Corona-Impfstoffe: Unterschiede zwischen Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson

Daphne Sekertzi

In Deutschland sind derzeit vier Corona-Impfstoffe verfügbar: Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson. Welche Vorteile und Risiken gibt es jeweils? Und welcher Impfstoff ist am wirksamsten? Ein Überblick.

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Inhalt
  1. Biontech und Moderna: Vor- und Nachteile der mRNA-Vakzine
  2. Nebenwirkungen des Biontech- und Moderna-Impfstoffs
  3. Vorteile der Corona-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson
  4. Nebenwirkungen und Risiken bei AstraZeneca und Johnson & Johnson
  5. Wirksamkeit: Unterschiede zwischen J&J, AstraZeneca, Biontech und Moderna

Nachdem im Dezember und im Januar mit den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna die ersten beiden Corona-Impfstoffe im europäischen Raum zugelassen wurden, folgte im Januar der Impfstoff von AstraZeneca. Zuletzt ist das Vakzin von Johnson & Johnson dazugekommen. Daten von klinischen Tests und Erfahrungswerte zeichnen inzwischen in Bezug auf Vor- und Nachteile, Wirksamkeit und Sicherheit der Corona-Impfstoffe ein deutliches Bild.

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Biontech und Moderna: Vor- und Nachteile der mRNA-Vakzine

Bei den Wirkstoffen des deutschen Unternehmens Biontech und des US-amerikanischen Unternehmens Moderna handelt es sich um mRNA-Impfstoffe. Sie enthalten genetische Informationen des Coronavirus. Dadurch können die körpereigenen Zellen das sogenannte Spike-Protein des Virus nachbilden. Das bringt das Immunsystem dazu, Antigene zu produzieren, die bei einem späteren Kontakt mit dem Virus aktiviert werden und so vor einer Infektion schützen.

Doch obwohl es sich bei beiden Vakzinen um mRNA-Wirkstoffe handelt, gibt es in manchen Punkten Unterschiede – die Vor- und Nachteile von Biontech und Moderna im Überblick:

  • Die Impfstoffe müssen gemäß offizieller Empfehlung jeweils zweimal mit einem Abstand von sechs Wochen injiziert werden, damit sich ein vollständiger Schutz aufbaut.
  • Beide Impfstoffe haben eine hohe Wirksamkeit: Moderna erreicht einen Wert von 94 Prozent, das Biontech-Vakzin liegt bei 95 Prozent.
  • Der Biontech-Impfstoff muss vor der Injektion noch verdünnt werden, was zu Fehlern führen kann. Im Gegensatz dazu muss das Serum von Moderna nicht weiter verarbeitet werden und kann direkt verabreicht werden.
  • Ein weiterer Nachteil des Biontech-Präparats ist die Lagerung. Eine Temperatur von minus 70 Grad ist dafür nötig. Trotz der hohen Lagertemperaturen hält sich der Impfstoff nur 15 Tage. Bei normaler Kühlschranktemperatur (+2 bis +8° Grad) reduziert sich die Haltbarkeit auf bis zu fünf Tage. Der Impfstoff von Moderna ist wesentlich widerstandsfähiger. Er hält sich bis zu 30 Tage, wenn er bei zwei bis acht Grad gelagert wird.
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Nebenwirkungen des Biontech- und Moderna-Impfstoffs

Die Impfstoffe können ähnliche Nebenwirkungen hervorrufen, darunter Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskelschmerzen und Fieber. Das in den Vakzinen enthaltene Polyethylenglycol (PEG) steht zudem im Verdacht, allergische Reaktionen auszulösen. Diese treten allerdings nur in seltenen Fällen auf. Außerdem traten nach der Impfung mit dem Moderna-Vakzin vereinzelt Gesichtslähmungen auf (bei rund 0,01 Prozent der Geimpften). Im Zusammenhang mit einer Biontech-Impfung wurden zuletzt Thrombose-Fälle und Herzmuskelentzündungen bekannt.

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Vorteile der Corona-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson

Im Gegensatz zu den Impfstoffen von Biontech und Moderna handelt es sich bei den Vakzinen des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens AstraZeneca und des amerikanischen Unternehmens Johnson & Johnson um sogenannte Vektorimpfstoffe. Genau wie bei mRNA-Impfstoffen wird der menschlichen Zelle durch die Impfung ein genetischer Bauplan zur Verfügung gestellt, damit das Immunsystem Antikörper gegen das Coronavirus bildet. Der einzige Unterschied besteht darin, dass bei einem Vektor-Impfstoff die Erbinformationen des Krankheitserregers über ein abgeschwächtes Trägervirus ("Vektor") in die Zellen geschleust wird. mRNA-Impfstoffe werden hingegen mit flüssigen Nano-Partikeln angereichert.

Punkten können AstraZeneca und Johnson & Johnson damit, dass sie ohne PEG auskommen und daher für Allergiker geeignet sind. Außerdem können sie bis zu drei Monate bei normaler Kühlschranktemperatur gelagert werden, was den Transport erleichtert und das Risiko minimiert, dass Impfdosen aufgrund falscher Kühlung unbrauchbar werden.

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Ein großer Vorteil des Impfstoffs von J&J ist zudem die schnelle Immunisierung. Der volle Impfschutz stellt sich bereits 14 Tagen nach der ersten Dosis ein – eine zweite Dosis ist nicht nötig. Auf diese Weise kann die Impfkampagne beschleunigt werden und die Herdenimmunität früher eintreten. Zudem ist die Einmalimpfung für schwer erreichbare Personen wie Wohnungslose von großer Relevanz, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, gegenüber der dpa.

 

Nebenwirkungen und Risiken bei AstraZeneca und Johnson & Johnson

Die Nebenwirkungen der beiden Vakzine unterscheiden sich erst mal nicht von denen, die durch die Biontech- und Moderna-Impfstoffe hervorgerufen werden können. So zählen Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und eine erhöhte Körpertemperatur zu den häufigsten Beschwerden. Hinzu kommen allerdings in seltenen Fällen Hirnvenen-Thrombosen und ein Blutplättchen-Mangel, von denen überwiegend Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind. Diese schweren Nebenwirkungen werden womöglich durch das Trägermedium der Impfstoffe hervorgerufen, vermuten Experten.

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Bis heute ist das seit März in der EU zugelassene Vakzin von Johnson & Johnson in Deutschland noch nicht zum Einsatz gekommen, trotz eines Kontingents von rund 192.000 Impfdosen. Bis Ende Juni sollen noch zehn Millionen Dosen folgen. Insgesamt erwartet Deutschland eine Lieferung von 36 Millionen Impf-Dosen vom US-amerikanischen Pharma-Unternehmen.

Das Krankheitsrisiko sei bei J&J-Impfstoff im Vergleich zu AstraZeneca zwar geringer, „aber es ist relevant“, wie der Präsident der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, gegenüber RP Online erklärte. Für beide Vakzine wurde die Impf-Priorisierung aufgehoben. Alle Menschen über 18 Jahre dürfen sich mit dem Vakzin impfen lassen, wenn sie sich über die Risiken ärztlich aufklären lassen. Offiziell empfohlen sind die beiden Vakzine für über 60-Jährige.

 

Wirksamkeit: Unterschiede zwischen J&J, AstraZeneca, Biontech und Moderna

Obwohl die Biontech- und Moderna-Impfstoffe jeweils Schwächen aufweisen, können sie besonders in einem Punkt überzeugen: Beide verhindern eine Corona-Infektion um rund 95 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, trotz Impfung an Corona zu erkranken, liegt somit bei etwa 5 Prozent. Wie ist es in Sachen Wirksamkeit mit den Impfstoffen von AstraZeneca und J&J bestellt?

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Die Wirksamkeitsquote ist einer der größten Unterschiede zwischen AstraZeneca einerseits und Biontech und Moderna andereseits. Denn klar ist  inzwischen, dass der Impfstoff von AstraZeneca nicht mit den Präparaten von Biontech und Moderna mithalten kann. Bei einem Impfabstand von 12 Wochen beläuft sich die Wirksamkeit bei 70 bis 80 Prozent. Etwas wirksamer als AstraZeneca ist das J&J-Vakzin. Klinische Tests vor der Zulassung des Wirkstoffs haben einen Wert von rund 85 Prozent ergeben.

Die WHO betont, dass die Werte von AstraZeneca und J&J ausreichend hoch seien. Zum Vergleich: Die Grippeimpfung erreicht bei Kindern eine Wirksamkeit von 59 bis 67 Prozent, bei Erwachsenen ist sie mit rund 40 bis 63 Prozent noch wesentlich geringer. Somit können alle bisher in Deutschland verfügbaren Corona-Impfstoffe unabhängig von ihren Vor- und Nachteilen das Risiko einer Infektion erheblich herabsetzen.

Quellen:

Fragen und Antworten zur COVID-19-Impfung, in: Bundesministerium für Gesundheit

Impfstoffe zum Schutz vor der Coronavirus-Infektion Covid-19, in: Die forschenden Pharma-Unternehmen

Paul-Ehrlich-Ins­titut: Corona­impfungen auch für Allergiker geeignet, in: Ärzteblatt

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