Corona-Dauerlockdown bis Ende Februar? Virologe Drosten warnt

Ines Fedder Medizinredakteurin

Nicht nur Politiker sehen den Ernst der Lage. Auch aus Richtung der Forschung wird Alarm geschlagen. Virologe Christian Drosten sieht die Gefahr für eine Art „Dauerlockdown“, wenn man jetzt nicht härtere Maßnahmen ergreift.

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Inhalt
  1. Brandbrief der Leopoldina: „Letzte Warnung der Wissenschaft“
  2. Gesundheitsminister Jens Spahn fordert weitere Corona-Maßnahmen
  3. Auch Schleswig-Holstein mit härteren Regeln im Dezember
  4. Bundeskanzlerin Angela Merkel will Geschäftsschließungen

Ein Corona-Dauerlockdown? Davor haben viele Angst, angesichts der Tatsache, dass trotz diverser Maßnahmen die Infektionszahlen nicht runter gehen und die Anzahl der Todesopfer aufgrund von Corona immer weiter steigt. Deutschlands führender Virologe Christian Drosten warnt vor einer Verlängerung des Lockdowns, die sich fast schon wie eine Art Dauerlockdown anfühlen könnte.

In seinem Podcast „Coronavirus-Update” vom NDR sagte der Wissenschaftler: „Es ist schon so, dass wir jetzt unbedingt etwas tun müssen.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fallzahlen an Weihnachten noch weiter steigen, sei sehr groß und man müsse jetzt nachregulieren, ansonsten drohe Ende Januar und über den kompletten Februar hinweg ein harter Lockdown mit „massiven Folgen für die Wirtschaft“, so Drosten. 

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Brandbrief der Leopoldina: „Letzte Warnung der Wissenschaft“

Als erstes Bundesland hat Sachsen am gestrigen Tag verkündet, ab dem kommenden Montag (14. Dezember) in einen harten Lockdown zu gehen und schließt somit Schulen, Kitas sowie den Einzelhandel mit Ausnahme von Discountern und Drogerie-Märkten. Ein gutes Vorbild, welches sich Gesamtdeutschland vielleicht zu Herzen nehmen sollte, geht es nach Christian Drosten. Gemeinsam mit der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina fordern Drosten und weitere Wissenschaftler: Vom 24. Dezember bis mindestens 10. Januar sollte in ganz Deutschland das öffentliche Leben weitgehend ruhen. Was das heißt: knallharter Lockdown wie er bereits im Frühjahr zu Beginn der Pandemie bundeseinheitlich durchgeführt wurde. Die Stellungnahme der Leopoldina sei eine „letzte Warnung der Wissenschaft“, so heißt es. 

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Gesundheitsminister Jens Spahn fordert weitere Corona-Maßnahmen

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn fordert härtere Maßnahmen ein. „Ich weiß nicht, wie es anders geht, aber meine ruhigste Zeit im Jahr ist tatsächlich die Weihnachtszeit bis Anfang Januar. Und mir fiele fast keine bessere Zeit im Jahr ein, in der Gesellschaft weiter runterzukommen, Kontakte zu reduzieren“, so Spahn in einem Interview mit „Bild Live“. Und weiter: „Das müsse jetzt mit den Bundesländern diskutiert werden.“

 

Auch Schleswig-Holstein mit härteren Regeln im Dezember

Selbst aus den Bundesländern, die bisher am wenigsten von Corona betroffen waren wie Schleswig-Holstein werden Forderungen nach einem harten Lockdown laut – allerdings erst nach den Weihnachtstagen. „Wir dürfen nicht warten“, so Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Auch er kündigte verschärfte Corona-Maßnahmen in den kommenden Tagen an. 

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Bundeskanzlerin Angela Merkel will Geschäftsschließungen

In einer Bundestagssitzung hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel den Forderungen nach einem harten Lockdown angeschlossen. Ginge es nach ihr, sollten in einer Phase bis zum 10. Januar die Geschäfte geschlossen werden. „Der wichtigste Schlüssel zur Bekämpfung des Virus bei uns ist das verantwortliche Verhalten jedes Einzelnen und die Bereitschaft zum Mitmachen“, so Merkel. „Wenn wir jetzt vor Weihnachten zu viele Kontakte haben und anschließend es das letzte Weihnachten mit den Großeltern war, dann werden wir etwas versäumt haben, das sollten wir nicht tun.“

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Geht es nach der Meinung der führenden Wissenschaftler, des Gesundheitsministers Jens Spahn und der Kanzlerin könnte es also zu einem längeren Lockdown – sogar bis Ende Februar kommen. Allerdings: Trotz aller Appelle entscheiden über weitere Verschärfungen immer noch die einzelnen Bundesländer. Zumal es vor Weihnachten dem aktuellen Stand nach wahrscheinlich nicht zu einem weiteren Treffen der einzelnen Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin kommen wird.

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