Corona-App: Risikokontakt, aber keine Warnung? Das ist der Grund!

Mona Eichler Health-Redakteurin

Trotz teils mehrerer Risikokontakte zeigt die Corona-Warn-App grünes Licht und stuft das Ansteckungsrisiko auf "niedrig" ein. Dahinter steckt nicht etwa ein Anwendungsfehler. Warum nicht jede Risikobegegnung zu einer Warnung führt.

Inhalt
  1. Kein Risikokontakt, kein Risiko
  2. Risikokontakt ist nicht gleich Risiko
  3. Risikofaktor Technik
  4. Grün, Rot, Grau: Die drei Warnstufen der Corona-App
  5. Risikokontakt – und jetzt?

Es könnte so simpel ein: Registriert die Corona-Warn-App einen Risikokontakt, warnt sie automatisch vor einem erhöhten Infektionsrisiko mit COVID-19. Doch das tut sie nicht. Dahinter steckt nicht etwa ein Anwendungsfehler, sondern eine Abwägung bestimmter Infektionsrisiken.

Frau mit Maske guckt auf der Straße auf ihr Handy
Service Corona-Warn-App: Hier geht's zum Download
 

 

Kein Risikokontakt, kein Risiko

17,2 Millionen Mal wurde die vom Robert Koch-Institut (RKI) herausgegebene Corona-Warn-App seit ihrer Einführung Mitte Juni heruntergeladen (Stand 17. August 2020). Alle Nutzer sind dazu angehalten, die App einmal täglich zu öffnen, um ihr persönliches Infektionsrisiko zu überprüfen.

Die meisten sehen dabei das immer gleiche Bild: Grün hinterlegt erscheint "Niedriges Risiko" mit dem Vermerk "Bisher keine Risiko-Begegnung". Das bedeutet, dass sich das Handy in den vergangenen 14 Tagen nicht in der Nähe einer Person befand, die eine Corona-Infektion gemeldet hat. 

Corona-Warn-App mit niedrigem Infektionsrisiko
Die Corona-Warn-App ohne Risikobegegnung Foto:  imago images / Rüdiger Wölk

Das Verwirrende aber ist: Selbst nachdem die Corona-Warn-App einen oder mehrere Risikokontakte registriert und an den Nutzer gemeldet hat, wird nicht automatisch vor einem erhöhten Infektionsrisiko gewarnt. Die Einstufung "Niedriges Risiko" bleibt zunächst bestehen. Warum ist das so?

Erstmals eine erneute Infektion mit dem Coronavirus bewiesen?
Krankheiten & Behandlung Corona: Hinweis auf erneute Infektion bei bereits genesenem Patienten

 

Risikokontakt ist nicht gleich Risiko

Grund der unveränderten Risikobewertung ist die Art, wie die Corona-Warn-App Risikobegegnungen einstuft. Dazu die Funktionsweise der App noch einmal kurz erklärt:

Die Dokumentation möglicher COVID-19-Risikokontakte erfolgt über die Bluetooth-Funktion von Smartphones. Dabei verbinden sich das Mobiltelefon automatisch mit den Geräten in seiner Nähe – wenn bei allen die Corona-Warn-App installiert und aktiviert ist.

Über die Signalstärke wird die Entfernung der einzelnen Smartphones zueinander ermittelt. Ist der Kontakt eng, tauschen die Handys via Bluetooth anonyme ID-Schlüssel, sogenannte Kurzzeit-Identifikationsnummern, aus. Zusätzlich wird die Zeitspanne, die die Handys in Kontakt standen, aufgezeichnet.

So entstehen anonymisierte Kontaktlisten, die spätere Infektionsketten nachzeichnen können. Hat sich jemand nachweislich mit COVID-19 infiziert, kann er dieses Ergebnis in seiner App angeben, wodurch automatisch jene App-Nutzer, die seinen Weg gekreuzt haben, eine Benachrichtigung erhalten.

Als gefährlich stuft die App einen Kontakt allerdings nur dann ein, wenn der Abstand zu einem COVID-19-Infizierten unter acht Metern betrug und man länger als zehn Minuten in dessen Nähe war. Ist dies nicht der Fall, wird über die Risikobegegnung zwar informiert, die Warnstufe bleibt allerdings niedrig. 

Corona-Warn-App mit zwei Risikobegegnungen
Zwei Risikobegegnungen und trotzdem grünes Licht Foto:  privat
 

Risikofaktor Technik

Eine hundertprozentige Genauigkeit kann die Corona-Warn-App trotz ausgefeilter Technologie nicht liefern. Das liegt unter anderem daran, dass Smartphones die verschiedenen Bluetooth-Signale nicht metergenau messen können. Die Signalstärke nimmt beispielsweise ab, wenn sich Störfaktoren, wie andere Personen oder Gegenstände, zwischen zwei Handys befinden.

Außerdem registriert die Corona-Warn-App nicht, ob ihre User einen Mundschutz tragen oder ob bestimmte Begegnungen im Freien oder in (gut oder schlecht gelüfteten) Räumen stattfinden. Diese Faktoren wirken sich allerdings erheblich auf ein potentielles Ansteckungsrisiko aus.

Selbst genähte Atemschutzmasken liegen auf einem Waschbecken
Krankheiten & Behandlung Atemschutzmasken gegen Corona: Virologe erklärt, welche wirklich schützen

 

Grün, Rot, Grau: Die drei Warnstufen der Corona-App

Wie bereits erwähnt, bedeutet ein grünes Quadrat beim Öffnen der App, dass es zwar möglicherweise Risikokontakte gegeben hat, aber kein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Wird das Quadrat rot angezeigt, hat es in den vergangenen 14 Tagen mindestens eine tatsächliche Risikobegegnung gegeben, die länger als 10 Minuten und/oder mit weniger als acht Meter Abstand stattfand. Ist das Quadrat grau hinterlegt, kann oder konnte keine Risiko-Ermittlung stattfinden, weil Bluetooth und gegebenenfalls GPS nicht eingeschaltet war. 

 

Risikokontakt – und jetzt?

Hat Ihre Corona-Warn-App einen Risikokontakt ermittelt, steht aber immer noch auf Grün, müssen Sie streng genommen nichts tun. Es empfiehlt sich allerdings, in den kommenden 14 Tagen Ihre Kontakte zu reduzieren, die Abstands- und Hygieneregeln penibel einzuhalten und verstärkt darauf zu achten, ob Sie Corona-typische Symptome entwickeln. 

Zeigt Ihre App einen roten Hinweis, bedeutet das, dass Sie sich infiziert haben könnten – nicht, dass Sie tatsächlich infiziert sind. In diesem Fall sollten Sie direkt nach Hause gehen und dort zunächst bleiben. Rufen Sie Ihren Hausarzt an und erkundigen Sie sich telefonisch nach dem weiteren Vorgehen. 

Quellen:
Corona-Warn-App: Was tun bei einem Risiko-Kontakt?, in: apotheken-umschau.de
Kennzahlen zur Corona-Warn-App, in: rki.de
Risikobegegnung - und dann?, in: tagesschau.de

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2020 praxisvita.de. All rights reserved.