Corona: Biontech, Moderna, Astrazeneca – Unterschiede und Wirksamkeit

Daphne Sekertzi

Die Europäische Arzneimittelbehörde hat grünes Licht für die Zulassung des Astrazeneca-Impfstoffs gegeben. Allerdings handelt es sich nur um eine bedingte Zulassung für unter 65-Jährige, was die Wirksamkeit des Präparats in Zweifel zieht. Wie gut schützt der Astrazeneca-Impfstoff im Vergleich zu den Vakzinen von Biontech und Moderna? Und worin unterscheiden sie sich jeweils? Antworten zu allen wichtigen Fragen rund um die Corona-Impfstoffe!

Inhalt
  1. Was sind die Unterschiede zwischen dem Biontech- und Moderna-Impfstoff?
  2. Astrazeneca-Impfstoff – wie hoch ist die Wirksamkeit?
  3. Welche Impfstoffe hat Deutschland bestellt?
  4. Wieviel Impfstoff hat Deutschland bestellt?

BNT162b2, mRNA-1273 und nun AZD12222 – hinter diesen Abkürzungen verbergen sich die Impfstoffe, die ein Ende der Corona-Pandemie versprechen. Nachdem im Dezember und im Januar mit den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna die ersten beiden Corona-Impfstoffe im europäischen Raum zugelassen wurden, folgt nun der dritte: Der Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmaunternehmens Astrazeneca. Ein guter Zeitpunkt also, um den neu zugelassenen Impfstoff mit den Biontech- und Moderna-Vakzinen zu vergleichen. Vor allem, was die Wirksamkeit angeht, gibt es große Unterschiede.

 

Was sind die Unterschiede zwischen dem Biontech- und Moderna-Impfstoff?

Bei den Wirkstoffen des deutschen Unternehmens Biontech und des US-amerikanischen Unternehmens Moderna handelt es sich um mRNA-Impfstoffe. Sie enthalten genetische Informationen des Coronavirus, die die Zellen dazu bringen, das sogenannte Spike-Protein des Virus zu bilden. Das bringt das Immunsystem dazu, Antigene zu produzieren, die bei einem späteren Kontakt mit dem Virus aktiviert werden und so vor einer Infektion schützen. Auch was den Schutz und die Nebenwirkungen angeht, unterscheiden sich der Biontech- und Moderna-Impfstoff nicht voneinander:

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  • Beide verhindern eine Corona-Infektion um rund 95 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit trotz Impfung zu erkranken, liegt somit bei etwa 5 Prozent.
  • Die Impfstoffe müssen jeweils zweimal mit einem Abstand von mehreren Wochen injiziert werden, damit sich der Schutz einstellt. Eine mehrmalige Impfung ist allerdings auch bei Impfungen gegen andere Erreger üblich.
  • Der Biontech- und Moderna-Impfstoff können ähnliche Nebenwirkungen hervorrufen, darunter Kopfschmerzen, Müdigkeit und leichtes Fieber. Das in den Vakzinen enthaltene Polyethylenglycol (PEG) steht zudem im Verdacht, allergische Reaktionen auszulösen. Diese treten allerdings nur in seltenen Fällen auf.

Sieht man sich die Unterschiede an, ergeben sich für beide Impfstoffe jeweils Vor- und Nachteile.  

  • Studien konnten zeigen, dass der Moderna-Impfstoff auch bei älteren Menschen sehr wirksam ist, für die Biontech-Vakzine liegen keine Berichte dazu vor.
  • Der Schutz ist mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer schneller erreicht, da der Abstand zwischen den beiden Impfungen 21 Tage beträgt, beim Moderna-Impfstoff sind es 28 Tage.
  • Der Biontech-Impfstoff muss vor der Injektion noch verdünnt werden, was zu Fehlern führen kann. Im Gegensatz dazu muss das Serum von Moderna nicht weiter verarbeitet werden und kann direkt verabreicht werden.
  • Ein weiterer Nachteil des Biontech-Präparats ist die Lagerung. Eine Temperatur von minus 70 Grad ist dafür nötig. Trotz der hohen Lagertemperaturen hält sich der Impfstoff nur 15 Tage. Bei normaler Kühlschranktemperatur (+2 bis +8° Grad) reduziert sich die Haltbarkeit auf bis zu fünf Tage. Der Impfstoff von Moderna ist wesentlich widerstandfähiger. Er hält sich bis zu 30 Tage, wenn er bei zwei bis acht Grad gelagert wird.

Welcher Impfstoff verabreicht wird, entscheidet der Arzt nach Verfügbarkeit und Risikogruppe. Ein Mitbestimmungsrecht haben Menschen, die sich impfen lassen möchten, nicht.

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Astrazeneca-Impfstoff – wie hoch ist die Wirksamkeit?

Obwohl die Biontech- und Moderna-Impfstoffe jeweils Schwächen aufweisen, können sie mit einem Aspekt – dem wichtigsten – überzeugen: mit der Wirksamkeit. Wie ist es da mit dem Astrazeneca-Impfstoff bestellt, der bereits seit Dezember in Großbritannien eingesetzt wird?

Klar ist bisher – das zeigen zumindest die Ergebnisse der klinischen Studie –, dass der Impfstoff von Astrazeneca hinsichtlich seiner Wirksamkeit nicht mit den Präparaten von Biontech und Moderna mithalten kann. Bei bis zu 55-Jährigen ohne Vorerkrankungen erreichte das Astrazeneca-Vakzin zwar eine Wirksamkeit von rund 90 Prozent. Der Wert sank jedoch auf 62 Prozent, als Probanden jedes Alters und jene mit Vorerkrankungen geimpft wurden.

Das Vakzin von Astrazeneca ist ein sogenannter Vektorimpfstoff. Genau wie bei mRNA-Impfstoffen wird der menschlichen Zelle durch die Impfung ein genetischer Bauplan zur Verfügung gestellt, um das Immunsystem dazu zu bringen, Antikörper gegen das Coronavirus herzustellen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass bei einem Vektor-Impfstoff die Erbinformationen des Krankheitserregers über ein abgeschwächtes, für Menschen unschädliches Trägervirus ("Vektor") in die Zellen geschleust wird. mRNA-Impfstoffe werden hingegen mit flüssigen Nano-Partikeln angereichert.

Das Robert Koch-Insitut (RKI) und die Ständige Impfkommission (STIKO) empfehlen den Imfpstoff daher nur für 18- bis 64-Jährige. Berichte darüber, dass der Astra-Zeneca-Impfstoff bei über 65-Jährigen kaum Wirkung zeigt, wurden vom Unternehmen selbst und vom Bundesgesundheitsministerium zurückgewiesen.

Punkten kann das Vakzin damit, dass es ohne PEG auskommt und daher für Allergiker geeignet ist. Außerdem kann es genau wie der Moderna-Impfstoff in Kühlschranktemperaturen gelagert werden.

 

Welche Impfstoffe hat Deutschland bestellt?

Neben Biontech, Moderna und Astrazeneca hat Deutschland noch mit drei weiteren Pharmaunternehmen Verträge über die Lieferungen von Impfstoffen geschlossen – mit Curevac, Johnson & Johnson und Sanofi. Wann und ob die Impfstoffe Zulassungen erhalten, ist nicht ganz klar. Die Ergebnisse der Phase-III-Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit des Curavec-Impfstoffs sollen bis zum Frühjahr vorliegen.

Auch Johnson & Johnson befinden sich mit ihrem Impfstoff in der dritten Studien-Phase. Allerdings musste die Studie aufgrund einer Erkrankung eines Probanden zwischenzeitlich unterbrochen werden. Der vom französischen Unternehmen Sanofi entwickelte Impfstoff soll bereits in der zweiten Jahreshälfte verfügbar sein, wenn die Ergebnisse positiv ausfallen.

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Wieviel Impfstoff hat Deutschland bestellt?

Die Bestellung der Corona-Impfstoffe für Deutschland erfolgt sowohl über die EU als auch national. Nach herber Kritik über die zu geringe Impfstoffbeschaffung hat die EU erst kürzlich erkündet, weitere 300 Millionen Impfstoffdosen bei Biontech bestellt zu haben. Damit erhöht sich das Kontingent auf insgesamt 600 Millionen. Im November hat die EU mit dem Mainzer Pharmaunternehmen noch einen Vertrag geschlossen, der lediglich eine Lieferung von 200 Millionen Dosen vorsah, mit einer Option auf 100 Millionen weitere. In Deutschland sollen dieses Jahr mindestens 90 Millionen Dosen von Biontech verfügbar sein.  

Zudem hat die Bundesregierung von Moderna 50 Millionen Impfstoffdosen geordert. Über die EU soll Deutschland 42 Millionen Impfdosen von Curevac erhalten. Hinzu kommen durch eine nationale Bestellung 20 Millionen Impfdosen Die zugesicherte Lieferung von Johnson & Johnson soll 37,3 Millionen Dosen umfassen. Mit Astrazeneca besteht hingegen ein Vertrag über 56,2 Millionen Dosen. Es ist jedoch fraglich, ob das Unternehmen die volle Menge liefern wird.

Erst kürzlich hat Astrazeneca Lieferschwierigkeiten vermeldet, die dazu führen, dass der Vertrag mit der EU nicht erfüllt werden kann. Bis Ende März sollten 80 Millionen der insgesamten 400 Millionen bestellten Impfdosen an die EU geliefert werden. Aufgrund von Verzögerungen in der Produktion könne das Unternehmen in diesem Zeitraum jedoch lediglich 20 Millionen Dosen und damit nur ein Viertel der zugesagten Menge liefern.

Experten schätzen, dass 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft werden muss, damit eine Herdenimmunität erreicht wird und sich das Coronavirus nicht mehr verbreiten kann. Mit den bisher bestellten Impfdosen wäre dieses Ziel erreicht – vorausgesetzt, dass es nicht zu weiteren Lieferschwierigkeiten kommt.

Quellen:

Fragen und Antworten zur COVID-19-Impfung, in: Bundesministerium für Gesundheit

Impfstoffe zum Schutz vor der Coronavirus-Infektion Covid-19, in: Die forschenden Pharma-Unternehmen

Paul-Ehrlich-Ins­titut: Corona­impfungen auch für Allergiker geeignet, in: Ärzteblatt

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