Corona-Impfung für Schüler in Bayern: Absage nach heftiger Kritik

Ines Fedder Medizinredakteurin

Eine Schule in Bayern plante bereits eine große Impf-Aktion. Aufgrund heftiger Kritik wurde die nun doch wieder abgesagt. Die Hintergründe.

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Inhalt
  1. Schule in Planegg bei München: Impf-Aktion für Jugendliche geplatzt
  2. Kritik an frühzeitiger Immunisierung von Jugendlichen
  3. Impfungen für Kinder in den Sommerferien in Hamburg bereits in Planung

Eine Corona-Schutzimpfung für Kinder ist hier in Deutschland noch nicht möglich. Da die aktuellen Impfstoffe erst frühestens ab 16 Jahren zugelassen sind. Dennoch können Jugendliche ab 16 Jahren gegen das Coronavirus immunisiert werden. Wenn nicht die immer noch bestehende Impf-Priorisierung existieren würde. Doch diese wird vielerorts nach und nach aufgehoben. So kann man sich in den Hausarztpraxen in Brandenburg und Berlin zum Beispiel auch außerhalb der Reihenfolge impfen lassen. 

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Schule in Planegg bei München: Impf-Aktion für Jugendliche geplatzt

In Planegg bei München wollte eine Gymnasium nun voranschreiten - und erstmals sogar Jugendliche gegen das Coronavirus impfen. Doch die bereits geplante Impfaktion ist nun geplatzt. Aufgrund der öffentlichen Diskussion habe die Gemeinschaftspraxis, welche die Impfaktion gemeinsam mit der Schule plante, das Impf-Angebot für Schüler: innen zurückgezogen. "Wir bedauern das, können aber die Entscheidung nachvollziehen", sagte Schulleiter Matthias Spohrer gegenüber den Medien

Keine vorgezogene Impfung für Jugendliche

Das Ärzte-Team, welches die Impfaktion am Gymnasium leiten wollte, habe bereits in der eigenen Praxis alle Patient: innen versorgt und wollte daher nun überschüssigen Impfstoff an die Schüler: innen verimpfen. „Mir war es wichtig, dass weder Lehrkräfte noch Schülerinnen und Schüler jemandem eine Impfung wegnehmen, der aus gesundheitlichen Gründen wirklich eine benötigt, bin aber gleichzeitig der Ansicht, dass gerade Jugendliche dringend wieder mehr Freiheiten brauchen“, wird der Schulleiter Matthias Spohrer aus einem Brief an die Eltern zitiert. 

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Kritik an frühzeitiger Immunisierung von Jugendlichen

"Ich kann jedoch niemandem vermitteln, dass gesunde Jugendliche geimpft werden, wenn ich noch eine Vielzahl vulnerabler Personen auf der Warteliste habe", erklärte auch der Münchener Landrat Christoph Göbel gegenüber den Medien. Dem schließen sich auch weitere Fachleute an. Denn für eine frühzeitge Aufhebung der Impf-Priorisierung gäbe es derzeit einfach noch zu wenige, die in den vulnerablen Gruppen geimpft sind.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, kritisierte zuletzt die frühzeitige Aufhebung der Impf-Priorisierung. Es sei ungerecht, wenn Menschen mit erhöhtem Krankheitsrisiko nun noch länger auf eine Impfung warten müssten als ohnehin schon. Und Schüler sind bis dato fernab jeglicher Risiko-Gruppe.  

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Impfungen für Kinder in den Sommerferien in Hamburg bereits in Planung

Entgegen aller Kritik stehen die Bundesländer bei einer Zulassung eines Impfstoffs auch für Kinder bereits in den Startlöchern. In Hamburg erklärte die Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD), dass man bereits vorbereitet sei, sollte der Impfstoff von Biontech/Pfizer auch für Kinder ab 12 Jahren zugelassen werden. Die EMA prüft das Vakzin gerade. Sollte es auch für Kinder freigegeben sein, könnte man bereits zu Beginn der Sommerferien impfen.

Eine Impfung für Jugendliche, auch für Kinder, könnte in der Corona-Pandemie ein entscheidender Baustein sein, da so Ausbrüche in Schulen zukünftig verhindert werden können und so die Bildung wieder in den Vordergrund treten kann. Sofern jedoch nicht flächendeckend genügend Impfstoff zur Verfügung steht, um alle Gefährdeten möglichst schnell zu immunisieren, wird es wohl noch eine Zeit brauchen, bis auch Jugendliche und sogar Kinder in Bildungseinrichtungen geimpft werden.

Quellen:

Gymnasium bittet Schüler zum Impftermin, in: sueddeutsche.de

Corona: Hamburg bereitet sich auf Impfungen für Schüler vor, in: ndr.de

Stiko findet Aufhebung der Impfpriorisierung falsch, in: wz.de

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