Corona-Impfstoff: Tübinger Firma CureVac startet Tests an Menschen

Mona Eichler Health-Redakteurin

Die Tübinger Firma CureVac darf den von ihr entwickelten, potentiellen Corona-Impfstoff ab sofort an Menschen testen. Die klinische Studie soll schon in wenigen Monaten erste Ergebnisse liefern.

Inhalt
  1. CureVac nutzt mRNA-Technologie
  2. Tests für Corona-Impfstoff an Menschen genehmigt 
  3. Mehr als 200 Millionen Impfstoffdosen
  4. Zu wenig Testpersonen für Phase 3
  5. Erste Ergebnisse in wenigen Monaten
  6. Bundesregierung stellt finanzielle Mittel zur Verfügung

CureVac mit Sitz in Tübingen ist nach der Mainzer Firma BioNTech das zweite deutsche Unternehmen, das einen potentiellen Corona-Impfstoff nach vielversprechenden Tierversuchen an Menschen testen darf. Die Genehmigung dazu erteilte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, am Mittwoch (17. Juni 2020).

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CureVac nutzt mRNA-Technologie

Wie die Kollegen von BioNTech und die Forscher des US-amerikanischen Unternehmens Moderna, die bereits vor einigen Wochen die Freigabe zu Tests an Menschen erhalten haben, verwendet CureVac bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs die sogenannte mRNA-Technologie. Auf der Homepage der Tübinger Firma wird in einfachen Worten erklärt, was mRNA ist und wie CureVac es nutzt, um Antigene herzustellen:

"Mit unserer Technologie leiten wir den menschlichen Körper an, seine eigenen Abwehrmechanismen zu aktivieren. Dazu nutzen wir den natürlichen Botenstoff mRNA (messenger RNA), der die Bauanleitung zur Herstellung von Proteinen beinhaltet. Dieser Botenstoff wird von uns mit der Information über ein Protein des Coronavirus programmiert und in die menschlichen Zellen injiziert. Der Körper erkennt das von unseren Zellen produzierte Protein als etwas Fremdes und aktiviert seine Immunzellen, um Antikörper und T-Zellen dagegen herzustellen. Auf diese Weise ahmen wir die natürliche Virusinfektion nach und aktivieren den körpereigenen Abwehrmechanismus."

 

Tests für Corona-Impfstoff an Menschen genehmigt 

Nach Einschätzung des Paul-Ehrlich-Instituts verliefen erste Tierversuche bei CureVac derart vielversprechend, dass das Pharmaunternehmen seinen potentiellen Corona-Impfstoff nun an Menschen testen darf. 

Im Interview mit "NDR" und "WDR" erklärte CureVac-Vorstandsfrau Mariola Fotin-Mleczek, die präklinischen Daten seien "sehr gut". Des weiteren betonte sie: "Wir sehen, dass wir mit dem Impfstoff wirklich in allen Tieren eine sehr homogene und gute Schutzwirkung erzielen."

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Mehr als 200 Millionen Impfstoffdosen

CureVac testet seinen Impfstoff-Kandidaten mit unterschiedlicher Wirkstoffstärke. So wird es beispielsweise Versuche mit Dosis-Stärken von zwei und acht Mikrogramm geben. Je nach verwendeter Wirkstoffstärke kann mehr oder weniger Impfstoff produziert werden. 

"Wenn wir bei zwei Mikrogramm bleiben, können wir in der bestehenden Produktionsanlage 200 Millionen Dosen im Jahr produzieren", verdeutlichte Fotin-Mleczek.

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Zu wenig Testpersonen für Phase 3

Die Produktion des potentiellen Corona-Impfstoffes ist bereits angelaufen. Zunächst wird der Wirkstoff in den Testphasen 1 und 2 an einer überschaubaren Zahl an Freiwilligen auf Wirksamkeit und Sicherheit untersucht. Die Probanden der klinischen Studie werden dabei in zwei Gruppen unterteilt: Gruppe A erhält den Impfstoff, Gruppe B ein Placebo. Im Folgenden untersuchen die Wissenschaftler, wie viele Freiwillige aus Gruppe A vor einer Corona-Infektion geschützt waren und wie viele aus Gruppe B sich mit dem Virus angesteckt haben.
CureVac plant, noch diesen Juni mit Phase 1 zu beginnen. Dabei sollen von 168 gesunden erwachsenen Probanden 144 geimpft werden.

In der letzten Phase werden dann tausende Probanden getestet. Moderna beispielsweise plant, Phase 3 ab Juli mit bis zu 30.000 Freiwilligen durchzuführen. Da das Infektionsgeschehen in Deutschland für solch große Tests derzeit zu gering ist, sei man für Phase 3 bei CureVac bereits mit Studienzentren in Afrika und Brasilien im Gespräch, wie Fotin-Mleczek erklärte.

Freiwillige für Corona-Impfstoff-Tests zu finden, ist übrigens nicht allzu schwer. Allein bei der Initiative "1Day Sooner" haben sich bis Juni über 28.500 Menschen registriert, die an klinischen Studien teilnehmen würden.

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Erste Ergebnisse in wenigen Monaten

Bereits im September oder Oktober 2020 sollen erste, auswertbare Daten der klinischen Studie vorliegen, heißt es vonseiten der Tübinger Firma. Sind die Ergebnisse positiv, will CureVac 2021 seinen Corona-Impfstoff bereitstellen. 

"Wir planen, dass wir Mitte nächsten Jahres einen Impfstoff auf den Markt bringen könnten", sagte CureVac-Chef Franz-Werner Haas gegenüber "n-tv". 

 

Bundesregierung stellt finanzielle Mittel zur Verfügung

Nicht nur die eigentliche Herstellung eines potentiellen Corona-Impfstoffes wird weltweit mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Auch die Frage, wie und vor allem wo die später hergestellten Impfstoffdosen verteilt werden, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Vor allem, nachdem im März Berichte aufgekommen waren, nach denen US-Präsident Donald Trump sich stark für die Forschungen bei CureVac interessiere und die Firma sogar übernehmen wolle. 
Nun wurde bekannt, dass sich die deutsche Bundesregierung bei CureVac eingekauft hat: Für 300 Millionen Euro erhält der Bund 23 Prozent Anteil an der Biotechfirma, was ihn zweitgrößten Anteilseigner bei CureVac macht. Die Staatsbeteiligung bestätigten Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und der CureVac-Eigner, SAP-Mitgründer Dietmar Hopp am Montag. 

Sollte CureVac nach erfolgreichen Tests an Menschen also tatsächlich einen Corona-Impfstoff vorstellen, hätte sich diese Investition für Deutschland gelohnt. 


Quellen:
Über CureVacs Entwicklung eines mRNA-basierten Impfstoffs gegen COVID-19, in: curevac.com/de
CureVac darf an Menschen testen, in: tagesschau.de
CureVac plant Corona-Impfstoff bis Mitte 2021, in: n-tv.de
Bund wird Großaktionär bei CureVac, in: finance-magazin.de

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