Corona-Impfung: EMA prüft 4 seltene Nebenwirkungen

Ines Fedder Medizinredakteurin

Gesichtsschwellung, Thrombosen und Muskelschwäche – die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) prüft vier weitere, seltene Nebenwirkungen in Verbindung mit den Corona-Impfstoffen von Moderna, Johnson & Johnson sowie Biontech/Pfizer. Auf welche Anzeichen man achten sollte? Alle Infos hier.

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Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) prüft weitere Nebenwirkungen infolge einer Corona-Schutzimpfung. Mit diesen beschäftigt sich aktuell der sogenannte Pharmakovigilanzausschuss (PRAC) und hat nun auch einige Änderungen der Fachinformationen empfohlen. Das berichtet unter anderem das „Ärzteblatt“. Welche vier seltenen Nebenwirkungen bei einer Corona-Impfung auftreten können und welchen Zusammenhang die EMA sieht.

 

1. Gesichtsschwellungen bei Biontech/Pfizer als Nebenwirkung möglich

Zwar handelt es sich hier um eine sehr seltene Nebenwirkung, von der nur wenige betroffen sein dürften. Dennoch empfiehlt die EMA, einen Hinweis auf Gesichtsschwellungen in die Fachinformationen für die mRNA-Impfstoffe der Pharmaunternehmen Biontech/Pfizer und Moderna mit aufzunehmen.

 

Wann genau können Schwellungen nach der COVID-Impfung auftreten?

Betroffen können Personen sein, die vor der Corona-Impfung eine kosmetische Behandlung mit Hyaluronsäure oder Kollagen durchgeführt und sich die Wirkstoffe unter die Haut injiziert haben. Bei den sogenannten „Hautfüllern“ kann es nach einer Impfung mit Biontech/Pfizer oder Moderna zu seltenen Schwellungen der zuvor behandelten Hautpartien kommen.

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Gesichtsschwellung durch mRNA-Impfstoffe: Was tun?

Die EMA sieht bei dieser Nebenwirkung kein allzu hohes Risiko. In der Regel klingt die Schwellung von selbst ab. Falls notwendig, können orale Antihistaminika oder Kortikosteroide verabreicht werden.

 

2.Thrombose-Risiko auch bei Johnson & Johnson erhöht

Seit Montag (10.05.) ist der Impfstoff Johnson & Johnson auch in Deutschland nur noch für Personen über 60 Jahren zugelassen. Ein Grund dafür ist die neue Empfehlung der EMA. Die Europäische Arzneimittelbehörde prüft seit dem 20. April einen möglichen Zusammenhang zwischen einer Corona-Schutzimpfung und Anzeichen von Thrombosen, die aufgrund eines Mangels an Thrombozyten auftritt. Dieser Zusammenhang wurde bereits beim Vakzin von AstraZeneca beobachtet.

Die Empfehlung der EMA: Ein Zusammenhang mit den sogenannten Adenoviren bei Vektorimpfstoffen liegt nahe. Die Vorteile einer Impfung durch die Vakzine Johnson & Johnson und AstraZeneca überwiegen trotzdem. Dennoch wurde die Nutzung von Johnson & Johnson nur eingeschränkt empfohlen. 

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3. Guillain-Barre-Syndrom: Muskelschwäche nach AstraZeneca

Derzeit ebenfalls von der Europäischen Arzneimittelagentur untersucht, wird das vermehrte Auftreten des Guillain-Barre-Syndroms, von dem das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) im Zusammenhang einer Immunisierung durch das Vakzin AstraZeneca (auch Vaxzevria genannt) im jüngsten Lagebericht vom 7. Mai  spricht. Beobachtet wurde eine auffällige Häufung des Syndroms, bei dem es zu einer entzündlichen Erkrankung der Nerven kommt.

Betroffene klagen über Gliederschmerzen, Muskelschwäche, Missempfindungen in Händen und Füßen sowie Lähmungen. Eine abschließende Bewertung der EMA steht in diesem Fall noch aus. 

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4. Myokarditis nach Impfung durch Biontech/Pfizer

Berichten aus Israel zufolge soll es nach Impfungen mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer vermehrt zu Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) gekommen sein. Die EMA prüft diesen Zusammenhang. Der Pharmakovigilanzausschuss (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur sieht allerdings keinen Hinweis auf einen Zusammenhang mit der Impfung. Die Überwachung soll dennoch fortgesetzt werden. 

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Die in Europa zugelassenen Corona-Impfstoffe bieten einen zuverlässigen Schutz gegen das Coronavirus, bringen jedoch auch mögliche Nebenwirkungen mit sich. Die Europäische Arzneimittelbehörde behält diese und auch weitere Nebenwirkungen, die im Zusammenhang mit einer Corona-Impfung beobachtet werden, fortlaufend im Auge und gibt gegebenenfalls eine entsprechende Änderung der Impf-Empfehlung ab.

Quellen:

EMA: Können COVID-19-Impf­stoffe Gesichtsschwellung, VITT, Myokarditis oder ein Guillain-Barré-Syn­drom auslösen?, in: aerzteblatt.de

Eldar, A.H. & Chapman, J.: „Guillain Barré syndrome and other immune mediated neuropathies diagnosis and classification“, in: Autoimmun Rev, 2014 Apr-May, 13(4-5): 525-530

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