Corona-Impfreaktion: Kann die Impfung eine Gürtelrose auslösen?

Die Liste der Impfreaktionen und -nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung muss immer wieder um einen Punkt verlängert werden. So möglicherweise auch jetzt. Denn derzeit melden Ärzte eine starke Zunahme von Gürtelrose bei geimpften Personen.

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Inzwischen ist bekannt, welche körperlichen Reaktionen und Nebenwirkungen eine Corona-Impfung auslösen kann. Ärzt:innen könnten nun auf eine neue Nebenwirkung gestoßen sein: Unter Geimpften wird eine auffällige Zunahme von Gürtelrose beobachtet. Besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen der Erkrankung und einer mRNA-Impfung?

Gürtelrose als Nebenwirkung von Corona-Impfungen?

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat die Verdachtsfälle untersucht und ist nun zu einer ersten Einschätzung gekommen. Im aktuellen Sicherheitsbericht schreibt das PEI, dass sich für Gürtelrose (Herpes Zoster) „aufgrund der Zahl der Meldungen an das Paul-Ehrlich-Institut kein Risikosignal innerhalb von 14 beziehungsweise 30 Tagen nach allen vier zugelassenen Covid-19-Impfstoffen“ ergeben habe.

Gürtelrose gilt zwar nicht als Nebenwirkung nach einer mRNA-Impfung – auch andere Expert:innen halten einen direkten Zusammenhang für unwahrscheinlich. Aber die Erkrankung wird vom PEI zumindest als „unerwünschte Reaktion von besonderem Interesse“ eingestuft. Für eine abschließende Beurteilung müssten weitere Daten gesammelt und bewertet werden, erklärte der Epidemiologe Timo Ulrichs im ntv-Interview.

Gürtelrose als Folge eines geschwächten Immunsystems

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut (RKI) etwa 300.000 Menschen an einer Gürtelrose. Sie zeigt sich durch Hautausschläge mit Bläschenbildung im Beckenbereich. Die Gürtelrose wird durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst, das die meisten Menschen – Schätzungen zufolge etwa 95 Prozent – in sich tragen.

Eine Gürtelrose verläuft im Normalfall ohne Komplikationen und klingt von alleine nach spätestens vier Wochen ab. Trotzdem ist die Erkrankung immer ein Fall für den Arzt, da es auch zu schweren Verläufen kommen kann. Betroffen sind vor allem Menschen mit Diabetes, rheumatoider Arthritis und chronischen Darmerkrankungen. Sind die Abwehrkräfte stark geschwächt, z.B durch eine Krebserkrankung, können sich die Viren auch in Organen vermehren. Das kann unter anderem Hirnhaut-, Lungen- und Hirnhautentzündungen zur Folge haben. Die Ständige Impfkommission empfiehlt daher Risikogruppen, darunter auch Menschen über 60, eine Gürtelrose-Impfung.

Die Infektion findet bereits im Kindesalter statt: Durch Speichel wird das Virus von den Eltern auf das Kind übertragen. Bei einer Erstinfektion kommt es zunächst zu einer Windpocken-Erkrankung. Danach verbleibt das Virus inaktiv im Körper. Es wird reaktiviert, wenn das Immunsystem geschwächt ist, etwa durch Stress oder Erkrankungen. Auch das Alter spielt eine Rolle. Der Großteil der Gürtelrose-Erkrankungen tritt bei Menschen über 60 auf. Weil aber auch eine Corona-Impfung einen kurzzeitigen Effekt auf das Immunsystem haben kann, scheint die Verbindung zu Gürtelrose nicht ganz abwegig.

Kann eine Corona-Impfung Gürtelrose auslösen?

Dass eine Corona-Impfung das Immunsystem schwächt, wird von Expert:innen ausgeschlossen. Doch in der Diskussion um einen möglichen Zusammenhang zur Gürtelrose wird eine andere Erklärung angeführt: Das Virus könnte deshalb reaktiviert werden, weil das Immunsystem mit dem Corona-Impfstoff so sehr beschäftigt ist, dass es das Virus nicht mehr unterdrücken kann. Wissenschaftliche Beweise gibt es für diese These allerdings nicht. Als wahrscheinlicher gilt es, dass andere Faktoren wie das Alter oder Vorerkrankungen das Auftreten einer Gürtelrose nach einer Corona-Impfung begünstigen.

Quellen:

Si­cher­heit von CO­VID-19-Impf­stof­fen, in: pei.de (Paul-Ehrlich-Institut)

Gürtelrose (Herpes zoster): Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Erkrankung und Impfung, in: rki.de (Robert Koch-Institut)

Gürtelrose: Erste Anzeichen und Symptome, in. internisten-im-netz.de