Corona-Impfstoff ohne Spritzen? Nasales Antivirenmittel macht Hoffnung

Gaby Scheib

Wissenschaftler der Columbia University haben ein Antivirenmittel entwickelt, das die Übertragung von SARS-CoV-2 blockiert und nasal verabreicht wird. Ist damit ein neuer Corona-Impfstoff in greifbare Nähe gerückt?

Junger Mann mit Maske hält Nasenspray in der Hand
Amerikanische Wissenschaftler machen Hoffnung auf einen möglichen Corona-Impfstoff als Nasenspray Foto:  iStock-1214272810 Artem Tryhub

Erste Tests machen Hoffnung, dass es bald einen Corona-Impfstoff als Nasenspray geben könnte: Forscher des Vagelos College of Physicians and Surgeons an der Columbia University haben ein Antivirenmittel entwickelt, dass an Frettchen getestet wurde und eine Corona-Infektion offenbar erfolgreich verhindert. Eine weitere Besonderheit: Das Mittel wird nasal verbreicht – eine Spritze ist also nicht notwendig, was den Ablauf sehr vereinfacht.

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Wie funktioniert das neue Antivirenmittel?

Bei dem neuen Mittel handelt es sich um ein dimeres Lipopeptid, das als so genannter Fusionsinhibitor wirkt: Es verhindert, dass das Virus an eine Wirtszelle andocken kann – und unterbindet damit den ersten Schritt eines jeden Infektionszyklus’. 

Das Team um Dr. Anne Moscona und Dr. Matteo Porotto, Professoren in der Abteilung für Kinderheilkunde und Direktoren des Zentrums für Wirt-Pathogen-Interaktion, hat das Mittel an Frettchen getestet. Die Tiere werden häufig in Studien über Atemwegserkrankungen eingesetzt, da ihre Lungen denen des Menschen ähneln. Frettchen sind sehr anfällig für eine Infektion mit SARS-CoV-2, das Virus verbreitet sich leicht.

In der Studie wurden mit dem neuen Wirkstoff behandelte, unbehandelte und infizierte Tiere in einen Käfig gesetzt – eine Situation, die unserer zu Hause als Familie gleicht, wenn wir eng zusammenleben. Tatsächlich haben sich alle unbehandelten Frettchen dabei infiziert, während eine Infektion mit dem Coronavirus bei den behandelten Tieren vollständig unterbunden wurde.

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Welche Vorteile hat ein Corona-Impfstoff als Nasenspray?

Nasal verabreicht hat das neue Antivirenmittel eindeutige Vorteile:

• Der Schutz setzt sofort ein.
• Die Wirkung hält mindestens 24 Stunden an.
• Man kann das Medikament schnell und unaufwändig verteilen.
• Die Verwendung ist einfach.
• Ärztliche Hilfe ist nicht notwendig.

Und das Mittel bietet noch weitere Vorzüge:

• Es ist kostengünstig in der Herstellung.
• Es hat lange Haltbarkeit.
• Es muss nicht gekühlt werden.

Im Gegensatz zu Impfstoffen, die gespritzt werden müssen, ist das antivirale Lipopeptid also deutlich im Vorteil. „Selbst in einem idealen Szenario, in dem große Teile der Bevölkerung geimpft sind – und bei vollem Vertrauen in die Impfverfahren und deren Einhaltung – werden diese antiviralen Medikamente eine wichtige Ergänzung zum Schutz des Einzelnen und zur Kontrolle der Übertragung darstellen“, so Moscona und Porotto.

Es ist zwar nicht das erste Mittel, das als Nasenspray getestet wird – aber ein sehr vielversprechendes: Durch die guten Resultate bei den Tests mit Frettchen hoffen die Wissenschaftler, dass es auch bei klinischen Tests und beim Menschen gut wirkt – und der neue Corona-Impfstoff als Nasenspray flächendeckend gegen die Pandemie eingesetzt werden kann.

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Quellen:

Could a Nasal Spray Prevent Coronavirus Transmission? in: cuimc.columbia.edu

 

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