Corona auf glatten Oberflächen: Viren überleben länger als gedacht

Redaktion PraxisVITA

Einer australischen Studie zufolge könnte das Coronavirus auf glatten Oberflächen widerstandsfähiger sein, als gedacht: Das Virus kann bis zu 28 Tage überleben. Wie groß ist dadurch das Risiko einer Infektion und wie kann man sich schützen? Alle Infos!

Inhalt
  1. Studie: Coronavirus kann auf glatten Oberflächen bis zu 28 Tage überleben
  2. Überlebensfähigkeit des Coronavirus wurde unterschätzt
  3. Ist das Coronavirus widerstandsfähiger als gedacht?
  4. Wie groß ist die Gefahr von Corona auf glatten Oberflächen?
  5. Oberflächen reinigen, Hände waschen
 

Studie: Coronavirus kann auf glatten Oberflächen bis zu 28 Tage überleben

Wie Forscher der Wissenschaftsbehörde Csiro in Australien jetzt herausfanden, können Coronaviren auf glatten Oberflächen offenbar länger überleben als bisher gedacht. Die Wissenschaftlerin Debbie Eagles, stellvertretende Direktorin des Zentrums für Seuchenvorsoge und an der Studie beteiligt, erklärte die Ergebnisse in der Zeitschrift Virology Journal: „Bei 20 Grad Celsius (…) fanden wir heraus, dass das Virus extrem robust ist und 28 Tage lang auf glatten Oberflächen wie Glas von Handybildschirmen und Kunststoff-Geldscheinen überlebt.“

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Überlebensfähigkeit des Coronavirus wurde unterschätzt

Eine im April veröffentlichte Studie kam zu anderen Ergebnissen. Forscher mehrerer US-amerikanischer Forschungszentren testeten in einem Laborversuch, wie lange Sars-CoV-2 auf verschiedenen Oberflächen überlebt und infektiös bleibt, wenn diese stark mit dem Erreger kontaminiert wurden. Dabei kamen die Forscher zu folgenden Ergebnissen:

  • Kupfer: bis zu vier Stunden
  • Karton: bis zu 24 Stunden
  • Plastik: bis zu 72 Stunden
  • Edelstahl: bis zu 72 Stunden


Der Virologe Christian Drosten erklärte damals in einem NDR-Podcast zum Coronavirus, man müsse „ganz vorsichtig sein mit solchen wissenschaftlichen Daten. Die sind nicht falsch. Aber sie sind so simpel, dass die reale Infektion damit wahrscheinlich nicht abgebildet wird.“

Zunächst werde in der Studie nicht angegeben, welche Virenmengen sich auf den getesteten Oberflächen befanden. Zudem ließe die Infektiosität der Viren auf den Oberflächen im Zeitverlauf stark nach, sodass nach vielen Stunden selbst bei anfangs starker Kontaminierung nur noch eine sehr geringe infektiöse Virenmenge übrig bleibe. Ob diese ausreiche, um sich über eine Schmierinfektion anzustecken, sei fraglich, erklärte Drosten.

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Ist das Coronavirus widerstandsfähiger als gedacht?

Seit April ist die Forschung schon einige Schritte weiter und hat neue Erkenntnisse zum Coronavirus gesammelt. So weiß man, dass das Coronavirus bei Sonnenlicht schnell abgetötet wird. Daher wurde die australische Studie im Dunklen durchgeführt.

Die Temperatur ist ein entscheidender Faktor: Bei gleichmäßigen 20 Grad Celsius konnte das Coronavirus auf glatten Oberflächen wie Glas, Stahl oder Kunststoff-Geldscheinen 28 Tage überleben. Stiegen die Temperaturen jedoch auf 30 Grad, waren es sieben Tage und bei 40 Grad nur noch 24 Stunden.

Poröse Oberflächen wie Baumwolle bieten hingegen für das Virus keine gute Überlebensgrundlage: Sie liegen temperaturabhängig zwischen 14 und 16 Stunden.

 

Wie groß ist die Gefahr von Corona auf glatten Oberflächen?

Trevor Drew, der Direktor der Wissenschaftsbehörde in Australien, rät wegen der Studienergebnisse zur Vorsicht. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärte dagegen, dass bisher keine Coronainfektionen durch kontaminierte Gegenstände oder Oberflächen nachgewiesen wurden.

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Dennoch ist die Ansteckung über Oberflächen auch bei Sars-CoV-2 möglich, wenn die Kontamination mit dem Virus noch nicht lange her ist – so die Einschätzung des BfR: „Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, sind (…) durch Schmierinfektionen denkbar.“

 

Oberflächen reinigen, Hände waschen

Das eigene Handy kann man regelmäßig desinfizieren, aber beispielsweise am vielbesuchten Bankautomat ist eine gründliche Reinigung kaum gegeben. Die Ergebnisse der australischen Studie machen daher einmal mehr deutlich, wie wichtig es ist, sich an die Hygienevorgaben zu halten.

Vor allem das gründliche Händewaschen bietet Schutz nach dem Kontakt mit Oberflächen, auf denen sich eventuell Coronaviren tummeln könnten. Um sich vor einer Ansteckung mit Corona auf glatten Oberflächen zu schützen, ist Händewaschen daher das beste Mittel.

Quellen:

CSIRO scientists publish new research on SARS-COV-2 virus ‘survivability’ in: csiro.au
van Doremalen, Neeltje, et al. (2020): Aerosol and Surface Stability of SARS-CoV-2 as Compared with SARS-CoV-1, in: New England Journal of Medicine
Kann das neuartige Coronavirus über Lebensmittel und Gegenstände übertragen werden?, in: bfr.bund.de
Coronavirus-Update Folge 05, in: ndr.de
Coronavirus-Update Folge 14, in: ndr.de

 

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