Corona-Impfung: 3 Gründe, warum schon eine erste Dosis ausreicht

Ines Fedder Medizinredakteurin

Genesene erhalten nur eine Impfdosis gegen SARS-CoV-2. Aber wie sicher ist man nach nur einem Piks? Studien belegen, was Experten schon lange vermuten. Diese 3 Gründe erklären, warum bereits eine erste Impfdosis ausreicht – und warum es dennoch Risiken birgt.

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Viele fragen sich, ob es ausreicht, nur eine Impf-Dosis zu erhalten, wie es zum Beispiel bei Genesenen der Fall ist. Und was passiert eigentlich, wenn man den zweiten Impf-Termin nicht wahrnehmen kann? Diese 3 Gründe zeigen, warum bereits eine erste Dosis bei der Corona-Impfung sicheren Schutz bieten kann – aber nicht muss!

 

1. Corona-Antikörper bei Genesenen über Monate aktiv

Genesene erhalten in Deutschland nach überstandener Corona-Infektion erst nach sechs Monaten ihre erste Impf-Dosis, die dann in der Regel auch ausreichend sein soll, um einen entsprechenden Schutz gegen das Coronavirus auszubilden. Die Angst besteht, dass dies jedoch nicht der Fall ist. Ein großer Irrtum. Denn: Bei Genesenen haben sich bereits Antikörper gebildet, die auch noch monatelang nachweisbar sind und gegen das sogenannte „Spike-Protein“, dem Protein, bei dem auch die Impfung ansetzt, reagieren. In diesem Fall ist eine einmalige Impfung daher durchaus sinnvoll. 

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Eine Studie, die im Fachmagazin „Science“ erschien, belegt: 95 Prozent der Probanden:innen hatten bis zu sechs Monate nach einer Infektion immer noch ausreichend Antikörper. Eine zusätzliche Impfung hat bei Genesenen daher lediglich einen „Booster-Effekt“ und sollte nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) erst nach sechs Monaten nach Erstinfizierung mit SARS-CoV-2 erfolgen. Dies führe zu einer „signifikanten Verstärkung der Immunität“, so die STIKO. Zudem soll die Auffrischungsimpfung auch gegen die neuen Virusvarianten wirksam sein. 

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2. Johnson & Johnson: Corona-Impfung mit nur einer Dosis

Sicherer Schutz nach nur einer Impfung – das geht. Es kommt dabei unter anderem auch auf das Vakzin an. Der Impfstoff von Johnson & Johnson muss nur einmal verimpft werden. Der Grund: Bei den Zulassungs-Studien wurde auf der Grundlage von nur einer Impfdosis getestet. Der Schutz lag dabei bereits bei 65 Prozent. In aktuellen Studien wird derzeit untersucht, ob der Impfstoff mit einer zweiten Dosis einen noch besseren Schutz bietet. Ergebnisse gibt es dazu jedoch noch nicht.

 

3. Impf-Effekt in der Bevölkerung bereits nach erster Impfung sichtbar

Um einen vollständigen und sicheren Schutz zu gewährleisten, ist es in der Regel bei den meisten Impfstoffen wichtig, dass auch eine zweite Dosis verabreicht wird. Bei den Impfstoffen von Biontech und Moderna ist dann der Schutz am größten, wie Studien bisher gezeigt haben.

Dennoch plädieren Virologen wie Alexander Kekulé seit geraumer Zeit dafür, zunächst flächendeckend nur Erstimpfungen durchzuführen, da in Deutschland immer noch ein Impfstoffmangel herrscht. So könne man die Bevölkerung am besten schützen, da bereits die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs bei der ersten Impfung stark verringert wird. Nach bereits einer Dosis Biontech/Pfizer liegt die Wirksamkeit Studien zufolge bei circa 80 Prozent.

Kekulé erklärt sein Modell gegenüber dem Sender ntv: "Erstmal möglichst viele, von alt nach jung, ein Mal. Und später kann man dann die zweiten Impfungen angehen", so der Epidemiologe. Nach dem gleichen Verfahren hat auch Großbritannien die Immunisierung durchgeführt. Dort sei inzwischen fast die ganze Bevölkerung durchgeimpft. Vollständig geschützt vor neuen Virus-Varianten sind die Briten dennoch nicht. Aktuell breitet sich dort nach vermehrten Lockerungen die Delta-Variante aus.

Die Rechnung "Einmal impfen, schützt doppelt so viele Menschen" macht Sinn, birgt aber auch Risiken. So kann es durchaus sein, dass die Bevölkerung eine zweite Impfung nach längerer Zeit schlichtweg vernachlässigt. Zudem ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung nur schwer möglich

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Corona-Impfung: Reicht eine Dosis wirklich aus?

Sind viele Menschen in Deutschland bereits einmal geimpft, sinkt das Risiko von schweren Verläufen. Eine Herdenimmunität ist so jedoch kaum zu erreichen. Baut man auf einen kompletten Impfschutz durch zwei Impfdosen, besteht zwar für den Einzelnen ein besserer Schutz, die Todesrate sinkt jedoch langsamer und es dauert erheblich länger, alle Bevölkerungsschichten zu schützen, da schlichtweg noch nicht genügend Impfstoff da ist. Je nach Standpunkt kann eine einmalige Impfung also besser oder weniger schützen. 

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In Deutschland hat man sich dazu entschieden, dass eine einmalige Impfung mit den Vakzinen von AstraZeneca, Biontech und Moderna nicht ausreicht. Hier werden nur Doppel-Impftermine angeboten. Möglich ist sogar, dass man durch neue Mutationen ein drittes Mal impfen muss.

Es gilt aber bei allen drei Vakzinen: Eine Impfung ist besser als gar keine. Und wie häufig man in naher Zukunft tatsächlich zur Impfspritze gegen das Coronavirus greifen muss, wird sich noch zeigen. 

Quellen:

Corona-Impfung bei Genesenen: Reicht eine Impfdosis für eine langanhaltende Immunität aus?, in: rnd.de

Covid-19: Warum reicht bei J&J bereits eine Impfung?, in: aponet.de

Dan, J. M., Mateus, J., Kato, Y., Hastie, K. M., Yu, E. D., Faliti, C. E., ... & Crotty, S. (2021). Immunological memory to SARS-CoV-2 assessed for up to 8 months after infection. Science.

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