Corona: Haben Raucher ein höheres Risiko oder nicht?

Mona Eichler Health-Redakteurin

Haben Raucher ein geringeres Risiko, an Corona zu erkranken? Was nach einem makaberen Witz klingt, ist eine These aus Frankreich. Dort untersuchen Wissenschaftler, ob Nikotin die Ausbreitung von Coronaviren im Körper verlangsamen kann. Eine Studie aus den USA veröffentlichte jetzt Ergebnisse, die Rauchen als Risiko für den Corona-Verlauf offenbarte. Ein heiß diskutiertes Thema - hier gibt es den Überblick. 

Inhalt
  1. Raucher als Corona-Risikogruppe
  2. Rauchen und Corona: Die Zahlen aus Frankreich
  3. Kann ein Nikotinpflaster schützen? 
  4. US-Forscher fanden heraus: Rauchen fördert einen schwereren COVID-19-Verlauf

Bisher zählten Raucher in der Coronakrise zu den Risikogruppen, jetzt überraschen Wissenschaftler aus Frankreich mit einer neuen Theorie. Ihren Beobachtungen zufolge könnte es sein, dass Nikotin den Körper im Kampf gegen das Coronavirus unterstützt.
Allerdings: Selbst wenn sich die These bestätigt – was derzeit noch nicht der Fall ist –, sollte deswegen niemand zum Raucher werden, betonten die Verantwortlichen umgehend.

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Raucher als Corona-Risikogruppe

Raucher zählen eigentlich aus mehreren Gründen zur Corona-Risikogruppe. 
Zum einen schlägt sich die von SARS-CoV-2 hervorgerufene Krankheit COVID-19 besonders in der Lunge nieder und diese ist bei Rauchern durch Nikotin und Giftstoffe stark vorbelastet. Zum anderen nutzt das Coronavirus die so genannten ACE2-Proteine (Angiotensin-Converting-Enzym 2), um an eine Zelle anzudocken, in sie einzudringen und sich darin dann zu vermehren. Durch Nikotin werden mehr ACE2-Proteine im Körper gebildet, in der Folge gibt es mehr Andockstationen für Coronaviren.

Die Erkenntnisse der französischen Wissenschaftler werfen jetzt ein ganz anderes Bild auf das Rauchen in Zusammenhang mit Corona.

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Rauchen und Corona: Die Zahlen aus Frankreich

Weltweit liegt die Rate der an COVID-19 erkrankten Raucher zwischen 1,4 und 12,5 Prozent, je nachdem, welche Studie man betrachtet. Eine überraschend geringe Anzahl. 
Zahir Amoura, Professor für Innere Medizin im Pariser Krankenhaus La Pitié-Salpêtrière, sah diese Zahlen bei sich vor Ort bestätigt: Von 500 COVID-19-Patienten – darunter 350 im Krankenhaus behandelte und 150 Patienten mit einem leichteren Krankheitsverlauf – waren nur fünf Prozent Raucher. Ein verschwindend geringer Anteil, wenn man bedenkt, dass in Frankreich rund 25 Prozent der Bevölkerung raucht. 
So kamen Amoura und sein Team auf die Idee, eine mögliche Schutzwirkung von Nikotin zu untersuchen. 

Professor Jean-Pierre Changeux vom Institut Pasteur und dem Collège de France erklärte gegenüber der Presseagentur "AFP": "Die Hypothese ist, dass Nikotin an Zellrezeptoren anhaftet, die vom Coronavirus genutzt werden und damit die Anhaftung des Virus' verhindert."
Sind bestimmte Rezeptoren bereits von Nikotin belegt, kann SARS-CoV-2 diese nicht mehr nutzen.

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Kann ein Nikotinpflaster schützen? 

In einer kommenden Studie soll nun untersucht werden, ob Nikotinpflaster präventiv gegen das Coronavirus eingesetzt werden können. Bisher fehlt jedoch die Zustimmung von Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran. 

Die Wissenschaftler beeilten sich zu betonen, dass eine mögliche Schutzwirkung vor Corona nicht dazu führen sollte, dass bisherige Nichtraucher zur Zigarette greifen: Die gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Rauchen seien und blieben unumstritten. 

 

US-Forscher fanden heraus: Rauchen fördert einen schwereren COVID-19-Verlauf

Im Gegensatz zu den französischen Forschern, veröffentlichten US-amerikanische jetzt eine Studie, die von gegenteiligen Auswirkungen ausgeht. In der Studie der University of California San Francisco Benioff Kinderklinik wurden rund 8.400 Männer und Frauen zwischen 18 und 25 Jahren untersucht.

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Auch wenn bisher bestätigt wurde, dass ein höheres Alter maßgeblich zum Verlauf von Covid-19 beiträgt, erklärte das amerikanische Forscherteam, auch immer mehr junge Leute müssten wegen einer Corona-Ansteckung ins Krankenhaus. Die Anfälligkeit für einen schwereren Verlauf des Coronavirus liege bei Frauen bei 30 Prozent und bei Männern bei 33 Prozent. Rauchen spiele dabei eine entscheidende Rolle. So lag die Anfälligkeit für schwerere Krankheitsverläufe bei Nichtrauchern bei 16,1 Prozent. Bei der gesamten Stichprobe, einschließlich der Raucher tendierten 31,5 Prozent zu einem schwereren Verlauf. Sally Adams, Hauptautorin der Studie, bestätigte die Ergebnisse: „Neuere Beweise deuten darauf hin, dass Rauchen die Wahrscheinlichkeit eines schwereren COVID-19-Verlaufs steigert – einschließlich schwerer Symptome, Aufnahme auf die Intensivstation oder Tod.“

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Neben Rauchen bestimmte das Forscher-Team noch weitere Indikatoren, die das Risiko eines schweren Corona-Verlaufs bei jungen Leuten erhöhen. Dazu zählen Herzerkrankungen, Diabetes, Asthma, Immunerkrankungen, Lebererkrankungen, Fettleibigkeit und Rauchen. „Rauchen kann erhebliche Auswirkungen bei jungen Erwachsenen haben, die in der Regel niedrige Raten bei chronischen Krankheiten haben“, erklärt Adams.

Zu Tabak und Zigaretten zählen auch E-Zigaretten.

Quellen: 

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