Deutschland entspricht dies etwa 0,16 Prozent der Bevölkerung. Ein relativ geringer Anteil, von dem ein Großteil wohl die ältere Bevölkerung ausmacht. Denn besonders in Senioren- und Pflegeheimen kommt es immer wieder zu Corona-Ausbrüchen – und zwar nachdem die Bewohner:innen bereits geimpft sind.

Eine aktuelle Studie der Berliner Charité liefert nun eine Erklärung. Darum sind vor allem Ältere von einer Corona-Infektion trotz Impfung betroffen. 

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Studie der Berliner Charité: Ältere reagieren weniger auf Corona-Impfungen

Experten der Berliner Charité haben sich für eine neue Studie unter anderem mit der Aufarbeitung eines Ausbruchs in einer Berliner Pflegeeinrichtung vom Februar beschäftigt. Dabei hatten sich rund 20 Bewohner trotz Impfung mit SARS-CoV-2 infiziert. Bis auf vier Bewohner:innen waren allesamt mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer geimpft. Ein Drittel der Geimpften litt unter Husten und Atemnot, zwei der Bewohner:innen starben.

Victor Corman, Stellvertretender Leiter des Konsiliarlabors für Coronaviren am Institut für Virologie, erklärte gegenüber der Presse: „Auf der einen Seite sehen wir an diesem Ausbruch, dass die Impfung die Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegeheims insgesamt geschützt hat, denn ihre Krankheitsverläufe waren deutlich milder. Gleichzeitig wird durch die Häufung der Infektionen klar, dass die hohe Wirksamkeit der Impfung bei alten Menschen manchmal nicht voll zum Tragen kommt." 

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Erste Impfung bei Älteren deutlich schwächer

In einer weiteren Untersuchung arbeitete das Forschungsteam daran, Vergleiche aufzustellen. Sie untersuchten dafür die Immunreaktion bei über 70-jährigen Patient:innen einer Hausarztpraxis mit der von Beschäftigten der Charité, die ein Durchschnittsalter von 34 Jahren aufwiesen. Das Ergebnis der Blutanalysen: Drei Wochen nach der ersten Impf-Dosis hatten etwa 87 Prozent der Jüngeren Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet. Bei den Älteren waren es nur 31 Prozent.

Die Ergebnisse nach der zweiten Impf-Dosis zeigten, dass bei den jüngeren Geimpften durchschnittlich 99 Prozent Antikörper im Blut aufwiesen. Bei den älteren Probanden:innen waren es rund 91 Prozent. Zudem konnten die Forscher:innen feststellen, dass die Antikörper bei den Älteren langsamer reiften und das Virus schlechter binden konnten. Auch die T-Zellen-Antwort fiel schwächer aus

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Verzögerte Immunantwort nach Corona-Impfung

Leif Erik Sander, Impfstoffforscher mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie, wertet das Ergebnis so aus: „Unsere Studie zeigt also, dass bei älteren Menschen die Immunantwort nach der Impfung deutlich verzögert ist und nicht das Niveau von jungen Impflingen erreicht".

Die Studie der Charité zeigt, dass eine Impfung bei Älteren nicht weniger wichtig ist. Dennoch bietet sie einen geringeren Schutz als bei jüngeren Patient:innen. Denn eine Corona-Infektion ist vor allem bei Älteren trotz Impfung zwar deutlich seltener, aber dennoch birgt sie ein Risiko, wie die Untersuchungen nun beweisen.

Quelle:

Schwarz T, Tober-Lau P, Hillus D, Helbig ET, Lippert LJ, Thibeault C, et al. Delayed antibody and T-cell response to BNT162b2 vaccination in the elderly, Germany. Emerg Infect

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