Corona-Hotspots: 500er-Inzidenz im Saale-Orla-Kreis

Daphne Sekertzi

Trotz bundesweit sinkender Corona-Zahlen erstarkt das Infektionsgeschehen im Saale-Orla-Kreis. Der Landkreis in Thüringen kommt derzeit auf eine Sieben-Tage-Inzidenz von über 500. Zudem gehören vier weitere Orte in Thüringen zu den 10 Corona-Hotspots in Deutschland. Welche Regionen außerdem betroffen sind.

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Inhalt
  1. Die zehn Corona-Hotspots Deutschlands: 5 Corona-Hotspots in Thüringen
  2. Corona-Hotspot Saale-Orla-Kreis: Viele private Kontakte
  3. Fehlende Akzeptanz der Corona-Maßnahmen

Die Corona-Zahlen in Deutschland sinken kontinuierlich. Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Brandenburg kommen sogar unter eine Sieben-Tage-Inzidenz von 100. Doch der Positiv-Trend zeigt sich nicht überall. Ganz im Gegenteil: Noch immer explodieren die Infektionszahlen in vielen Landkreisen und Städten. Alleine fünf der aktuellen Corona-Hotspots befinden sich in Thüringen. Der Saale-Orla-Kreis sprengt mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von aktuell 545,5 (Stand 7. Mai) alle Werte. Woran liegt das?

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Die zehn Corona-Hotspots Deutschlands: 5 Corona-Hotspots in Thüringen

Thüringen weist im bundesweiten Vergleich die höchste Sieben-Tage-Inzidenz auf (198). Dort befinden sich fünf der aktuellen Corona-Hotspots.

Die derzeitigen Corona-Hotspots im Überblick:

Landkreis/StadtBundesland7-Tage-Inzidenz
LK Saale-Orla-KreisThüringen545,5
LK HildburghausenThüringen318,1
LK ErzgebirgskreisSachsen303,3
LK CoburgBayern302
SW SchweinfurtBayern295,7
LK ZwickauSachsen265,1
LK Schwarzwald-Baar-KreisBaden-Württemberg262,1
LK GothaThüringen260,2
SK GeraThüringen259,9
LK SonnebergThüringen256,4
 

Corona-Hotspot Saale-Orla-Kreis: Viele private Kontakte

Laut Robert Koch-Institut führt der Saale-Orla-Kreis die Liste der Corona-Hotspots in Deutschland an – und das mit großem Vorsprung. Der Pressesprecher Alexander Hebenstreit erklärte gegenüber ntv, dass der momentan starke Anstieg der Infektionszahlen im Saale-Orla-Kreis mit Verzögerungen bei den gemeldeten Fällen zu erklären sei. Allerdings gehört der Kreis seit Wochen zu den Risikogebieten.

Mit einzelnen großen Ausbrüchen sollen die hohen Zahlen jedoch nichts zu tun haben. Das Infektionsgeschehen in dem Ort soll sich laut dem Pressesprecher stattdessen vor allem an einer Ursache festmachen lassen: Die Bewohner pflegen zu viele private Kontakte. "Wir bilden da im Vergleich zu anderen ländlich geprägten Regionen sicher keine Ausnahme", meint Hebenstreit gegenüber ntv.

Matthias Pletz, Infektiologe aus Jena unterstützt diese These gegenüber dem MDR. Laut dem Experten halte sich das Virus auf dem Land länger, da die Menschen von einer Vereinskultur geprägt seien, sich untereinander besser kennen und der soziale Kontakt dementsprechend intensiver sei als in Großstädten.

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Fehlende Akzeptanz der Corona-Maßnahmen

Eine Erhebung des Forschungsprojekts COSMO weist zudem darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen der Einstellung eines Teils der Thüringer und den zu den hohen Infektionszahlen geben könnte: Mehr als ein Drittel der befragten Thüringer gab an, die Corona-Maßnahmen seien "übertrieben" oder "eher übertrieben". Ihr persönliches Infektionsrisiko schätzen sie dabei als gering ein. Zudem hätten 65 Prozent angegeben, sich mindestens einmal pro Woche mit Familienmitgliedern zu treffen. Rund die Hälfte trifft sich laut der Erhebung mindestens einmal die Woche mit Freunden und Bekannten.

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Trotz der hohen Infektionszahlen sieht der Landrat, Thomas Fügmann, die Ausgangssperre kritisch. Der Ostthüringer Zeitung sagte er: "Das bringt nichts und ist in der Praxis nicht kontrollierbar".

In anderen Bundesländern scheint eine Ausgangssperre jedoch eindeutige Effekte zu erzielen: So ist der einstige Corona-Hotspot Hamburg nach dem Verhängen einer Ausgangssperre nun eines der wenigen Bundesländer mit einer Inzidenz unter 100.

Quellen:
RKI Dashboard, in: experience.arcgis.com

Bundesweiter Hotspot Hof: Ansteckung vor allem in Familien, in: frankenpost.dehot

COSMO Thüringen — Welle 3, in: projekte.uni-erfurt.de

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