Corona-Impfstoff Valneva: Entscheidender Unterschied zu Biontech und Co.

Mona Eichler Health-Redakteurin

Das französisch-österreichisch Unternehmen Valneva entwickelt einen Totimpfstoff gegen Corona, der sich in seiner Wirkweise erheblich von den Vakzinen von Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson unterscheidet. Genau diese Unterschiede könnten Impfskeptiker vom Corona-Impfstoff überzeugen.

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Inhalt
  1. Totimpfstoff: Wie funktioniert das Corona-Vakzin Valneva?
  2. Valneva: Unterschiede zu Impfstoffen von Biontech & Co.  
  3. Kommt der Valneva-Impfstoff in Deutschland? 

Könnte der neue Corona-Impfstoff Valneva die Impfquote in Deutschland drastisch nach vorne bringen und sogar Impfskeptiker dazu bringen, sich impfen zu lassen? Der Imfpstoff des französischen Pharmaunternehmens Valneva unterscheidet sich von den bisher zugelassenen Corona-Vakzinen in einem ganz entscheidenden Punkt.

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Totimpfstoff: Wie funktioniert das Corona-Vakzin Valneva?

Totimpfstoffe kommen schon seit Jahrzehnten zum Beispiel gegen Kinderlähmung, Diphtherie, Hepatitis B, Tetanus oder die Grippe zur Anwendung. Dabei werden abgetötete Viruszellen in den Körper injiziert. Als Reaktion auf diese Viruszellen produziert das Immunsystem zwar wie gewünscht Antikörper, weil die Zellen aber abgetötet – also inaktiv – sind, können sie sich innerhalb des Organismus nicht vermehren.  

Der Impfstoff des Herstellers Valneva mit dem Namen VLA2001 soll wie die bisher zugelassenen Corona-Impfstoffe vor einem schweren COVID-19-Verlauf schützen, ohne vermehrungsfähige Krankheitserreger oder andere Stoffe in den Körper zu bringen. 

 

Valneva: Unterschiede zu Impfstoffen von Biontech & Co.  

Die bisher zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson sind zwar keine Lebensimpfstoffe, bei denen geringe Mengen an vermehrungsfähigen Krankheitserregern injiziert werden. Dennoch rufen sie Unsicherheiten bei manchen Menschen hervor. Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. Sie enthalten genetische Informationen des Coronavirus, die mRNA (messenger-RNA bzw. Boten-RNA). Dadurch können die körpereigenen Zellen das sogenannte Spike-Protein des Virus nachbilden. Das bringt das Immunsystem dazu, Antigene zu produzieren, die bei einem späteren Kontakt mit dem Virus aktiviert werden und so vor einer Infektion schützen.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson ist – wie der von AstraZeneca – ein Vektorimpfstoff. Genau wie bei mRNA-Impfstoffen wird der menschlichen Zelle durch die Impfung ein genetischer Bauplan zur Verfügung gestellt, damit das Immunsystem Antikörper gegen das Coronavirus bildet. Der einzige Unterschied besteht darin, dass bei einem Vektorimpfstoff die Erbinformationen des Krankheitserregers über ein abgeschwächtes Trägervirus ("Vektor") in die Zellen geschleust wird. mRNA-Impfstoffe werden hingegen mit flüssigen Nano-Partikeln angereichert.

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Im Gegensatz dazu ist VLA2001 von Valneva ein Totimpfstoff und funktioniert über inaktive Viruszellen, deren Spike-Proteine noch eine erkennbare Struktur aufweisen. So erkennt das Immunsystem die (toten) Erreger und bildet Antikörper. Unterstützt wird dieser Vorgang durch Wirkverstärker, die dem Impfstoff vor der Verabreichung beigefügt werden.

Das Vakzin könnte theoretisch noch in diesem Jahr eine erste Zulassung erhalten und müsste in zwei Dosen innerhalb von 28 Tagen verabreicht werden. Wie die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson ist aber wahrscheinlich eine Auffrischungsimpfung nötig.  
 

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Kommt der Valneva-Impfstoff in Deutschland? 

Die Fakten zum Totimpfstoff Valneva lesen sich gut und auch die Tatsache, dass das Vakzin schnell produziert und lange gelagert werden kann, spricht für VLA2001. Aber wie sieht es mit der Zulassung aus?

Valneva befindet sich derzeit in der finalen dritten Zulassungsphase und soll gute Ergebnisse mit Blick auf Wirksamkeit und Verträglichkeit erzielt haben. Großbritannien aber stornierte vor einigen Tagen seine Bestellung des Impfstoffs vor Beendigung der Phase III. In einer Stellungnahme des britischen Gesundheitsministers hieß es, man erwarte, dass das Vakzin "im Vereinigten Königreich nicht zugelassen werden würde". 

Eine französische Regierungsquelle betonte hingegen, die Europäische Union sei weiterhin "an diesem Impfstoff interessiert". Man habe bei Gesprächen festgelegt, dass alle EU-Mitgliedsstaaten die Möglichkeit erhalten, zunächst gemeinsam 30 Millionen Dosen zu kaufen. Spätere Optionen auf weitere Impfdosen seien ebenfalls vorgesehen. Laut verschiedener Medienberichte habe man für Deutschland elf Millionen Valneva-Dosen bestellt. 

Es bleibt also spannend, wie es mit dem Totimpfstoff von Valneva weitergeht und ob er bisherige Impfzögerer davon überzeugen können wird, sich doch noch immunisieren zu lassen. 

Quellen:

Neuer Corona-Impfstoff: Totimpfstoff von Valneva soll auch Impfunwillige überzeugen, in: hna.de

Corona-Virus: Kommission schließt Sondierungsgespräche mit Valneva zur Sicherung eines neuen potenziellen Impfstoffs ab, in: europa.eu

Welche unterschiedlichen Impfstoffe gibt es?, in: impfen-info.de

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